Puh…

Krank gewesen. Viel geschlafen. Gelesen. Geschmiegt. Hörbuch gehört. Film geschaut. Himmel und Vögel vor dem Fenster angesehen.Jetzt böllert es direkt vor dem Fenster – die Menschen, die seit 3 Jahren in Reih und Glied marschieren, rebellieren wie jedes Jahr für eine Woche mit „BUMM“, das totaaal solidarisch Alte, Kranke, Sensible, Tiere usw. erschreckt. Merkwürdig dünnhäutig geworden, wie das nach solchen Infekten eben so ist. Wie mag es weitergehen?

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Heimweh nach dem Elsaß. 

Sonnwende

Wir waren im Elsass eingefroren und konnten erst einen Tag später losfahren. So einen Eisregen, Blitzeis und so weiter habe ich noch nie gesehen. Dann gab es einen Stop von 3 Tagen im Hohenlohischen und nun sind wir in Ostfriesland. Ich habe die Praxis in Betrieb und werde heute mal auf die Findung von Judasohren gehen. Hier gibt es so viel Holunder, die Chancen sollten gut stehen. Insgesamt ist die Situation schon schräg, aber wir können mit großer Leichtigkeit hindurchgehen. Ahnbindung gibt Freiheit.

Heute zur längsten Nacht leuchten die Kerzen in den Mutterfarben.

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Stromausfall

Nach zwei Probestromausfällen hier in Frankreich war heute Morgen wieder alles dunkel, als ich aufstand. Natürlich nahm ich an, dass das jetzt zur steten Übung wird, aber der Strom kam und kam nicht wieder. Unsere Vermieterin sagte uns dann, dass ein paar hundert Meter entfernt nachts ein Haus abgebrannt sei, ganz still und leise. (Wir haben es aus der Entfernung dann gesehen, es war ein Kaminbrand und sieht ziemlich schaurig aus.) Der Tag war hell und sonnig, das war gut, eiskalt, das wurde dann ein bißchen schwierig, da die Heizung auch nicht ging. Wir waren lange spazieren und konnten dann, da wir zum Glück einen Gasherd haben, kochen. Gewundert hat uns, dass auch die Kirchturmuhr stehenblieb und die Glocken nicht läuteten, irgendwie verbindet man eine so alte Kirche nicht mit Strom, auch wenn uns klar war, dass die einzelnen Viertelstunden sicher nicht mit der Hand geläutet werden. Nun ist gerade wieder alles angesprungen, ich hoffe, es bleibt. Und wir haben ein paar Anschaffungen auf die Liste gesetzt. Zum Glück hatte ich Kerzen, Streichhölzer und sogar eine handbetriebene Taschenlampe. Und warme Decken.

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Mein heutiges Lieblingsbild. Wenn hier im Wald etwas umfällt, bleibt es liegen, allenfalls wird der Weg freigesägt. Dieser Baum war in mehreren Teilen sanft beiseite gelegt worden.

Maria.

Es findet eine Aussöhnung mit der Figur der Maria statt. Hier, neben „ihrer“ Kirche, deren Glocken mich nicht stören, finde ich jeden Tag neue Bilder des alten Wissens, die sich in ihr erhalten haben. Sie ist eine Fährfrau zwischen den Ahnen und uns.

Maria
Mandorla
Muschel
Vulva
Schlange
Drachin
Mondhörner
Erdmutter
Leib

Dazu duftet die Luft nach Gebirge, obwohl es gar nicht so hoch ist, und der Bach, der am Anfang, als wir kamen, so klein war, rauscht und braust nur so, in den Wäldern scheint alles auf Erwartung der Winterpilze zu stehen, und wenn die Sonne durch die Wolken scheint, leuchtet das Land paradiesisch in den Farben des Vergehens.

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Töpfchen

Wir wohnen hier direkt am Friedhof und haben in den letzten Tagen gestaunt, welche Blumenpracht dort aufgestellt wurde. Die meisten Gräber haben hier Marmorplatten und die sind nun üppigst mit Chrysanthemen, Dahlien, Astern und seltsamerweise auch mit vielen künstlichen Blumen geschmückt, Dazwischen einige uralte Gräber, die kahl und anonym dazwischen liegen. Die gefallen mir besonders. Ich hatte kurz den Impuls, ein paar Blumen etwas gerechter zu verteilen aber dann mochte ich es doch nicht tun. Ein umgeknicktes uraltes Holzkreuz habe ich wieder aufgerichtet, manchmal bin ich schon komisch.

Auf den meisten Gräbern finden sich kleine Gefäße, die meistens an eine Butterdose aus Porzellan erinnern. In manchen sind kleine Steine, aus manchen ragt ein Zweiglein hervor, Buchsbaum, denke ich. Mich haben sie an die Töpfchen in dem wunderbaren tschechischen Film „Wie soll man Doktor Mracek ertränken?“ erinnert, in dem die Wassermänner gefangene Seelen in solchen Töpfchen aufbewahren. Also habe ich einige Deckel gelüftet und mir vorgestellt, wie die Seelen nun die Freiheit genießen.

So dicht neben einer Kirche zu wohnen, ist spannend. Dass das dauernde Läuten gar nicht stört, auch. Gestern habe ich sogar eine Kerze vor der Maria angezündet (und sie bezahlt). Ahninnenzeit.

Ich sitze im Elsass

auf dem Sofa und schaue alte Filme, lese Lieblingsbücher und gehe natürlich auch viel spazieren. Es ist mild, warm, oft sehr sonnig, ab und zu füllt ein reicher Regen die kleinen Bäche. Dazu kommt das große Glück, mit dem Menschen zusammen zu sein, der mir Raum gibt, der schmiegen kann, der nicht nur Ähnliches sondern das Selbe sieht, wenn wir etwas anschauen.

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Wegwarte

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Auch, wenn ich jetzt mit warmem Pullover spazieren gehe, die Wegwarte begleitet mich immer noch. Den warmen Pullover brauche ich auch im Zimmer, die Heizung geht nämlich nicht. Am Wochenende gehen wir in eines der letzten Konzerte des Hohenloher Kultursommers. Zusammen.