Kind hinter der Tür

Ich habe in den DVDs gekramt und „Das indische Grabmal“ hervorgezogen. Eigentlich ist das ein Buch von Thea von Harbou (ich habe es mal in Südfrankreich mehrfach gelesen, weil meine Reiselektüre zu Ende war und mich jedesmal über das Ende geärgert, da war die ganze Geschichte nämlich nur ein böser Traum), das einmal als Stumm- und zweimal als Tonfilm auf die Leinwand kam. Einer der beiden Tonfilme kam, als ich in der Grundschule war, im Fernsehen und meine Eltern, die ihn aus dem Kino kannten, hatten begeistert erzählt, um mir dann zu erklären, ich dürfe den Film nicht sehen. Zu spät, zu spannend, ich weiß es nicht mehr. Was ich noch weiß, ist, dass ich zeterte, heulte, protestierte und schließlich im Flur auf dem Boden liegend durch die Türritze den Fernseher im Wohnzimmer anpeilte. Bei der nächsten Wiederholung durfte ich dann offiziell mitschauen. Die Verfilmung, die ich auf DVD habe, die von 1938, ist übrigens unglaublich blöde, mit dermaßen patriarchal überzeichneten Rollen, einem kleinen farbigen Jungen namens „Sarotti“, der den Tisch decken muss, und einem Theo Lingen als verheirateter Ingenieur, der stets und ständig von einem „indischen Harem“ und „was kostet denn eine Frau in Indien“ faselt. Der andere Ingenieur sieht so unsympathisch aus wie eine Nazi-Karrikatur und behandelt seine Verlobte, die sich für ihn einsetzt, wie den letzten Dreck. Interessant ist es zu lesen, wie die Filme gedreht wurden und was für Krankheiten die SchauspielerInnen in Indien bekamen – am originellsten ist eine Infektion, die beim Schwimmen dadurch zugezogen wurde, dass der Mann „einer Panzerschildkröte ausweichen“ musste, dabei scheint er ordentlich Wasser geschluckt zu haben.

 

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