Nächtliche Erkenntnis,
wegen der ich um 5.18 Uhr aufstehe. Ich habe immer wieder als persönliches Thema, das meine Eltern mich Einzelkind so im Beobachtungsfokus hatten. Gerade meine Mutter wollte immer genau wissen – und glaubte auch, genau zu wissen – was ich denke, fühle, mache, plane, bin. Das ist für ein Kind so anstrengend, dass ich immer noch Strategien entwickle, um Beobachtung zu entrinnen. Und eben rutschte ich im Halbschlaf in eine Art Dialog mit meiner Mutter, die ja 1998 gestorben ist. Dabei stellte sich heraus, dass sie das getan hat, weil sie als Kind völlig uninteressant für ihre Eltern war. Die waren mit ihrer Scheidung (die erste Scheidung in der badischen Kleinstadt, im Jahr 1939 ein Skandal ohnegleichen) und dem gegenseitigen Hass beschäftigt, ihrer großen Schwester wurde sie als zu hütendes Anhängsel angehängt. Sie hätte sich gewünscht, dass jemand sich für sie, ihre Gedanken und Pläne interessiert hätte. Und so hat sie mir ihre Aufmerksamkeit geschenkt. Allerdings hat sie mich radikal damit überschwemmt. Ob ich es balancieren konnte bei meinen Kindern? Ich werde sie mal fragen. Vielleicht hätten sie wieder lieber mehr „Beobachtung“ gehabt? Ich glaube nicht, aber ich werde sie fragen.