Ich bekomme in der letzten Zeit öfter Reklame für ein Buch namens „Keiner will deinen Schei*!“ angezeigt. Ein Buch, das ich mir nicht anschaffen werde. Ich bin von Natur aus eine Entrümplerin. Das hat keine moralischen und manchmal nicht einmal besonders praktische Gründe. Ich mag es einfach. Schon als Kind war es für mich eine Methode, bessere Laune zu bekommen. Genauso wie ich beim Reisen leichtes Gepäck schätze.
Wenn aber der Krempel (und auch meine Lieblingsdinge sind für andere natürlich „Krempel“) als etwas definiert wird, das man gefälligst loswerden muss, damit die lieben Erben sich nicht damit herumschlagen müssen, dann wird es komisch. Man darf doch wohl solange man lebt, die Dinge haben, an denen man sich freut. Soll mein Vater seine Bibliothek entsorgen, damit ich (oder meine Kinder) keine Last damit haben?
Das wäre es noch. Mit den letzten Kräften auf den letzten Metern noch ordentlich ausräumen, schnell überstreichen und durchfegen und das Leben, den eigenen Lebensraum besenrein verlassen, unauffällig und diskret, bevor man stört.
Entrümpeln ist eine Methode, eine Technik, die mehr Wohlbehagen für einen selbst schafft. Das heißt, was man selbst als ein Zuviel empfindet, was einen hemmt und drückt, das lohnt sich loszulassen. Aber doch nicht das, was irgendwer als „Scheiß“ betrachtet und sich dann im Buchtitel noch nichtmal traut, das Wort auszuschreiben.
