Mein rechtes Knie hat seit Dienstagabend scheußlich wehgetan. Heute ging wieder ein (wunderbarer) Spaziergang in der vorfrühlingshaften, den Wetterbericht Lügen strafenden Sonne. Was hat geholfen? Ich glaube, aus dem gesamten Mix, den ich ausprobiert habe, waren Quantum Entrainment (also die Zweipunktmethode, bekannt aber nicht erfunden durch Frank Kinslow) und Pferdesalbe (danke für die Erinnerung, liebe Gabriele) besonders hilfreich. Treppen und das geliebte Ettenheimer Kopfsteinpflaster sind noch ein bißchen schwierig. Was sagt die Organsprache? Rechte Seite – Umgebung, Außenwelt. Knie – in die Knie gehen oder nicht? Beugen? Starre? Gehen – wo will ich hin, wo nicht? Mit den Gedanken kann man ein bißchen spielen. Was habe ich gelernt? Man soll keine Bewegungen aus Reels nachmachen, die man überflüssigerweise angeklickt hat.

Montagmorgen

Ich komme an den Punkt, an dem das morgendliche Querlesen im Internet Überdruß und Langeweile hervorruft. Kitschige KI Bilder und -Geschichten, bösartige Kommentare (und dumme) zu jedem Thema, egal was, eine überall durchschimmernde Untertanenmentalität, die sich befriedigt fühlt, wenn sie nach unten treten kann, das zwanghafte Breittreten von allen vorstellbaren Banalitäten im vermeintlich öffentlichen Raum – man braucht für diesen Überdruß nicht einmal die Tagespolitik, das Weltgeschehen, die großen Lügen, die schlimmsten Strömungen – die Zerstörung findet auch von unten statt, im Mikrokosmos. 

Und bei all dem nicht vergessen: Hinschauen, ja, davon zu sehr beeindrucken lassen, nein. Immer wieder den Fokus richten. Was ist wahr? Was ist wichtig? Was ist noch da? Was hat mich heute gefreut?

Es wird heller.

Das heißt natürlich, die Tage werden länger. Man merkt es schon. Es geht auf Lichtmess zu. Lichtmess. Imbolc. Eines der wichtigsten Feste im Jahreskreis. Ausfegen, Ausschütteln, Ausmisten, Aussortieren und: Aussichten.

Heute Nacht habe ich von viel Schnee geträumt, gleich werde ich aber erst einmal ohne Schnee durch den kalten Morgen zur Arbeit gehen.

Übrigens: In dieser Zeit, in der alles immer hastiger gehen soll, geht eins immer langsamer, die Post. Ich habe an einem Dienstag einen Brief eingeworfen, damit er am Samstag gewiss angekommen sei. Er hat volle 8 Tage gebraucht. Der alte Stechlin hätte es nicht geglaubt. Damals kam zweimal am Tag die Post, stellt euch das mal vor. Und wer nachmittags zu Besuch kommen wollte, schrieb am Tag zuvor und sagte Bescheid. Und das Telegramm war gerade erfunden worden.

Blow, blow thou winterwind

thou art not so unkind… (Shakespeare)

Ein warmer Wind hat über Nacht den Schnee aufgeleckt, die Spatzenbande macht einen Krach wie ein ganzer Schulausflug und von Südwesten her wird der Himmel blau. Bei solchem Wetter muss ich immer an „The secret Garden“ von Frances Hodgson Burnett denken mit den wunderschönen Beschreibungen von Gärten im Winter und Vorfrühling, und damit ans Dartmoor und an England. Ans England von früher. Und früher ist noch gar nicht so lange her.

2026

Der Dezember hat sich letztes Jahr sehr gezogen, die 3 Wochen bis zur Wintersonnenwende waren lang. In den Rauhnächten (ja, ich schreibe sie immer noch mit H) wurde es besser. Insgesamt war es eine herausfordernde Zeit mit viel emotionalem Auf und Ab, da passte die Reise zum Jahresanfang gut hinein. Nun bin ich wieder zuhause, heute zur letzten der Rauhnächte, der Nacht der Wunder.

Bücher.

Ich habe beschlossen, mir jeden Monat ein, zwei neue Bücher zu gönnen. Neu in dem Sinne, dass ich ganz alte, zerfledderte Exemplare (und von denen habe ich erstaunlich viele, das ist mir jetzt erst richtig aufgefallen) durch gut erhaltene ersetze. Heute kam „Achtung, Vranek sieht ganz harmlos aus.“ an. Und es ist ein sonderbares Gefühl, dass jemand das Buch, das seit 1977 bei mir war, das ich zerlesen, zerliebt, zerrupft habe, das jedes Jahr mehrfach gelesen wurde, das mindestens achtmal mit mir umgezogen ist, bei sich stehen hatte, ohne es anzufassen – es ist die gleiche Taschenbuchausgabe von 1977 und sieht aus wie neu.

Wer mag, kann dem sich daraus natürlicherweise ergebenden Gedanken ein bißchen folgen, dass es mit den Menschen ist wie mit den Büchern: Manche sind unterwegs, erleben viel, folgen dem Leben und gehen das Risiko ein, zerpliesert zu werden, halten sich tapfer und die Seiten beieinander; andere stehen brav im Regal, lichtgeschützt, ohne Falten, Eselsohren und Randnotizen.

Wusstet ihr,

dass zwar zur Wintersonnenwende der kürzeste Tag ist, der früheste Sonnenuntergang aber schon fast 10 Tage vorher und der späteste Sonnenaufgang erst eine gute Woche danach?

Hier war jetzt einige Tage Inversionswetterlage und wir steckten mit Fluß, Ebene und allem unter einem dicken Nebeldeckel, da war es eh die ganze Zeit dämmrig, jetzt ist es endlich wieder hell und gestern Abend war es wirklich schon zu merken, dass es einen Hauch später dunkel wird.

Einen Hauch. Um kurz nach Sechs ist es natürlich finster, schließlich ist Dezember.

Wenn ich um diese Jahreszeit abends in einer Stadt unterwegs bin, fällt mir oft der Winter 1982 ein, als ich so richtig die Stadtbücherei in S. entdeckte. Was war das für ein Trost und eine Zuflucht für die langen dunklen Nachmittage und Abende. Sie war (und ist übrigens noch) in einem der wenigen schönen alten Stadthäuser und ich erinnere mich genau an die schwere Türe, die Treppe dahinter und die beiden Stockwerke mit den Büchern. Es roch nicht unbedingt gut aber angenehm. Ein Paradies für Querleser wie mich. Ein Paradies, das sich heute in den offenen Bücherschränken fortsetzt.

Traummusik

Nachdem ich die ganze Nacht in jedem der zahlreichen Träume auch immer wieder „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“ und zwar mit Orgel und Chor geträumt habe, habe ich mich bei der zweiten Tasse Kaffee mal an einen alternativen Text gemacht.

Hier ist die Musik:

https://www.youtube.com/watch?v=uFDGhGp3Zms

Und da der Text:

Die Himmel zeigen die Lebenssphäre,
beschreiben alles ohne Wort.
Der Herzschlag der Mutter durchdringt die Meere
und dreht die Erde, unseren Ort.
Im All-Eins leuchten unzählbare Sterne,
auch Sonne, die so hell entflammt.
Dazwischen dehnen sich Leere und Ferne,
das Dunkel, aus dem alles Leben stammt.

Unser besonderer Ort.

November.

Ja, November, nun hast du dein Bilderbuchwetter (Regen, Kälte, Nebel, Schnupfen, Dunkelheit) vorgezeigt, nachdem es in den ersten Wochen so zart, golden und schön war, jetzt reicht es, wir wissen es wieder.

Gestern war Katharinentag und ich bin mal gedanklich in die Zeit der Sperrnächte eingestiegen. (Die Heilige Katharina ist auch ein schönes Beispiel dafür, wie aus dem natürlichen Rückzug in die Winterruhe erst bei den Kelten die Wilbeth wurde, deren Symbol das Jahres-/das Lebensrad ist, das nun zum Stehen kommt, wenn die letzten Ernten eingefahren sind und dann die arme Katharina, die aufs Rad geflochten wurde. Das Symbol konnten sie nicht ganz entfernen aber sie konnten es verdrehen und pervertieren. Seit jeher ein beliebtes Prinzip bei Kirche und dem gesamten Patriarchat.)


In dieser Zeit des Einsinkens, in die das allzuviele, allzufrühe Weihnachtsblingbling nicht passt, vermisse ich einmal wieder meinen guten alten Freund und Kollegen K.B. – wie gerne hätte ich heute Vormittag einen Telefontermin mit ihm. Er war immer ganz pünktlich, noch beim Beginn des Gesprächs hörte ich den Westminsterschlag seiner Uhr im Hintergrund. Wir haben einander nie bewertet oder belehrt, er konnte Rat geben ohne damit um sich zu schlagen. Und was haben wir gelacht. Jede Supervision oder Therapie muss sich an unserer Haltung in diesen Gesprächen messen. Präsenz, Respekt, tiefe Menschlichkeit und kein Zweifel an der eigenen Souveränität.