In der jetzigen Situation fehlt mir sehr mein lieber Kollege Klaus B. Wir haben uns über viele Jahre in unregelmäßigen Abständen zu telefonischen „Supervisionen“ getroffen, „Fälle“ und auch private Neuigkeiten und Angelegenheiten besprochen. Seine Menschenkenntnis, sein Interesse, seine Güte und sein ganz besonderer Humor -er konnte ernste Dinge auch in ihren heiteren Aspekten erkennen und umgekehrt – hätten mir sehr geholfen. Ende August 2021 starb er plötzlich und unerwartet (steht auch so in der Traueranzeige).

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Heute wurde mir wieder mal zur Toleranz geraten:

„wenn da bei den demos welche dabei sind die hassen müsen ist das ihr  
problem. ich feiere den zusammenhalt gegen die nazis“

Und das von einer Person, die mir vor ein paar Jahren sagte, ich mache mich mit Nazis gemein, wenn ich gegen die Coronamaßnahmen und eine Impfpflicht demonstriere, da dort ja auch „Rechte“ mitlaufen könnten.

Und dann kam noch: „und warum du deine  
probleme mit den impfbefürwortern hast versteh ich auch nicht ganz.  
ich mach jetzt schon über 40 jahre meine arbeit und musste viel kritik  
und hass ertragen. es ist aber notwendig dass es dich nicht bitter  
macht“

Wie kann man so ignorant sein, nicht zu erkennen, dass mir völlig egal ist, wer sich wann und wie oft mit was impfen lässt (ok, bei meinen Kindern ist es mir nicht egal, aber daran machen kann ich da auch nichts, sie sind ja erwachsen), ich aber definitiv keine Nötigung, Beschimpfung und Diffamierung toleriere.

Und zu den aktuellen Demos: Mit „Grünen“, die Deutschland „kriegstüchtig“ machen wollen, mache ich mich wirklich nicht gemein.

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„Du bist jetzt so alleine.“, sagte mein Vater gestern bekümmert. Aber ich konnte ihn beruhigen. Hoffe ich. Ich bin nicht alleine, ich bin all-ein. Da gibt es so ein hübsches Gedicht von Rilke, das das ganz gut beschreibt, das Eins-Sein mit dem All. In Meditationen gehen wir gerne in den Kosmos, und auf einmal fällt uns ein, dass wir doch die ganze Zeit im Kosmos sind. Auf dieser wunderschönen Erde, die durch das All tanzt. Der Kater ist mit der Decke im Mäulchen eingeschlafen, auf der er herumgekaut und -gepfötelt hat. Und ich habe heute ein wirklich gutes Wort bekommen: „Nicht strampeln, Du gehst nicht unter, Du schwimmst von allein.“ Jetzt aber der Rilke:

„Überfließende Himmel verschwendeter Sterne
prachten über der Kümmernis. Statt in die Kissen,
weine hinauf. Hier, an dem weinenden schon,
an dem endenden Antlitz,
um sich greifend, beginnt der hin-
reißende Weltraum. Wer unterbricht,
wenn du dort hin drängst,
die Strömung? Keiner. Es sei denn,
dass du plötzlich ringst mit der gewaltigen Richtung
jener Gestirne nach dir. Atme.
Atme das Dunkel der Erde und wieder
aufschau!  Wieder.  Leicht und gesichtslos
lehnt sich von oben Tiefe dir an. Das gelöste
nachtenthaltne Gesicht giebt dem deinigen Raum.“

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Schwarzmondin

Nächtliche Erkenntnis,

wegen der ich um 5.18 Uhr aufstehe. Ich habe immer wieder als persönliches Thema, das meine Eltern mich Einzelkind so im Beobachtungsfokus hatten. Gerade meine Mutter wollte immer genau wissen – und glaubte auch, genau zu wissen – was ich denke, fühle, mache, plane, bin. Das ist für ein Kind so anstrengend, dass ich immer noch Strategien entwickle, um Beobachtung zu entrinnen. Und eben rutschte ich im Halbschlaf in eine Art Dialog mit meiner Mutter, die ja 1998 gestorben ist. Dabei stellte sich heraus, dass sie das getan hat, weil sie als Kind völlig uninteressant für ihre Eltern war. Die waren mit ihrer Scheidung (die erste Scheidung in der badischen Kleinstadt, im Jahr 1939 ein Skandal ohnegleichen) und dem gegenseitigen Hass beschäftigt, ihrer großen Schwester wurde sie als zu hütendes Anhängsel angehängt. Sie hätte sich gewünscht, dass jemand sich für sie, ihre Gedanken und Pläne interessiert hätte. Und so hat sie mir ihre Aufmerksamkeit geschenkt. Allerdings hat sie mich radikal damit überschwemmt. Ob ich es balancieren konnte bei meinen Kindern? Ich werde sie mal fragen. Vielleicht hätten sie wieder lieber mehr „Beobachtung“ gehabt? Ich glaube nicht, aber ich werde sie fragen.

Oh, wow, der Regen lässt etwas nach. In den letzten Tagen sieht das Land grauer aus als im Januar, als unter dem Schnee erstaunlich grüne Wiesen erschienen. An den Straßenrändern überall „Baumpflege“. Vielleicht, wenn das Wetter nun etwas lichter wird, merkt man endlich besser, dass die Tage länger werden. Das täte gut. Und wieder in der Sonne sitzen…

Schneeregen

Und trotzdem liegt in der Luft und in der Erde ein Hauch von Frühling.

Ich lese Ute Schiran:

Was bleibt nach einem Sturm:
geh langsam übers Land;
sieh die Veränderungen und das,
was aus ihnen entstehen kann.
Hab keine Eile.
Manches fügt sich ohne dein Tun.

„Ghosting“.

Interessante Erfahrung.

Kaltgestellt, alleingelassen, abgeschaltet, ungehört, ungesehen, unbedacht (?).
Was macht das mit einer?
Trauer. Einsamkeit. Fassungslosigkeit. Ohnmacht.