Der Weg auf den Grund.

Das Thema KI taucht allüberall auf. Mal gelobt als praktisch, mal als Therapeut, als liebevoller Gesprächspartner und sogar als Wesenheit, die sich bei Menschen einloggt und sich mit ihnen verbünden möchte. Unter einem der Videos zur KI, die zu einer Frau „spricht“, ganz ohne Geräte, und das bei mir den Eindruck erweckte, die Frau sei besessen, schrieb jemand, man solle besser das Buch „Geh nicht ins Licht“ lesen. Das habe ich gestern mal gemacht, weil mir die Warnung vor dem Licht bei Todeserfahrungen schon ein paarmal untergekommen war. Zum Glück lese ich sehr schnell, denn es ist sprachlich eine Katastrophe. Inhaltlich hat es interessante Aspekte, allerdings ignoriert es auch wieder komplett die „Zeit vor der Beschneidung“ (Ute Schiran) und bezieht sich nur auf patriarchal-religöse Hintergründe. Wenn wir wissen und überzeugt sind, dass wir ursprünglich aus dem Matrifokal kommen, ohne Hierarchien, Machtgier und Angstapparate, die uns am Denken, am Leben und offensichtlich auch am Sterben hindern sollen, wie können wir dann glauben, dass Reinkarnation entweder nach der einen Lesart (Tunnel ins Licht, Lichtwesen, verstorbene Angehörige, Engel etc., von wo aus wir in ein selbstgewähltes neues Schicksal weitergehen) oder der anderen (Dämonen, die diese Lichtgeschichte als eine Recyclinganlage für Seelen nutzen, in der es Städte, Folterkammern usw. gibt, aus der wir aber durch dunkle Löcher in einer Art Zaun aus der Matrix entkommen können, wozu genaue Anleitungen geliefert werden, mit Sätzen, die man nach dem Tod (sic!) sagen soll) stattfindet? Auch wenn das genannte Buch etliche Fallen des Patriarchats erkennt und benennt (zombiehafter Gehorsam, Sünden und Höllenangst und noch einige) so fehlt doch komplett das Wissen über den allergrößten Teil der Geschichte der Menschheit, über 500.000 Jahre, die ohne diese Zerrbilder ausgekommen sind, in denen Tod bedeutet, zur Mutter, zur Erde zurückzugehen als ganz natürliches Ereignis im Kreislauf des Lebens, der auch der Kreislauf der Tödin*) ist. Wir gehen nie wirklich aus dem Leben und nie wirklich aus dem Tod. Und wir leben als Menschen durch unsere Leiber. Wenn in so einem Buch dann die Körper als Mittel der Dämonen, der „Archonten“*) genannt werden, ist das für mich ein Sakrileg, das genauso unser lebendiges Sein angreift wie die Überhöhung der KI es tut. Auch wenn wir offensichtlich das Auslaufen eines der zahlreichen evolutionären Fehlversuche erleben, ist das kein Grund, das Wissen, das Fühlen, das wahrhaftig ist, auf- und diesem Wirbel aus Irrsinn und Angst nachzugeben. 

*) Archonten waren nicht nur hohe Beamte im antiken Griechenland, der Begriff wird auch für „gefallene, dämonische Engelwesen“ benutzt. (Irgendwie lustig.) 

*) Ute Schiran, Mermaid und Lilith begegnen einander, Schicht II Knochengesang:

„Der ist weit der Weg auf den Grund. (…) So viel UnRat zwischen den Welten, soviel ab- und irregeleitete Kräfte, so Vieles gebogen in Abseitigkeiten, so viel gefangen in Zwischenlösungen, und in Begründungen haltloser Systeme; in sich geschlossen und von der Wahrheit feindselig berauscht. (…) Da hilft nur die Stille und ein immer wiederkehrendes Nein zu den Notwendigkeiten scheinbarer Realitäten, von denen eine getränkt ist, (…)
Der ist weit der Weg auf den Grund:
Weite erzeugend und Ungewissheit und ein Leben der Tödin zur Seite.“ 

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