Nun ist der Herbst schon fast zuende. Ich sitze mit der zweiten Tasse Kaffee im Erker und schaue den Vögeln an den Futterstellen zu. Gleichzeitig sehe ich die letzten Blätter, die im leichten Wind an den Ästen zittern, bevor sie fallen, sehe die Zeichen des Vergehens am alten Apfelbaum. Und nichts davon ist traurig oder (wie oft von romantischen Dichtern besungen) der Tod. Es sei denn, man begreift die Tödin (ja, ich weiß, das gäbe wieder Debatten beim Scrabble) als Begleiterin des Lebens. Die Bäume und Sträucher, die Tiere, die in den Winterschlaf gehen, alles braucht doch diese Ruhe. (In Gegenden, in denen es keinen Winter gibt, nimmt die Natur sich auch diese Ruhezeiten, nur anders wahrnehmbar.) Einsinken in die Stille, in die Dunkelheit, ins Träumen, ins Leerwerden, ist die Phase des Kraftschöpfens im Zyklus.
„Da ist eine Stille im Universum,
wo eine nur nachgeben kann, ohne sich was draus zu machen.
Weder Trauer noch Wut,
weder Schmerz noch Extase
geleiten eine ins Lösen und Sinken.“
(Ute Schiran, Mermaid und Lilith begegnen einander in Dunkelheiten, Schicht III)