Kennt ihr die Geschichte, in der Pippi Langstrumpf ein Wort findet und das Ding dazu sucht? Das Wort ist „Spunk“ und sie sucht den ganzen Tag.
Mir ging es in den letzten Tagen gerade umgekehrt. Ich hatte das Phänomen deutlich vor Augen und suchte einen Ausdruck dafür.
Egal wo man gerade mitliest, das Internet ist voll davon: Jemand schildert etwas, das ihm zugestoßen ist, beschreibt, dass es ihm schlecht geht. (Warum und was passiert ist, ist völlig egal, banal oder lebensverändernd.) Sofort kommt einer aus dem Busch und schreit: „Selbst Schuld, kein Mitleid*!“ und benennt geschwollen vor Hochmut einen vermeintlichen Fehler, den dieser Mensch sicher gemacht hat, er aber nicht, und deshalb wähnt er sich (wähnen kommt hier wirklich von wahnhaft) in Sicherheit.
Für dieses Massenphänomen suchte ich also eine Definition, einen Terminus. Victim Blaming und Schuldzuweisung trafen es für mich nicht so ganz. Diese Schuldzuweisung aus dem wahnhaften Irrglauben heraus, durch das Vermeiden eines Fehlers, der willkürlich als Ursache des Unglücks eines anderen Menschen definiert wird, selbst vor diesem Unglück absolut sicher zu sein, ist eher ein fundamentaler Attributionsfehler.
Pippis „Spunk“ ist am Ende der Geschichte dann übrigens ein kleiner Käfer.
* Die unterschiedlichen Bedeutungen von „Mitleid“ und „Mitgefühl“ sind auch so ziemlich im allgemeinen Lärm untergegangen.












