Ich hatte letzten Herbst im offenen Bücherschrank ein noch eingeschweißtes „Dream Diary“ gefunden und es ein paar Monate benutzt. Den jeweiligen Tag und die darauffolgenden Träume auf den vorgesehenen Linien beschrieben. Jeden Morgen beim ersten Kaffee.
Zuerst fiel mir auf, dass ich im Traum nicht mehr wusste, dass ich träume und auch nicht einmal den Verdacht hatte, ich könnte träumen oder versuchen aufzuwachen. Dann wurden die Träume immer verwaschener und banaler.
Nachdem ich krank gewesen war und nach meinem Geburtstag, stand ich an einem Morgen auf, stellte mir den ersten Kaffee auf den Tisch im Erker, an dem ich morgens so gerne sitze, nahm das Traumtagebuch und beförderte es zielstrebig und mit einem gewissen Wohlbehagen in die Altpapierkiste.
Meine Träume mögen es offensichtlich nicht, beobachtet und katalogisiert, in vorgegebene Felder eingetragen, verglichen und festgehalten zu werden. Warum auch? Kein Teil von mir mag das.
In den letzten Nächten sind sie zurückgekommen, meine wilden, klaren, verrückten, bildgewaltigen Träume. Zugleich mit dem Frühling.
