Nebel

Nach strahlenden Oktobertagen (s. Bild von gestern) schaue ich heute bei der zweiten Tasse Kaffee noch in den Nebel. Vor dem Fenster hüpfen Blau- und Kohlmeisen durch die Büsche und sitzen auf dem Terassengeländer. Tannenmeisen gibts auch, aber heute habe ich noch keine gesehen. Außerdem Kleiber, Rotkehlchen, Grasmücken, Gimpel, Amseln, Eichelhäher… Wenn man nur ruhig sitzt, sind sie gar nicht ängstlich.

Oktober

Im Regen den Berg hochgestapft, die Leichtigkeit meiner Schritte und den nassen Wald genossen. Gesehen, wie die braunen Kühe auf eine andere Weide gebracht wurden. Jetzt bin ich wieder zurück, ziehe mir die nassen Socken aus und sehe, wie das vom Wetterbericht versprochene schöne Wetter aufzieht.

Träume

Ich träume gerne. Und viel. Alpträume sind selten geworden. Und wenn sie kommen, drehe ich sie direkt um. Manchmal weiß ich, dass ich träume, kann aber nicht aufwachen, das ist anstrengend und unangenehm. Und ab und zu ist es wie letzte Nacht – ein Traumfragment kommt immer und immer wieder, diesmal stand ich immer wieder in einem vollen, kleinen Laden und wollte ein Kümmelbrot kaufen. Allerdings war der Laden in Spanien und ich hatte keine Ahnung, was Kümmel auf Spanisch heißt. Habe es dann direkt nachgeschlagen, als ich aufgestanden war und bin nun für den nächsten Traum gewappnet. Oder für den nächsten Spanienbesuch. Falls jemand dann ein pan de alcaravea braucht.

Herbstwald

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Der Sommerwald neigt sich in den Herbst. Ab und zu trudelt noch ein Admiral oder Pfauenauge vorbei, und letzte Nacht waren über den Bäumen zum See hin viele Fledermäuse auf der Jagd. Unter den Füßen knacksen Eicheln und der Wald duftet. Sobald ich überwunden habe, dass der Sommer vorbei ist, ist der Herbst eine sehr geliebte Jahreszeit.

Bibel-Fest

Mittagessen in einem kleinen Restaurant irgendwo im äußersten Sachsen. An einem der Tische beten die Leute demonstrativ. Es entsteht somit einer der seltenen Momente, in denen meine leidvoll (und das meine ich so) erworbene Bibelfestigkeit und mein errungener (auch das meine ich so) Atheismus sich zufrieden zunicken und sich beim Zitieren (King James Version, die ertrage ich am ehesten) einig sind:

“And when thou prayest, thou shalt not be as the hypocrites are: for they love to pray standing in the synagogues and in the corners of the streets, that they may be seen of men. Verily I say unto you, They have their reward.” (Matthew 6:5)

Warum ich immer so ein Gewese mache und riskiere, mich noch mehr zwischen alle Stühle zu setzen als ich sowieso schon sitze, wenn jemand sagt, wir seien wieder auf dem Weg in die Steinzeit oder Menschen seien halt so oder in den letzten 10.000 oder 100.000 Jahren habe sich gar nichts geändert? Weil es nicht stimmt. Menschen, also die Menschen als Menschheit, waren nie so. Vor 10o.000 Jahren z.B. war es viel friedlicher: 500.000 Jahre Menschheitsgeschichte im Matrifokal, ohne Kriege, Hierarchien, Theologien mit ihren Angstapparaten zur Machtgewinnung stehen 6.500 Jahre Patriarchat gegenüber, die alles zerstören. In der Steinzeit lebten die Menschen friedlich, angebunden an die Natur, ohne Hybris. Die keulenschwingenden, mammutjagenden, Frauen an den Haaren in die Höhlen zerrenden Männer sind ein Zerrbild, ein sehr beliebtes Zerrbild, der Gehirnwäsche im Patriarchat scheint das entgegenzukommen. Sexualität war einzig von der Female Choice, der Wahl der Frau abhängig, Kinder wurden in ihrer Muttersippe aufgezogen, der „biologische Vater“ spielte keine Rolle, und so waren Sexualität und „Partnerschaft“ unabhängig von der Erpressung „Versorgung gegen zu Willen Sein“. Die Menschen in der Frühzeit wurden satt (in der Hauptsache durch Sammeln), hatten Zeit für Kunst und zum Spielen, das Tun war sinnvoll und gemeinschaftlich. Wären die Menschen damals schon so gewesen wie die, die heute (teils mit Begeisterung, teils aus dem Stockholm Syndrom heraus, teils aus Angst) dem toxischen System dienen, wäre die Menschheit längst ausgestorben. Alleine die Eigenschaft, soziale Wesen zu sein, hat uns überleben lassen. Deswegen mache ich immer so ein Gewese.

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Es hat eine Woche geregnet und gestürmt. Eine Woche Winterschlafwetter im Spätsommer, den ich sonst so liebe. Ich habe mal wieder „Der Garten Eden“ von Hemmingway gelesen, seit 1990 ist das eines meiner Lieblingsbücher, und wie immer beim Lesen Sehnsucht nach Südfrankreich bekommen. Le Grau du Roi, Aigues Mortes, Palavas…

Mal sehen, dass ich die letzten 4 1/2 Jahre am Schlafittchen packe und sie so einsortiere, wie es ihnen gebührt und sie sich nicht mehr so aufblähen lasse. Ich mache eine Liste zum Thema, was ich liebe. Ganz schön viel.

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Vor drei Jahren und elf Tagen ist mein guter Freund und bester Kollege Klaus B. gestorben, plötzlich und unerwartet. Wir haben über Jahre hinweg immer wieder lange Telefonate geführt, die berufliche und private Supervision hätten sein können. Ohne ihn wäre ich schwerer durch schwere Zeiten gekommen und mit ihm hätte ich in den letzten drei Jahren wahrscheinlich manche Umwege vermeiden können. Die Telefonate wurden per Mail verabredet, die Termine haben wir beide immer pünktlich eingehalten, und zu Beginn des Gesprächs haben wir eine kurze Aufstellung der dringendsten Themen gemacht, die wir besprechen wollten. Wir haben uns im Winter bei Tiefschnee kennengelernt, bei einer Fortbildung in Essen-Kupferdreh. Außer uns hatte sich niemand durchgekämpft und so verbrachten wir 5 intensive Tage zur verhaltensorientierten Gesprächstherapie miteinander. Wir haben noch etliche Kurse gleichzeitig besucht und uns auch bei den „Stammtischen“ erst in Essen-Rüttenscheid bei Eva K. und später dann bei Klaus selber getroffen. Im Sommer 2021, kurz nach der Katastrophe im Ahrtal hatte er zu einem „Klassentreffen“ eingeladen, viele der alten Kolleginnen kamen, viele auch nicht. Und das Nächste, was ich von ihm hörte, war die Nachricht über seinen Tod, nur ein paar Wochen später. Du warst einer von den wirklich Guten, Klaus. Pragmatisch, empathisch, nie sexistisch, lustig, mit einem ganz feinen, trockenen Humor, einer der wenigen Menschen, die andere Meinungen einfach als Gesprächsgrundlage nehmen können. Niemand, der, um die Formulierung von Mulford aufzugreifen, einen „überwacht, patronisiert, kritisiert, begutachtet oder beschlechtachtet“ hätte.