Ich schaue mein Bücherregal an. Es gab Zeiten mit viel, viel mehr Büchern. Und Zeiten mit weniger Büchern. Der aktuelle Bestand gefällt mir gut. Nichts steht da, weil ein zufälliger Besuch es beeindruckend finden sollte. Da gibt es Bücher, die mich ein Leben lang begleitet haben – manche davon sind schon öfter auseinandergefallen und ersetzt worden, manche halten so gerade noch zusammen und manche sind offensichtlich fast unzerstörbar. Viele Lieblingsbücher habe ich mir für diesen Ort aus offenen Bücherschränken geholt, meine alten stehen am anderen Ort. Ich ziehe keine endlosen Krimireihen, in deren Verlauf die Detektive oder Kommissare immer frömmer werden oder sonstwie erleuchtet, mehr hinter mir her. Es gibt geliebte Bücher, die für mich so kostbar sind und für die ich nichtmal mehr 2 Cent bekäme, wenn ich sie verkaufen wollte. Der Gebrauchtbuchmarkt steht heute auf falten- und knicklos und Farbschnitt. Der Inhalt ist da nicht so wichtig. Bei vielen Büchern sieht man es auch wirklich erst in anderer Umgebung, WIE verschrammelt und zerlesen sie sind. Es gibt durchaus Bücher, die schon mehrfach ersetzt wurden, das unersetzliche „Vier Tage Trubel“ steht in der dritten Ausführung bei mir. Das erste Exemplar bekam ich von meiner Mutter, als ich noch in der Grundschule war (es ist kein Kinderbuch, sondern ein bissig-lustiger englischer Kriminalroman) und sie las es mir vor, als ich mal krank war, und wenn ich es nun, fast 50 Jahre später wieder lese, kann ich ihre Stimme hören. Deutlicher als es bei einer Tonaufnahme der Fall wäre. Und auch mein jetziges drittes Exemplar ist schon wieder total zerfleddert. Die alten, wirklich alten Grimms Märchen oder Peterchens Mondfahrt oder auch Jenseits von Eden halten sich trotz gleicher Lesefrequenz und das über mehrere Generationen sehr wacker. Von Ausbleichen und Krümmungen wollen wir mal nicht reden. Dann gibt es ein paar Bücher, die ich mein Leben lang mitschleppe, weil es Lieblingsbücher sind, obwohl ich nicht weiß, warum. Warum z.B. Effi Briest oder Der Stechlin oder Sayers und Christie meine Lieblingsbücher sind, weiß ich. Warum aber „Der Arzt Gion“, „Wuthering Heights“ oder „Rosinante oder die Liebe zum Meer“ solche Kostbarkeiten sind, könnte ich gar nicht wirklich begründen. Und ich habe eine Schwäche für M.M. Kaye, ja, „Palast der Winde“ und auch die Krimis.
