Wir erleben eine Zwischenzeit in dieser seltsamen Welt. Wie mit Scheuklappen hasten die Menschen in den Städten aneinander vorbei, rempeln sich an, kaum jemand blinkt, wenn er aus einem Kreisverkehr rausfährt, man kommt sich vor wie bei einem ziemlich niveaulosen Jump-and run-Spiel. Dieses Jump-and-run-Spiel-Gefühl hatte ich zum ersten Mal, als 2020 die Abstandsregelung ausgerufen wurde und die Leute vom Weg sprangen, wenn ich ihnen entgegen kam. Jetzt ist es eher so, dass ich ausweiche, weil sich eben zu Fuß, mit Fahrzeugen oder Einkaufswagen so bewegt wird, als wäre niemand anderes da. Das große Thema ist wieder mal Fußball; was die Weltpolitik derweil betreibt, um die Reise in den Abgrund zu beschleunigen, ist den allermeisten Leuten offensichtlich komplett egal. Ein Foul im Strafraum ist wesentlich empörender und mit mehr Emotionen besetzt als so etwas wie Grundrechtsverluste.

Und was ist schön? Was ist gut? Die Menschen, die geblieben sind. Der (wenn auch bisher wirklich nasse und kühle) Sommer. Der Gesang des Zaunkönigs am Morgen und die flötende Amsel am Abend, der unverwechselbare Ruf des Milans, wenn er dicht über uns kreist.

Gut ist, wenn ich mich ins nasse Gras knie, um festzustellen, dass die kleine Nelke trotz des ganzen Regens unglaublich fein duftet.

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