April 2020

April 2020:

Variation über ein frommes Thema:

„Gib mir die Ineffizienz, das zu fürchten, das ich nicht ändern kann,
die Borniertheit, die Augen vor dem zu verschließen, was ich ändern könnte
und die Entschlossenheit, alles zu glauben, was mir einer vorkaut.“ 

Es ist gerade wie bei einem Autoscooter, bei dem der Rückwärtsgang in allen Boxautos kaputt ist: Nun hängen sie alle in der Mitte und geben Vollgas. Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, die mit Verschwörungsideen und die verzweifelten Vernünftigen; ab und zu will jemand für alle beten, ein furchtbares Gewusel, während sonst ganz viel stagniert. 

Ich frage mich, seit die „Krise“ begonnen hat:

Warum dürfen Menschen an allem möglichen sterben, nur nicht an Corona? 

Wir dürfen auf der Autobahn sterben (Freie Fahrt für freie Bürger), in Kriegen (die Waffenindustrie wird nicht gestoppt, scheint nicht so gefährlich zu sein wie ein Besuch im örtlichen Buchladen) und auf der Flucht vor Krieg, Hunger und bitterer Not, an Chemotherapie (Pharmalobby blüht), an „Beziehungstaten“, an „Sexkauf“ (das älteste Gewerbe der Welt, das muss doch erlaubt sein – abgesehen davon, dass das älteste „Gewerbe“ das der Hebamme ist), an Krankheiten, die Missionare in entlegene Weltgegenden tragen, ebenso an Krankheiten, die Reisende sich in fernen Ländern einfangen oder die Mücken und Zecken mit dem Klimawandel transportieren (die sich wegen des Klimawandels sorgen, wurden übrigens in der letzten Zeit sehr ausdauernd und hässlich von u.a. denen ausgelacht und diffamiert, die jetzt mit Gummihandschuhen und Mundschutz Klopapier hamstern und denken, sie sind HeldInnen), an Strahlung (Atomkraft und -macht ist immer noch in), an Gift auf den Feldern, im Essen, Missbrauch (haben sie doch wieder einen Kirchenmann freigelassen), an multiresistenten Keimen (ups, wirken die Antibiotika gar nicht so toll, woran könnte es liegen?), Dekubitus, Feinstaub, Asbest, verpestetem Trinkwasser, Genitalverstümmelung, …. Diese Liste ist natürlich leider sehr leicht fortzusetzen. 

Wenn ich das sage, kommt bestimmt eine(r) und sagt: Ja, aber Corona kommt ja noch dazu. (Super. Und während alle sich einschließen und vorauseilend ängstlich und gehorsam sind, machen die Mächtigen sich bestimmt daran und lösen die oben genannten Probleme und wenn der Lockdown beendet ist, finden wir uns alle im Weltfrieden.) 

Ja, dann KOMMT Corona halt noch dazu. Und sicher noch andere Krankheiten im Laufe der Zeit. Werden dann immer alle weggeschlossen? Und wenn keine Pandemie ist, gehen alle wieder auf die Kreuzfahrtschiffe, wird weiter der Regenwald abgeholzt, ohne dass es weltweite Proteste gibt, werden weiter gefolterte Schweine an schönen Sommerabenden von fröhlichen schlagerhörenden Gruppen gegrillt und die rumänischen Spargelstecher und sämtliche Pflegekräfte unterbezahlt etc. etc. 

Wie wäre es denn, mal ein paar der Dinge, wie wir noch ändern können, wirksam anzugehen? 

Und für die, die denken, ich sei eine mit Aluhut: Ich bin aktive Patriarchatskritikerin und habe somit keine kruden Theorien nötig – der Umgang mit der Natur und allem, was dazu gehört, verursacht seit ca. 6.500 Jahren und seit der Industrialisierung exponentiell (das Wort mögt ihr doch gerade alle so gern) zunehmend katastrophale Dinge (mit „peaks“ wie der Inquisition), da ist eigentlich ein mutiertes Virus, das den Wirt wechselt, nicht so spektakulär. Ich finde normale Hygiene richtig gut und finde, sie sollte allen auf der ganzen Erde ermöglicht werden (und wenn „etwas rum“ ist, mache ich das mit dem Abstand, nicht alles angrabbeln, Kontakte reduzieren usw. sowieso, weil ich weder bewusst angesteckt werden will noch jemanden anstecken), ich schätze das Grundgesetz und bin erschüttert über den protestlosen Rückbau der Rechte. Ich bin erschüttert über mit Flatterband eingewickelte Altenheime, aus denen die Menschen nicht mehr hinausdürfen, auch nicht auf eigenes Risiko, denen Luft Licht, Bewegung und der lebensnotwendige menschliche Kontakt genommen wird. Wer das als Schutz bezeichnet, muss sich gefallen lassen, dass ihm ein heuchlerisches Geschmäckle anhaften könnte. 

Dagegen die Worte von Ute Manan Schiran:

Nur von der Erde nehm’ ich
noch Weisheit an:
von den Flüssen und Bächen,
vom Wind und von dem, was die Wolken
künden.

(aus Mermaid und Lilith begegnen einander in Dunkelheiten, Schicht III)

 

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