An der vielbefahrenen Straße
wohnen die Ameisen 
vor einem leeren Haus,
der Vorgarten verwunschen verwildert,
mit prächtigen Nadeln zum Bauen.

Ich besuche sie gerne,
betrachte das Wachstum
ihrer Behausung 
und hoffe,
niemanden interessiert
das Stückchen Gehsteig,
das sie mit einbeziehen.

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Ordnung schaffen

Nachdem ein gewittriger Nachmittag mit sehr reichlichem Regen mir den Spaziergang in die Stadt ausgeredet hat, habe ich mal meine Downloads und Dokumente aufgeräumt, die sich so angesammelt hatten. Nun überlege ich, ob ich die Fotos noch folgen lasse, nachdem gestern ein Küchenschrank den Anfang gemacht hatte. Ich mag das, weil sich so doch einiges sortiert und löst, das sich im Gewirr der letzten Jahre in mir breitgemacht hatte. Ich stelle fest, dass ich mich an diesem Schreibtisch sehr wohl fühle, mit Blick auf die Birke und die kompromisslos schlichte Fassade des Hauses gegenüber.

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Pfingsten

Ich bin nach dem ersten halben Becher Kaffee mit der nassen Wäsche die 60 Stufen hintergestiegen und habe sie im Hinterhofgarten aufgehängt, die Wäsche natürlich, nicht die Stufen; die Luft ist mild und sanft und die Heckenrosen blühen. Jetzt bin ich wieder oben und habe, während ich die zweite Hälfte Kaffee getrunken habe, ein bißchen was zu Pfingsten gelesen:

https://artedeablog.com/pfingsten-das-fest-der-heiligen-geistin-2/

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Verknüpfungen

Ich höre ein Lied, das ich seit Jahren nicht mehr gehört habe. Und schon schmecke ich Cassis (Airwave Kaugummi), spüre Wind in den Haaren, fühle wie mein Arm im geöffneten Autofenster liegt und höre den Motor des Renault Trafic, den ich damals fuhr, auf dem Weg durch die nicht besonders geliebte Stadt zum Sport und zur Sauna, wenn ich mal einen halben Tag kinderfrei hatte. Aus 20 Jahren Abstand schaue ich mild und mit leicht hochgezogenen Augenbrauen auf diese Erinnerung. Das war auch ich.

Mai.

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Was für ein Licht, was für ein Grün. Was für unglaublich viele Grüns. Eine kurze Pause am Rand eines Parkplatzes neben dem Kleinbahndamm bringt eine Welle von olfaktorischen Erinnerungen an meine ersten 2 Lebensjahre in Gelsenkirchen, die gemischten Gerüche aus Stadt, Bahn, blühenden Bäumen überschwemmen mich und lösen ein Gefühl aus, das ich für Urvertrauen halte. Wenn irgendwo Liguster blüht, ist es noch stärker, beziehungsweise unvermittelter.

Ich bin eine Tagebuchwegwerferin. Der Gedanke, dass jemand irgendwann lesen könnte, was ich als Auslagerung von Gedanken betrieben habe, ist mir unangenehm. Das Tagebuch, das ich zur Zeit beschreibe, werde ich behalten. Das handgemachte, das für mich gemachte, das mit Bedacht beschriebene.

Außerdem mag ich gerade wieder Kaffee trinken, nach einer langen Teephase und genieße es, morgens in der Sonne zu sitzen. Morgen geht es wieder auf die Reise, dann gibt es den Kaffee am offenen Mansardenfenster.

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Bei allem Welt- und Kriegsgeschrei gibt es die Momente, in denen eine Hummel eine Akeleiblüte besucht, in denen das Gimpelpaar ganz dicht an mir vorbeifliegt, in denen wir uns umarmen, gibt es das Gefühl, in der Frühlingssonne wohlig und gemächlich bergaufzugehen und ab und zu auf den See hinunterzuschauen. Ganz in diese Augenblicke einzutauchen, sie lang und breit werden zu lassen, ist kein Verdrängen, es ist lebenswichtig. MA.

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How many fingers, Luisa?

„luisa in gedanken – 03.05.2024 um 19:04 Uhr

verschont mich bloß mit eurem betroffenheitskäse. auch wenn ich während corona nicht gereist wäre, wären kinder psychisch gequält worden, wären alte einsam und allein gestorben und ihr moralapostellinnen habts auch nicht verhindert. ihr habt euch bloß empört. selbstgerecht. ich wollte auch nicht einsam und allein sterben drum hab ich das gemacht was ich schon immer mache: mein ding.“

Wenn feministische Freundinnen auf einmal faschistische Mitläufer- und Vogel Strauß Politik preisen und Widerstand für sinnlos erklären, ist es Zeit, den Kontakt endgültig abzubrechen. Ent-Täuschung.

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Traurig,

den Niedergang einer Stadt zu sehen, selbst wenn man sie nie besonders gemocht hat. Neues, teures Pflaster ersetzt das alte mit dem Charme einer Kopie, bei der die Tinte zu Ende ging, die alten Platanen auf dem Platz wurden durch weiße Schirme ersetzt, vor dem Nobelitaliener (am 1. Mai geschlossen) nickt jemand im Crystal-Rausch, Spaß haben die kleinen Kinder mit den Wasserspielen, was die Eltern ihnen zurufen, verstehe ich leider nicht, wir sind die einzigen Deutschsprachigen in der Fußgängerzone, wo früher ein Café war, so ein altmodisches, auf zwei Etagen, prangt ein Handyladen, die Apotheke gibt es auch nicht mehr, ums Rathaus ist ein Gerüst, wenigstens das wird aufpoliert (das war jetzt ironisch), der Schuhmacher scheint noch zu arbeiten, Göttin, er muss fast Hundert sein, aber vielleicht ist es auch hier so, dass nur noch das Schild hängt. Ein, zwei Begegnungen haben mich aus meiner Gefühllosigkeit diesem Ort gegenüber gekippt, das will abgeträumt sein. Wie gut, von dort wieder hierher zu kommen, wo die Gimpel und die Nachtigall und die Kormorane mich trösten. Und du.

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