Die Uralte.

Trancereise ins Ahninnenhaus. Ute hockt davor und trommelt, trommelt uns alle herbei. Drinnen sind die Vertrauten, dazu noch einige andere Frauen – eine schicken wir auf den Weg der Trommel in der Hoffnung, sie möge sie erreichen, dort, wohin sie sich verwirrt hat, eine, von der ich mich endgültig verabschiede, da hing noch ein alter Schmerz. Gerda ist da, das erste Mal im Ahninnenhaus. Sie beantwortet mir zwei wichtige Fragen und bleibt da, etwas abseits.

Und dann kommt die Uralte. Wir scharen uns um sie. Sie streckt die Hand aus und holt Gerda dazu, streckt wieder die Hand aus, holt meine Tochter zu uns. Dann spricht sie weiter zum Thema vom letzten Mal, dem Umgang damit, dass die Menschheit irgendwann „falsch abgebogen“ ist, über den evolutionären Fehlversuch. Sie lässt uns in ihre Gedanken eintauchen. Wir sehen eine Rose, eine große, rankende Pflanze. Viele Blüten. Jede von uns ist so eine Blüte. Die Rose wird beschnitten, radikal, fast bis zum Boden. Als die Blüten fallen, merken wir, dass wir auch der Teil der Rose sind, der austreibt, wir sind die Wurzeln, wir sind der Stamm und wir sind die neuen zarten Triebe, Knospen und Blüten. Ein Fehlversuch ist kein Drama. Er bringt uns nicht um das All-Eine.





Märchen

Als Kind habe ich gerne Märchenplatten gehört, vor allem wegen der Erzählstimme von Hans Paetsch. Nun habe ich auf youtube „Das Feuerzeug“ gefunden und mal reingehört. Die Stimme ist natürlich immer noch sehr angenehm; aber der Inhalt, du meine Güte. Da kommt der Soldat, eine alte Frau bittet ihn, aus einem Brunnen ein Feuerzeug zu holen. Zum Dank darf er sich die Taschen mit Gold füllen. Und was macht er? Er schlägt „der bösen Hexe“ (Warum böse? Warum Hexe? Außer ihn um einen Gefallen zu bitten, hat sie nichts getan.) den Kopf ab und klaut das Feuerzeug. Dann lebt er in Saus und Braus und ergaunert sich eine Prinzessin. Da hätte ich viel lieber erfahren, was die alte Frau mit dem Zauberfeuerzeug, das ihre Riesenhunde herbeizaubern kann, gemacht hätte.

Herbst.

Welche Bücher mag ich besonders im Herbst?

Natürlich The Hollow von Agatha Christie, eine Liebeserklärung an den Herbst.
Brambley Hedge Autum Story von Jill Barklem.
Fontane geht immer, wobei Frau Jenny Treibel eher ein Frühjahrsbuch ist und der Stechlin natürlich Herbst- und Winterlektüre.

Ansonsten stöbere ich weiterhin mit Freude in offenen Bücherschränken. Meistens schaffe ich es, mehr wegzubringen als mitzunehmen, jetzt hat das nicht geklappt, ein Buch habe ich reingestellt und 4 mit nach Hause genommen, das sind aber welche, die ich einfach noch (mal) lese und dann wieder abgebe.


Oktober

Nochmal mit kurzer Hose draußen gesessen, Betten abgezogen und gelüftet, Wäsche gewaschen und getrocknet, nochmal gegen Tigermückenattacken eingesprüht, noch blühen die Geranien und das Berufkraut, noch reifen Tomaten. Am Rhein rascheln die Silberpappeln im Wind, der Laubwald ist noch voll und wechselt langsam in die Herbstfarben. Natur, Bewusstheit, Alltag, was kann man sonst gegen den Wahnsinn setzen, der sich um uns herum abspielt? Immerhin spielt sich ja auch das andere ab. Die Jahreszeiten, der Kosmos, die Instanz in uns, die uns sagt, wenn etwas nicht recht ist. Die Freude. Trotz allem. Die ewigen Definitionen und Rechtfertigungen, das Ringen ums Gehörtwerden, all das darf auch mal Pause machen. (Wer die Fotos sehen will, unten auf das Dreieck klicken, keine Ahnung, wie wordpress das grad wieder gemacht hat…)

Zwei Wege boten sich im Wald mir dar und ich nahm den, der weniger betreten war. (Walt Whitman)

So eine schöne Welt.

Wir stehen auf dem Ballon d’Alsace und sehen am Horizont die schneebedeckten Alpen. Wir stehen lange und schauen. Es ist ein stiller Tag, sanft kommt die Sonne durch den Hochnebel. Windstille. Ganz wenig Menschen sind unterwegs. Wir stehen lange in diesem Frieden und schauen. Was für eine wunderschöne Welt.

Wir haben an dem kleinen Verkaufsstand am Rhein ein Schälchen Tomaten und 2 Birnen gekauft, schön wie beim Herrn von Ribeck auf Ribeck im Havelland. Ein perfekter Septembertag.

Ich freue mich an dem, das es zu freuen gibt. Mag mich nicht rechtfertigen. Ich weiß um meine Gründe.

Dornröschen

Wenn man einmal diese Art zu Reisen mag (und trotz massiven Protestes ein geliebtes Wohnmobil einfach verkauft wurde), ist ein günstiges Angebot direkt um die Ecke ziemlich unwiderstehlich. Es ist natürlich ein Abenteuer, so ein altes Fahrzeug hatte ich noch nie. Am Anfang war es innen drin ziemlich naja, nun ist es blitzblank, saubere Polster, eklige Vorhänge raus, Heizung und Herd funktionieren, in den nächsten Tagen kommt die große Wassertankreinigung. Und ich freue mich jetzt auf die erste Übernachtung. Es hat den optimalen Grundriss, es ist kurz, es hat einen Alkoven zum Schlafen, das Klo ist so weit weg vom Bett wie möglich, die Sitze vorn sind genauso gemütlich wie die Bänke am Tisch, und das Raumgefühl ist gut. Weit weg vom Gefühl, dass man einen zu engen Stützstrumpf anhätte wie in diesen schicken neuen Bussen. Fahren ist auch gut und wird mit jeder Tour besser. Wachgeküsst eben. Wir machen das jetzt mal.

Wahrorte

Orte, an denen du dich besonders wohl fühlst, Orte, die etwas in dir anrühren, Orte, die du magst, die dich ganz zu dir kommen lassen, müssen nicht spektakulär oder bekannt sein. Eigentlich kann jede Stelle so ein Ort sein. Jeder Fleck am Wegesrand, eine Parkbucht, ein Stückchen Straße, ein Zugang zu einem Flussufer, einem Wäldchen. Manchmal verwandelt sich auch die eigene Eingangstreppe in so einen Ort. Oder ein Pflasterstein unter deinen Füßen. Du selbst machst einen Ort zum Wahrort. Und an manchen geht es leichter.