Ich habe, weil das friedlich und unanstrengend auf dem Sofa geht, endlich die vielen Steinchen des alten Sandsteinmosaiks meiner Oma mütterlicherseits eingeräumt. Die Mutter meiner Mutter wurde 1898 in dieser Stadt geboren und hat vor über 120 Jahren schon mit diesem Mosaik gespielt. Es gibt natürlich noch einen schönen Holzkasten mit Schiebedeckel und ein bebildertes Anleitungsheftchen. Das ist aber gerade beim Buchbinder.
Meine Oma hieß Luise. Sie war die Ersatz-Luise – unter ihren vielen Geschwistern hatte es schon einmal eine Luise gegeben, von der erzählt wurde, sie sei besonders klug und der Liebling des Vaters gewesen, des Schuldirektors. Und dann starb sie (verschwommen ist mir eine Geschichte mit nassen Haaren, weil der Vater mit ihr im Regen Fahrrad gefahren war und Hirnhautentzündung in Erinnerung) und als meine Oma auf die Welt kam, wollten sie halt wieder eine kleine Luise. Ich frage mich, was das wohl mit ihr gemacht hat.
Sicher ist: Sowohl meine Oma als kleines Mädchen ganz zu Anfang des 20. Jahrhunderts, meine Mutter um 1940 herum und ich so ab 1975, sogar meine Kinder ab 2000 – wir fanden alle das Legen mit den Steinchen, das Anfassen, das Geräusch faszinierend und entzückend und wir alle haben uns immer wieder erfolgreich vor dem Einräumen in die Rähmchen gedrückt, so dass diese Aufgabe nun im Jahre 2026 kurz vor meinem 56. Geburtstag bei mir gelandet ist.
Das Mosaikspiel war mittlerweile schon in Gelsenkirchen, an drei Orten im Sauerland, in Ostfriesland und ist nun wieder hier gelandet, wo es hergekommen war. Sogar auf dem Schreibtisch meiner Oma, der seit meiner Schulzeit dann meiner war.
