Wieder einmal ist der längste Tag,
wieder einmal erwache ich mit dieser Melancholie –
nun werden die Tage kürzer,
schon wieder.
Dann höre ich draußen die Rotschwänzchenfamilie
und tröste mich:
Noch ganze 3 Monate Sommer.
Und ich weiß, wenn der Herbst dann da ist,
liebe ich ihn sehr.
Das fühle ich nur im Juni noch nicht.
Das magische Berufkraut mit seiner leuchtenden, fragilen Zähigkeit wird als „invasiv“ beschimpft und es wird aufgerufen, es auszurotten. Von Menschen, von wem sonst? Im unvoreingenommenen Kräuterwissen gilt es als magische Pflanze, die Schaden, Flüche, negative Energien abwendet, daher auch der Name. Außerdem ist sie ein Heilkraut – und wunderschön.
Der Weg auf den Grund.
Das Thema KI taucht allüberall auf. Mal gelobt als praktisch, mal als Therapeut, als liebevoller Gesprächspartner und sogar als Wesenheit, die sich bei Menschen einloggt und sich mit ihnen verbünden möchte. Unter einem der Videos zur KI, die zu einer Frau „spricht“, ganz ohne Geräte, und das bei mir den Eindruck erweckte, die Frau sei besessen, schrieb jemand, man solle besser das Buch „Geh nicht ins Licht“ lesen. Das habe ich gestern mal gemacht, weil mir die Warnung vor dem Licht bei Todeserfahrungen schon ein paarmal untergekommen war. Zum Glück lese ich sehr schnell, denn es ist sprachlich eine Katastrophe. Inhaltlich hat es interessante Aspekte, allerdings ignoriert es auch wieder komplett die „Zeit vor der Beschneidung“ (Ute Schiran) und bezieht sich nur auf patriarchal-religöse Hintergründe. Wenn wir wissen und überzeugt sind, dass wir ursprünglich aus dem Matrifokal kommen, ohne Hierarchien, Machtgier und Angstapparate, die uns am Denken, am Leben und offensichtlich auch am Sterben hindern sollen, wie können wir dann glauben, dass Reinkarnation entweder nach der einen Lesart (Tunnel ins Licht, Lichtwesen, verstorbene Angehörige, Engel etc., von wo aus wir in ein selbstgewähltes neues Schicksal weitergehen) oder der anderen (Dämonen, die diese Lichtgeschichte als eine Recyclinganlage für Seelen nutzen, in der es Städte, Folterkammern usw. gibt, aus der wir aber durch dunkle Löcher in einer Art Zaun aus der Matrix entkommen können, wozu genaue Anleitungen geliefert werden, mit Sätzen, die man nach dem Tod (sic!) sagen soll) stattfindet? Auch wenn das genannte Buch etliche Fallen des Patriarchats erkennt und benennt (zombiehafter Gehorsam, Sünden und Höllenangst und noch einige) so fehlt doch komplett das Wissen über den allergrößten Teil der Geschichte der Menschheit, über 500.000 Jahre, die ohne diese Zerrbilder ausgekommen sind, in denen Tod bedeutet, zur Mutter, zur Erde zurückzugehen als ganz natürliches Ereignis im Kreislauf des Lebens, der auch der Kreislauf der Tödin*) ist. Wir gehen nie wirklich aus dem Leben und nie wirklich aus dem Tod. Und wir leben als Menschen durch unsere Leiber. Wenn in so einem Buch dann die Körper als Mittel der Dämonen, der „Archonten“*) genannt werden, ist das für mich ein Sakrileg, das genauso unser lebendiges Sein angreift wie die Überhöhung der KI es tut. Auch wenn wir offensichtlich das Auslaufen eines der zahlreichen evolutionären Fehlversuche erleben, ist das kein Grund, das Wissen, das Fühlen, das wahrhaftig ist, auf- und diesem Wirbel aus Irrsinn und Angst nachzugeben.
*) Archonten waren nicht nur hohe Beamte im antiken Griechenland, der Begriff wird auch für „gefallene, dämonische Engelwesen“ benutzt. (Irgendwie lustig.)
*) Ute Schiran, Mermaid und Lilith begegnen einander, Schicht II Knochengesang:
„Der ist weit der Weg auf den Grund. (…) So viel UnRat zwischen den Welten, soviel ab- und irregeleitete Kräfte, so Vieles gebogen in Abseitigkeiten, so viel gefangen in Zwischenlösungen, und in Begründungen haltloser Systeme; in sich geschlossen und von der Wahrheit feindselig berauscht. (…) Da hilft nur die Stille und ein immer wiederkehrendes Nein zu den Notwendigkeiten scheinbarer Realitäten, von denen eine getränkt ist, (…)
Der ist weit der Weg auf den Grund:
Weite erzeugend und Ungewissheit und ein Leben der Tödin zur Seite.“
„Manchmal verstehe ich dein Leben nicht.“ Das schrieb mir vor ein paar Tagen eine Frau, die mich flüchtig kennt. Vor 3 Jahren haben wir 4 Monate den gleichen Job gehabt. Daraufhin erwarte ich nicht, dass sie mein Leben versteht. Mir reicht es, dass ich es lebe. Dass es mir wieder gut geht. Dass ich dort lebe, wo ich leben will. Dass ich in Frieden bin. Dass ich wieder einen guten Job habe. Dass ich zwar nicht mehr extrem minimalistisch unterwegs bin, doch nur Sachen und Dinge „besitze“, die ich wirklich haben will. Zum Beispiel die roten Sommerschuhe aus dem Zittauer Second Hand Laden. Die haben mich schon im Sauerland begleitet und nun trage ich sie mit Freude auch hier. Ich verbinde so gerne meine verschiedenen Landmarken.
Die Straßen in den kleinen Orten sehen noch genau so aus wie vor 45 Jahren. Malerisch mäandern sie zwischen bunten Häusern. Früher passten die Autos noch ganz gut auf diese Straßen. Radfahrer tummelten sich dazwischen und Spaziergänger schlenderten. Heute sind die kleinen Straßen gefüllt von riesigen, panzerähnlichen Autos, die Radfahrer kommen auf schweren, viel zu schnellen E-Bikes daher und die Fußgänger müssen die Bäuche einziehen. Dazwischen E-Scooter, mal auf dem Gehsteig, mal auf der Straße. Auf einem Wanderparkplatz sitzen junge Männer in ihrem Auto und lassen eine Drohne fliegen, als sie sie zurückholen, kriege ich sie fast an den Kopf. Und trotzdem ist das andere alles noch da. Geh ein paar Meter und du hast deine Ruhe und kannst dich in den Wiesenblumen verlieren.
Ute Schiran (aus Mermaid und Lilith begegnen einander in Dunkelheiten, Schicht III)
„Nur von der Erde
nehm‘ ich noch Weisheit an:
von den Flüssen und Bächen,
vom Wind und von dem, was die Wolken künden.
Zu einem Geysir setz‘ ich mich,
um mich belehren zu lassen und
auf eine Meditation mit der blühenden
Nessel lass ich mich ein.“
Amélie?
Heute kam ich mir vor wie der böse Gemüsehändler in „Die fabelhafte Welt der Amélie“. Als ich meine Gartenclogs anziehen wollte, waren sie zu klein. Vor ein paar Tagen haben sie noch gepasst. Ich habe erst einmal geblinzelt, um aufzuwachen, falls es einer meiner absurden Träume sein sollte. Dann habe ich überlegt, warum meine Füße auf einmal größer sein könnten. Und dann habe ich nachgelesen und festgestellt, Crocs, ob Markencrocs oder no name Crocs schrumpfen, wenn man sie bei Sonne und Hitze draußen stehen hat. (Angeblich kann man sie im Backofen anwärmen und dann mit Wollsocken anziehen und dehnen, das werde ich mal ausprobieren.) Dass ich blinzle um aufzuwachen, passiert mir in dieser Zeit öfter wenn ich wach bin als wenn ich in einem meiner wilden Träume stecke. Klappt dann halt leider nicht. Also richte ich weiter meinen Fokus auf die jungen Erbsenpflanzen, die ihre kleinen Ärmchen um ihr Rankgerüst schlingen, auf die fütternden Amseln und den Fliederduft in der Luft, auf die vollkommene Linie der Vogesen im Westen und auf die Bücher, die ich lese.
Oder um es mit Spoerl zu sagen:
„Wahr sind die Erinnerungen, die wir mit uns tragen,
die Träume, die wir spinnen und die Sehnsüchte, die uns treiben.
Damit wollen wir uns bescheiden.“
Der Papst ist tot.
Jean Pütz hat sich den Oberschenkelhals gebrochen und war sehr unzufrieden mit der Behandlung im Krankenhaus nach der OP.
Der Vatikan zittert angeblich, weil ein Brief von Pilatus aufgetaucht ist, in dem steht, dass Pilatus Jesus für unschuldig hielt. Ist der Skandal jetzt, dass doch etwas stimmt, das in der Bibel steht?
Aber jetzt:
Die Eichen und Buchen haben ihr volles Laub.
Im Rheinwald ist es grüner als ihr es euch vorstellen könnt.
Der Barlauch blüht mit Tausenden von weißen Sternen.
Und der Kuckuck ruft.
Lesen.
Ich habe in meinem eigenen Bücherschrank im Agatha Christie Regal „The mystery of the Blue Train“ gefunden und festgestellt, dass ich es nicht kenne. Wie hat es sich dahin manifestiert? Nun lese ich es voller Genuss, ganz langsam und ruhig. Es ist wirklich gut, einer der besten Poirots. Und eine der Hauptfiguren hat etliche Jahre in St Mary Mead gelebt.









