Mal wieder Prentice Mulford.

Lange hatte ich nichts mehr von ihm gelesen, aber nach der intensiven Beschäftigung (mal wieder, Wiederholung ist auch wichtig) mit Serge King, Lynn Grabhorn, Byron Katie und natürlich Gerda Bareuther, war es nur natürlich, auch Prentice Mulford wieder Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

Besonders gefallen hat mir heute dieser Absatz:
„Für dieses eine Mal im Leben verlangte ich vollkommene Freiheit, zu stolpern, zu fehlen, zu irren, ohne von anderen Leuten überwacht, patronisiert, kritisiert, begutachtet oder beschlechtachtet zu werden. Diese Freiheit hatte ich – und meine Irrtümer beging ich. Weitausladend – breithingenießend.“

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Ich habe im Laptopspeicher gestöbert (früher haben wir auf dem Speicher gestöbert) und dabei das gefunden:

Neues Kleid.

Ich web ein Kleid aus Heiterkeit,
Erinnerung und Träumen
aus Schätzen der Vergangenheit
und Sommerwind in Bäumen.

Ich web ein Kleid aus Knochenweiß
und Radikalität
ein Kleid, das schön ist (und nicht „nice“),
ein Kleid aus „nie zu spät“.

Ich web aus Frauenkraft mein Kleid,
aus Unverschämtheit auch.
Aus Schwarzmondmutterfeierzeit,
Orakelfeuerrauch.

Ich web ein Kleid aus Zuversicht,
aus Singen, Tanzen, Spinnen,
aus tiefer Nacht und hellem Licht,
ein Kleid aus allen Sinnen.

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Schweinsrosa Plastikrosen.

Ich lese wieder einmal Christine Nöstlinger. Und bewundere wieder einmal ihre klare, schonungslose und doch menschenfreundliche Sicht auf die Welt, auf die Gesellschaft. Etwas, was sie sehr beeindruckt haben muss als Kind, ist der Strauß schweinsrosa Plastikrosen in einer seltsam gemusterten Vase auf einem Tisch in einem viel zu vollgestopften Zimmer. Diese Plastikrosen kommen immer wieder vor, im Vranek, in der Ilse Janda, in „Ein Mann für Mama“, … Was für Dinge dieser Art begleiten uns? Was haben wir gesehen, das sich so anhängt, dass wir es beim Ersinnen von Umgebungen und Situationen immer wieder anbringen würden? Aus meiner Kindheit hätte ich anzubieten: Eine Fliegenklatsche, an der eine tote Fliege pappt (vor kaum etwas graust es mich so wie vor Fliegenklatschen), Brandlöcher von Zigaretten in Kunstfasertischdecken, den Geruch von weißen Gardinen mit Röllchen oben und Bleiband unten, gehäkelte, viel zu dicke Topflappen, Sofakissen aus Samt mit Perlenstickerei und diese ekligen Badvorleger, vor dem Waschbecken, vor dem Klo und auf dem Klodeckel. Pfui Teufel. Und was werden meine Kinder wohl in eine solche Erinnerungsschublade stecken und wer weiß wann hervorholen?

Ansonsten ist immer noch Hochsommer, langsam in Spätsommer gleitend. Nach dem langen Regen und der Kälte und dem ewigen Wind ist der Sommer doch noch sehr schön herausgekommen in den letzten Wochen. Die Hornisse besucht uns weiterhin und schaut, ob sie etwas aus den Spinnennetzen holen kann. Unglaublich viele verschiedene Fliegen kommen, um an der blühenden Minze zu nippen. Admirale, Kohlweißlinge und Taubenschwänzchen saugen am Sommerflieder. Abends saust die Fledermaus, die unter dem oder im Dach wohnt, ums Haus. Die Gänse fliegen abends, kurz bevor es dunkel wird, in ihre Schlafquartiere, ebenso die Krähen. Ab und zu ein Kormoran. Und natürlich sehen und hören wir weiterhin die Gimpel, die Meisen, die Spatzen, die Buchfinken und die Eichhörnchen.

Die Pilze habe ich dieses Jahr vernachlässigt, seit ich im Juni in einen Zeckenkindergarten geraten bin und die kleinen Mistviecher überall im Bad herumkrochen, nachdem ich mich ausgezogen und geduscht hatte. Aber nach dem Regen jetzt und den kommenden warmen Tagen… Mal sehen.

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Norden

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Ich mag das Wattenmeer. Was mich immer irritiert, ist die Art der Menschen, es zu benutzen. Land dem Meer „abzutrotzen“, erscheint mir schon immer irgendwie unanständig. Bis in die See hinein zu betonieren, auch. Und dass kaum freie Strandabschnitte zu finden sind, ohne Asphalt und Souvenirbuden, ohne dass einem Lenkdrachen um die Ohren zischen und Zombies mit Rollkoffern zur nächsten Fähre hasten. Einfach am Meer sitzen und schauen wie das Wasser kommt oder geht, das ist wunderschön. Und diese Luft. Und die Möwen und die Wattvögel. Zwischen diversen Terminen haben wir es geschafft, drei Tage Urlaub zu haben. Und Fischbrötchen zu essen.

Wenn ich zeitreisen könnte…

Vor einigen Jahren hätte ich noch gesagt, ich schaue mir die Zwanziger Jahre an, besuche Hildegard von Bingen und lerne in der Steinzeit, wie man in matrifokalen Sippen lebt. Heute wäre ich ganz bescheiden und würde mal wieder in die 70er und 80er Jahre hineinspickeln oder ins Jahr 2019 reisen, um zu schauen, ob sich nicht doch noch etwas abwenden ließe oder vorbereiten, absichern oder planen. Und um nochmal mit meiner Tochter in Pau vor dem Ofen sitzen und Lukas Lenz schauen zu können, während wir Pizza essen.

Abgesehen davon gibt es in meinem Hier und Jetzt viele Gründe, um hier und jetzt und glücklich zu sein.

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Seit fast drei Monaten blüht die Malve im Gärtchen,

Starkregen, Wind, Hitze, alles ist ihr einfach Sommer und Lebenszeit.

Und immer noch macht sie neue Blüten.

Es gibt diese Spaziergänge, dieses Schlendern, bei denen jeder Schritt Seligkeit ist. In der Üppigkeit des späten Juli an den Feldern entlangzugehen, den Spatzen zuzusehen, die aus den kleinen Ebereschen, deren Beeren sich röten, und aus den Schrebergärten rechts des Weges in Scharen in die Mitte des Weizenfeldes fliegen und wie Tropfen auf die Ähren fallen, kurz picken und wieder zurück in die Deckung schwirren. An den Brennesseln stehenzubleiben und die Tagpfauenaugenraupen bewundern. Richtung Berge blicken. Schwitzen. Mich auf die kalte Dusche freuen. Seligkeit.

Ein guter Tag.

Auch wenn es heute nicht so heiß war, ist eindeutig Hochsommer, überall staubt es von den Mähdreschern. Wir haben viel gesehen, Störche und Milane, Stare und Rehe, einladende Orte, sind versehentlich mit dem Auto in eine Warteschlange für ein Festival geraten, das wir dort weder vermuten konnten noch besuchen wollten, und zum Schluß haben wir noch fein gegessen.

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Sind die Gedichte in mir 
verstummt und verblichen?
Oder sind sie nur
ungeschriebenen Worten gewichen?
Statt naiv überzeugt
in Verse zu fassen
kann ich nun auch
Dinge Ding sein lassen.
Nur manchmal werden die Worte laut
wollen ausgedrückt werden
wie Pickel unter der Haut.

Mit der Prosa geht es mir ebenso. Ich schreibe viel und lösche dann das allermeiste wieder. Worte sind so drastisch, und geschriebene Worte wirken manchmal wie Fußabdrücke in Zement. Vielleicht läutet sich einfach eine neue Phase des Schreibens ein. Warum sollte auch gerade das Schreiben von neuen Phasen, Zwischenwelten und Übergangszeiten unberührt bleiben? Was mir übrigens in der letzten Zeit mit am besten gefallen hat, waren Auszüge aus den Werken von Erich Mühsam, die im MDR Kulturradio vorgelesen wurden. 

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Wegwarte. Aus ihren Wurzeln wird Zichorienkaffee gemacht, sie ist ein wertvolles Heilkraut, bei den Bachblüten kennen wir sie als Chicory. Die Begegnung mit ihr erinnert uns daran, uns selbst treu zu bleiben, bringt uns ins berühmte Hier und Jetzt, weist darauf hin, keine Bedingungen für liebevolles Tun zu stellen. Außerdem erinnert sie an Hagazussa, die Zaunreiterin, sie steht an und auf der Grenze, ist weder Weg noch Wiese.