Wieder im Haus mit dem Hinterhof, in dem die Wäsche bei diesem Wetter wunderbar trocknet. Ich habe die Ameisen besucht, deren Hochhaus durch den Starkregen nur ein klein wenig platter geworden ist, sie wimmeln und wuseln wie gehabt. Vielleicht fahren wir heute Abend noch zum See.

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Viele leerstehende Häuser hier, in deren Vorgärten langsam Wildnis wächst. Danach sind die Fassaden dran, Birken wachsen auf bröckelnden Balkonen und Geißblatt schlängelt sich durch Fenster. 

Wir erleben eine Zwischenzeit in dieser seltsamen Welt. Wie mit Scheuklappen hasten die Menschen in den Städten aneinander vorbei, rempeln sich an, kaum jemand blinkt, wenn er aus einem Kreisverkehr rausfährt, man kommt sich vor wie bei einem ziemlich niveaulosen Jump-and run-Spiel. Dieses Jump-and-run-Spiel-Gefühl hatte ich zum ersten Mal, als 2020 die Abstandsregelung ausgerufen wurde und die Leute vom Weg sprangen, wenn ich ihnen entgegen kam. Jetzt ist es eher so, dass ich ausweiche, weil sich eben zu Fuß, mit Fahrzeugen oder Einkaufswagen so bewegt wird, als wäre niemand anderes da. Das große Thema ist wieder mal Fußball; was die Weltpolitik derweil betreibt, um die Reise in den Abgrund zu beschleunigen, ist den allermeisten Leuten offensichtlich komplett egal. Ein Foul im Strafraum ist wesentlich empörender und mit mehr Emotionen besetzt als so etwas wie Grundrechtsverluste.

Und was ist schön? Was ist gut? Die Menschen, die geblieben sind. Der (wenn auch bisher wirklich nasse und kühle) Sommer. Der Gesang des Zaunkönigs am Morgen und die flötende Amsel am Abend, der unverwechselbare Ruf des Milans, wenn er dicht über uns kreist.

Gut ist, wenn ich mich ins nasse Gras knie, um festzustellen, dass die kleine Nelke trotz des ganzen Regens unglaublich fein duftet.

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Mit Magen- und Rückenweh sitze ich auf der Terrasse, da flattert es im Busch, der Zaunkönig setzt sich neben mir aufs Geländer und schaut mir ein Weilchen in die Augen. Ich fühle mich beschenkt.

Juni

Ohne die Motorräder, die in endloser, lärmender Kolonne durchs Sauerland ziehen, wäre es ein ruhiger Sommertag. Die Radieschen sprießen, die Fingerhüte blühen noch, Margeriten ebenfalls, Natternkopf bereichert die Wiesen und Wege um sein intensives Blau, oranges Habichtskraut strahlt genauso wie das gelbe. Wegwarte habe ich noch nicht viele gesehen. Die Schwebfliegen besuchen den Pippau in unserem Gärtchen. Endlich richtig Sommer.

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Hier ist uns ein Gefleckter Schmalbock (leptura maculata) begegnet.

Diesen Text von Rilke habe ich heute Morgen gelesen:

„Reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
ohne Angst, daß dahinter kein Sommer kommen könnte. Er kommt doch !!
Aber – er kommt nur zu den Geduldigen, die da sind, als ob die Ewigkeit vor ihnen läge,
so sorglos still und weit…..
Man muß Geduld haben gegen das Ungelöste im Herzen und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben, wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind. Es handelt sich darum alles zu leben !

Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich -ohne es zu merken – eines fremden Tages in die Antwort hinein.“

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Die Natur scheint den kalten, verregneten Juni mit eingestreuten Sonnenstunden zu genießen, es ist so grün und üppig, es gibt so viele Fingerhüte wie ich noch nie gesehen habe. Aber ich, ich möchte endlich in der Sonne liegen, Wäsche aufhängen, spazierengehen, ohne nasse Füße und immer einen Blick zu den Wolken, wann es wieder losschüttet, möchte an den langen, hellen Abenden, die es nur zu dieser Zeit im Jahr gibt, draußen sitzen. Licht und Wärme wären gerade so wichtig und tröstlich.

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Helferwesen

In den letzten vier Wochen habe ich sie fast jeden Tag aufgesucht. In der Zeit haben sie vor allem in die Höhe gebaut. Ihre Kraft und Ausdauer, ihr Sinn dafür, was die Gemeinschaft braucht, ihre Balance zwischen Eifer und Ruhe, all das waren nährende und helfende Botschaften für diese Zeit. Eben habe ich mich verabschiedet. Morgen ziehen wir weiter.

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