Wir haben heute in Seelbach auf der Terrasse am Schwarzwälder Hof Kaffee getrunken. Der Campingplatz ist bumsvoll, da passt keine Maus mehr drauf. Ich werde immer bedauern, dass die seltsamen, superteuren „Baumhäuser“ den Blick auf den Tretenhof versperren. Der Tretenhof ist eines meiner Lieblingshäuser. Die Veränderungen nehmen dem Ort nicht seine besondere Atmosphäre. Zumindest noch nicht. Ich habe in den letzten Tagen beim Gehen viel gesungen. Ich merke, dass ich es nicht „Mantren“, nicht „Chanten“ nennen will. Zaubersprüche vielleicht, Magie. Vor über einem Jahr hat es angefangen, in mir zu singen, „Jeder Schritt ist ein heiliger Schritt, jeder Schritt ist ein Heilungsschritt“. Und damit habe ich mich Stufe für Stufe (und das ist durchaus wörtlich gemeint bei den vielen tatsächlichen Stufen) weitergesungen. Meine Freundin Elisabeth schrieb heute, sie kommt in 14 Tagen auf dem Rückweg von Oggebbio vorbei. Oggebbio. Die 100 Stufen (schon wieder Stufen), der erste Blick von der Terrasse auf den Lago Maggiore, der mit den Ameisen geteilte Keks, mein Morgenkaffee, das nächtliche Gewitter.
Die Stockrosen besuche ich immer, wenn ich in die Stadt gehe. Ich habe jahrelang versucht, im Garten welche zu ziehen. Sie wurden immer abgemäht. Nun blühen sie mir einfach so. Und ich merke, dass ich völlig ohne Groll bin, das fühlt sich gut an.
