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Heute konnte man zum ersten Mal wieder in der Sonne sitzen. Morgens Frost und nachmittags dann diese angenehme Wärme. Eindeutig ein Punkt für „Und was hat mich heute gefreut?“ bei der Korbübung (das ist eine Meditation, bei der man in einem geschützten Raum, bei mir ist es der „Felsendom“ nach Gerda Bareuther, einen dieser altmodischen Wäschekörbe mit Deckel stehen hat, in den man alles hineinlegt, was einen ängstigt, betrübt, schmerzt, ärgert – kleine und große Dinge, den Deckel schließt, den Korb beiseite schiebt und sich dann die Frage von oben stellt. Mit dieser Freude des Tages geht man dann in den Schlaf).

In den Korb stecken kann man auch getrost die hochwertige Kritik zur eigenen, gut recherchierten, fundierten Meinung: „Du hast wohl auf der Youtube Universität studiert“ (Der Satz für heute.)

Der Satz für heute ist: „Warum sollten sie uns denn anlügen?“.
Ja, warum wohl? Für Macht, für Geld, für Kontrolle.
Und nein, „Menschen“ sind nicht so und wir fallen auch nicht „zurück in die Steinzeit“. In der Steinzeit war es eben nicht so.
Menschen, die bio-logisch a(h)ngebunden leben (im Matrifokal), brauchen und wollen weder Macht noch Geld noch Kontrolle. Also Macht im patriarchösen Sinne. Mächtig sind sie schon. Natürlich brauchten die Menschen damals auch keine Religionen/Theologien oder deren Ersatz wie z.B. den Corona-Mythos, denn diese sind lediglich Angstapparate zur Machterhaltung und ein mächtiges Standbein des toxischen Systems des Patriarchats, das leider immer noch mehr zur Hochform aufläuft, auch wenn wir schon lange hoffen, es bricht zusammen.
Umso wichtiger sind die Menschen, die wir in den letzten Jahren nicht verloren haben. Die uns nicht beschimpfen, wenn wir heikle Themen ansprechen. Und der Blick ins All-Ein-Sein.

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Ich versuche, darüber zu schreiben, was in den letzten fast 4 Jahren mit meinen Beziehungen zu Menschen passiert ist. Warum ich nicht zum 35jährigen Abiturtreffen gehen werde. Warum ich fast nicht mehr arbeite. Warum ich mittlerweile ganz woanders wohne, statt in meinem eigenen Haus mit meinen Tieren, meinem Garten und meiner Familie. Warum mein Vater „Ach.“ sagt, wenn ich ankündige, dass ich zu Besuch komme. Warum ich auch den Verbliebenen nicht mehr vertraue. (Außer exakt einer Handvoll.) So leicht die Worte sonst bei mir fließen, so wenig geht es bei diesen Themen. Hinter dem Brustbein spüre ich, genau wie hinter den Augen, eine große Trauer. Vielleicht übe ich mich darin, langsam heranzugehen. Ich werde in der nächsten Zeit jeden Tag einen Satz dazu erinnern. Einen. Der Satz für heute, den 26. Januar 2024 lautet: „Die Maske tut doch keinem weh.“ Doch, tut sie. Wenn man keine Luft, dafür aber Panik bekommt, wenn sie dazu noch ausgewiesenermaßen nicht „schützt“, tut sie das. Und als Extra füge ich diesem Satz noch das hämische Gelächter einer „Schulfreundin“ hinzu, als sie hörte, dass ich ein Attest habe. Sie hat sich richtig einen abgelacht. Auf einer drängeligen Feier der Reichen und Schönen, bei der ich leider der Einladung gefolgt war. Ich habe mich dort gefühlt wie mit 14 oder 15, als ich barfuß, in kurzen Hosen und T-Shirt  in die Stadt gegangen war, auf staubigen Sommerstraßen, und mir zwei „Schulfreundinnen“, eine die Gastgeberin der Feier der Reichen und Schönen, entgegen kamen, beide in Bundfaltenhosen, Blusen und Trenchcoats. Fast 4 Jahre lang war ich nicht willkommen ohne Maske und Spritze, hieß ich „rechts“, nachdem ich bis dahin bei all diesen Leuten als linksgrünversifft verschrieen war. Nun rennen alle die, die treu und dumpf CDU Anhängsel waren, die niemals auf einer Friedensdemo waren, die „Pro Asyl“ verlacht haben (und mich, weil ich als Schülerin schon dort engagiert war), auf „Demos“ gegen „rechts“. Nun mag ich nicht mehr, z.B. zum Abitreffen. 

Damals.

Wir waren zwischen 5 und 10 Jahren alt und spielten auf dem Garagenhof. Meistens Fußball; ab und zu krachte der Ball in eine Scheibe – wenn ich die Täterin war, passierte nichts weiter als dass mein Vater ein neues Glas und Kitt besorgte. Denn ich war die Tochter des Herrn Lehrers. Geschah das Mißgeschick einem der eingeborenen kleinen Sauerländer, besorgte deren Opa die Scheibe und den Kitt und verdrosch sein Enkelkind. Ab und zu öffnete sich während unserer Spiele ein Fenster in einem der zwei Häuser, die den Garagenhof umstanden und eine unserer Mütter warf in Stanniolpapier eingewickelte Rippen von Schokolade hinunter. Schokolade an der frischen Luft gegessen schmeckt völlig anders als wenn man sie im Zimmer ißt. Bei Äpfeln ist das ganz ähnlich. Wenn im Vorfrühling die ersten milderen und trockenen Tage kamen, packte meine Mutter mich und einen kleinen Rucksack mit einer Decke, meiner lieben hellblauen Babydecke, in der später eine unserer Katzen beerdigt wurde, Äpfeln, Schokolade und vielleicht noch einem Brötchen und wir gingen in den Wald, an eine Stelle, wo am Südhang das duftige bleiche hohe Gras aus dem Herbst noch stand und wo es nach warmen Fichtennadeln duftete. Dort wurde gepicknickt. Und danach suchten wir unsere geheime Stelle am „Janushang“ auf (Janus war ein Collie, der mit einer alten Frau in einem kleinen Haus mitten im Wald lebte), wo eine vergessene Hochsitzleiter lag, die wir über einem Baumstumpf zur Wippe gemacht hatten. Wenn wir Kinder alleine in den Wald zogen, um Hütten zu bauen, den Maler „Pinsel“ zu ärgern oder vor dem alten Bauern aus dem Nachbarort auszureißen, der Kinder hasste, sprangen wir mit Anlauf auf das Dach aus Teerpappe einer Futterkrippe für Rehe und rannten hoch bis zum First, turnten an den Leitern zu Hochsitzen, angelten Kröten aus dem Zufluß eines kleinen Teiches, aus dem die laichlustigen Tiere alleine nicht herausgekommen wären, und folgten den Schneisen der frisch errichteten Hochspannungsmasten. An anderen Tagen gingen wir hinunter zum Bach und sahen den Bisamratten beim Schwimmen zu, verkrochen uns zu Doktorspielen in den riesigen Ginsterbusch und fürchteten uns vor den zwei großen Schäferhunden, die die Fabrik dort unten bewachten und nicht immer zuverlässig eingesperrt waren und vor dem Dackel des Polizisten, der schräg gegenüber der Fabrik wohnte. Der Dackel war nur gefährlich, wenn wir Fahrrad fuhren, dann aber richtig. Meine Mutter war eine Verfechterin der „nur keine Angst zeigen“ Theorie und blieb unerschrocken stehen, egal, welcher Hund auf sie zustürmte. Sobald ich alleine unterwegs war, sah ich zu, dass ich wegkam. Damals habe ich gelernt, sehr schnell Fahrrad zu fahren und sehr schnell auf die Eiche und die Kastanie, zwei sehr alte Bäume zwischen den Häusern und dem Bach auf dem „Grillplatz“ zu klettern. In den Bäumen saß ich auch gerne unbemerkt und beobachtete Vögel, Eichhörnchen, Nachbarn und genoß, dass niemand wusste, wo ich war. Dieser Zustand des Unbeobachtetseins war ein großes und für mich als überbehütetes Einzelkind, leider seltenes Glück. Ich erinnere mich daran, aus einem Dachbodenfenster gestiegen- das Haus stand am Hang und dort war ich 4 Stockwerke über dem Boden – und dort auf den warmen Dachziegeln in der Abendsonne gesessen zu sein, im seligen Bewusstsein, dass mich dort niemand jemals suchen würde. Auch in der Schule fand ich solche Rückzugsorte – besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Deutschstunde, die ich im Klassenschrank verbrachte und ein Vormittag in der Turnhalle, an dem ich im Kasten saß, über den alle anderen hinwegspringen mussten. Ebenso liebe ich bis heute die einsamen Streifzüge im Unterholz, alten Steinbrüchen, verfallenen Häusern, aufgelassenen Bahngleisen, wo Steine, Federn, Knochen zu finden sind und die allerersten Frühlingsblumen ihren ganz besonderen Duft verbreiten. 

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2024

Hallo, neues Jahr.

Der Kater steckt aus Wind-, Wetter- und Böllerprotest unter der Sofadecke, wir lesen, packen Bücherkisten und hier und da tröpfelt ein Neujahrsgruß ins Haus. Eine Jahreskarte wurde auch gezogen. Und ab und zu übe ich mich auf der neuen Kalimba.

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Umgebung

Ich denke, dass Orte wie Bahnhöfe, Züge, Wohnviertel, Krankenhäuser, Einkaufsläden, Schulen, Parkplätze, öffentliche Toiletten, Raststätten und vieles mehr schön sein sollten. Schön im Sinne von menschenartgerecht, geräumig, sauber, großzügig, farblich schön, aus angenehmen Materialien, mit Pflanzen, Licht, Fenstern, Klängen. Das würde einiges von der Wurzel her ändern, weil die Menschen sich nicht wie durchgereichtes Material fühlen würden sondern in ihrer eigenen Umgebung unterwegs wären und sich wieder anschauten und wahrnähmen.

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Ich wusste, irgendwann wird auch hier wieder eine Katze bei mir einziehen. Und wirklich war auf einmal ein dicker Kater mit ziemlich unbekannter Vorgeschichte da. Vor 3 Tagen ist er eingezogen, heute liege ich angeschlagen im Bett und er leistet mir Gesellschaft.

September

Nach einem kühlen und verregneten August (plus Juliende und Septemberanfang) ist nun ein so perfektes Septemberwetter, dass neben den Sonnen- und Ringelblumen Gedichte und Lieder in mir aufblühen. Lächerlicherweise wurde dieser Sommer von der Politik zu einem hitzeschutzplanwürdigen Sommer aufgerufen und viele Leute haben es geglaubt, bis sie dann endlich doch die Heizung angemacht haben. Ich plage mich mit den Wechseljahren, sammle Pilze – so viele Pfifferlinge wie dieses Jahr habe ich noch nie gesehen oder gegessen – und lese viel. Nachts träume ich ganze Filme zusammen mit detaillierten Landschaften, mit Menschen und Tieren. Neulich ging ich im Traum über eine hohe, steil geschwungene Metallbrücke und dachte: „Das ist so eine Brücke wie in meinen Träumen.“ So ist das. 

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Blogauszeit.

Das war jetzt eine lange und gar nicht geplante Auszeit im Blog. Irgendwie war das Bedürfnis nicht da – das Bedürfnis, poetische Texte und Bildchen zu kombinieren, das Bedürfnis zu erklären und zu überzeugen, das Bedürfnis, zu zeigen. Vielleicht kommt es wieder, vielleicht in anderer Form.

Es ist ein sehr kaltes Frühjahr, ein bewegtes Frühjahr, zum Glück auch ein liebevolles Frühjahr mit Ruhepunkten, Vertrauen.

Am liebsten läge ich mal wieder wie eine Eidechse auf heißem Stein am Mittelmeer, zwischen Salzwasser und Pinienschatten.

Der Sauerländer Wald ist allerdings genauso schön – wenn es nur mal ein bißchen wärmer wird.