Maria.

Es findet eine Aussöhnung mit der Figur der Maria statt. Hier, neben „ihrer“ Kirche, deren Glocken mich nicht stören, finde ich jeden Tag neue Bilder des alten Wissens, die sich in ihr erhalten haben. Sie ist eine Fährfrau zwischen den Ahnen und uns.

Maria
Mandorla
Muschel
Vulva
Schlange
Drachin
Mondhörner
Erdmutter
Leib

Dazu duftet die Luft nach Gebirge, obwohl es gar nicht so hoch ist, und der Bach, der am Anfang, als wir kamen, so klein war, rauscht und braust nur so, in den Wäldern scheint alles auf Erwartung der Winterpilze zu stehen, und wenn die Sonne durch die Wolken scheint, leuchtet das Land paradiesisch in den Farben des Vergehens.

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Töpfchen

Wir wohnen hier direkt am Friedhof und haben in den letzten Tagen gestaunt, welche Blumenpracht dort aufgestellt wurde. Die meisten Gräber haben hier Marmorplatten und die sind nun üppigst mit Chrysanthemen, Dahlien, Astern und seltsamerweise auch mit vielen künstlichen Blumen geschmückt, Dazwischen einige uralte Gräber, die kahl und anonym dazwischen liegen. Die gefallen mir besonders. Ich hatte kurz den Impuls, ein paar Blumen etwas gerechter zu verteilen aber dann mochte ich es doch nicht tun. Ein umgeknicktes uraltes Holzkreuz habe ich wieder aufgerichtet, manchmal bin ich schon komisch.

Auf den meisten Gräbern finden sich kleine Gefäße, die meistens an eine Butterdose aus Porzellan erinnern. In manchen sind kleine Steine, aus manchen ragt ein Zweiglein hervor, Buchsbaum, denke ich. Mich haben sie an die Töpfchen in dem wunderbaren tschechischen Film „Wie soll man Doktor Mracek ertränken?“ erinnert, in dem die Wassermänner gefangene Seelen in solchen Töpfchen aufbewahren. Also habe ich einige Deckel gelüftet und mir vorgestellt, wie die Seelen nun die Freiheit genießen.

So dicht neben einer Kirche zu wohnen, ist spannend. Dass das dauernde Läuten gar nicht stört, auch. Gestern habe ich sogar eine Kerze vor der Maria angezündet (und sie bezahlt). Ahninnenzeit.

Ich sitze im Elsass

auf dem Sofa und schaue alte Filme, lese Lieblingsbücher und gehe natürlich auch viel spazieren. Es ist mild, warm, oft sehr sonnig, ab und zu füllt ein reicher Regen die kleinen Bäche. Dazu kommt das große Glück, mit dem Menschen zusammen zu sein, der mir Raum gibt, der schmiegen kann, der nicht nur Ähnliches sondern das Selbe sieht, wenn wir etwas anschauen.

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Wegwarte

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Auch, wenn ich jetzt mit warmem Pullover spazieren gehe, die Wegwarte begleitet mich immer noch. Den warmen Pullover brauche ich auch im Zimmer, die Heizung geht nämlich nicht. Am Wochenende gehen wir in eines der letzten Konzerte des Hohenloher Kultursommers. Zusammen.

All-Tage

Was für eine Hitze und Trockenheit. Ein Sommer wie aus dem Märchen von der Regentrude. Neben wunderbaren Schattensiestas unter hohen Bäumen habe ich einen verzauberten Garten kennengelernt, war mit einer lieben neuen Freundin abends aus und wurde von einem Pitbull abgeschleckt, haben die eine riesige Zunge. Dazwischen habe ich gearbeitet und viel mit meinem Vater telefoniert. Ab Samstag habe ich Urlaub, ab in die nördliche Kühle.

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In seelenlosen Häusern
stehen gedankenlose Menschen auf Balkonen
und schauen in den Sonnenuntergang.
Gedankenvolle auch.
Und Sommerhöhepunkt, August,
die wiegen sich der Nacht entgegen,
voller Mut,
und meine Seele
zwischen Traurigkeit und Wut
(und immer Freude am Lebendigsein darunter)
spannt ihre Flügel
mit den Fledermäusen
und flattert in die nächste Nacht, den nächsten Tag.

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