Abschied.

Gestern habe ich mich von einer großen Liebe verabschiedet. Franz-Josef Degenhardt. Im Auto hatte ich seit langem wieder einmal eine CD von ihm gehört (Kommt an den Tisch unter Pflaumenbäumen), und nachdem ich sie zweimal habe durchlaufen lassen, habe ich angehalten und sie weggeworfen. Als symbolische Handlung. Es wird immer noch Melodien und Texte geben, die ich summen, singen und zitieren werde, so zwischendurch, ich werde auch nicht alle CDs entsorgen, aber die Identifikation mit der ganzen Szene, die für mich an Degenhardt hängt, war schon lange vorbei, ich hatte nur vergessen, darüber nachzudenken. Dieses patriarchöse Kämpfen, die Wahrnehmung von Frauen (nicht nur bei Degenhardt, da ploppen natürlich auch die Erinnerungen an meine Jahre bei den Grünen auf), das geht gar nicht. Der Punkt, an dem es beim Hören eindeutig und radikal Klick machte, war „Die Ballade von der schönen alten Stadt“ in der Version, in der er aus der listigen Lehrerin auch noch einen listigen Lehrer gemacht hat. Als ich das hörte, stand ein Reiher neben der Straße im Wasser. Dann flogen mir einige, ganz verschiedene, Vögel fast vors Auto, und als ich auf der CD beim Bauernführer Joß Fritz angekommen war, bei dem Frauen hauptsächlich dazu da sind, um „an die Punze gefasst“ zu werden, stieß unmittelbar neben mir ein Falke ins Gras am Straßenrand. Da war es dann klar.

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