Vela.

Vor 14 Jahren und 2 Monaten lebte ich mit einer sich gerade gründenden Praxis, einem 100 Stunden die Woche arbeitenden Mann, 3 Kindern (1,3,4 Jahre alt) und zwei tiefentspannten Katzen und beschloss, eine Hündin würde dieses Bild prima abrunden. Also fuhr ich zu einer Pflegestelle eines Tierheims, die mir versichert hatte, diese Hündin sei kinderlieb, katzenverträglich, führe gerne Auto und sei stubenrein. Ich nehme an, „kinderlieb“ hat nur gestimmt, weil meine Kinder extrem tierverträglich sind. Es war alles gelogen. Vela hat im Auto gekotzt und geschäumt wie verrückt, bis wir Merlin bekamen und sie merkte, dass es Hunde gibt, die gerne Auto fahren. Sie biss als erstes den Kater in den Schwanz, so dass ich mit den Kindern im Schlepptau zum Tierarzt fahren musste (natürlich saß im Wartezimmer der eine Spaßvogel, der immer da sitzt und sagte: „Hier ist aber kein Kinderarzt.“) Und stubenrein war, sie, nachdem ich 6 Wochen lang mit ihr alle 2 Stunden, Tag und Nacht, rausgegangen bin, wie mit einem Welpen. So habe ich zum erstem Mal im Leben wirklich ausgiebig einer Nachtigall zuhören können. Vela hat mich durch schwierige Zeiten begleitet. Wir waren wandern und schwimmen, wir trafen Hunde und Menschen. Wir lernten. Wir kuschelten. Sie lernte, die Katzen (und dann noch weitere) zu tolerieren. Sie fuhr in Urlaub und schwamm in der Ostsee, nachdem sie 4 Jahre lang komplett wasserscheu gewesen war, sie hatte Freunde und schlief jahrelang im Kinderzimmer in einem Hochbett. In den Alpen machte ich ihre Leine ab, um eines der Kinder anzuseilen. Meist war sie, wenn ich mich nach ihr umschaute, unmittelbar neben oder hinter mir unterwegs. Junge, ungestüme Hunde mochte sie nicht. Nur Merlin. Als ich beschlossen hatte, ihn zu uns zu holen, war Vela schon ungefähr 9 Jahre alt. Das Tierheim wollte, dass wir alle kommen, um ihn kennenzulernen. Vela ging in das abgezäunte Stück mit Baby-Merlin und gab ihr OK. Da stieg er mit uns ins Auto und seitdem wurde Vela beim Autofahren nicht mehr übel. 8 Jahre lang, bis heute, war sie Merlins Respektsperson, und er war überwältigt, wenn sie mit ihm spielen wollte. Jetzt kommt er und wuschelt seinen dicken Kopf an mich heran und will mich trösten. Er ist vielleicht ein Kindskopf aber kein dummer Hund. Heute Mittag ließen wir Vela gehen. Seltsamerweise kann ich bei Tieren diesen Quatsch von der Regenbogenbrücke total annehmen und mir vorstellen, wie Vela am anderen Ende Hillu und Oskar trifft („Ach, die schon wieder!“) und York, mit dem sie gleich wieder spielt. Sie wollte nie etwas, das sie apportiert hatte, freiwillig hergeben, ließ sich aber von den Kindern das Futter mit der Hand geben, auch als sie noch ganz klein waren. Sie mochte keine fremden Männer und liebte meine Freundinnen. Wenn die Pflegestelle nicht auch da gelogen hat, kam sie aus Spanien und hatte ein, zwei Jahre auf der Straße gelebt. Sie war eine sehr große, kleine Hündin. Und ich muss viel mehr weinen als ich erwartet hätte.

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Vela und ich 2006

4 Gedanken zu “Vela.

  1. Mein herzliches Beileid. 🖤
    Es ist immer schwer, ein geliebtes Tier gehen zu lassen. Damit endet letztendlich auch ein Teil der eigenen Lebensgeschichte.
    Möge Dankbarkeit für die gemeinsamen Jahre und schöne Erinnerungen den Schmerz im Herzen etwas erleichtern!

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  2. Liebe kleine Vela, ich durfte dich kennenlernen und wurde von dir als Gast akzeptiert. Hab eine gute Reise auf die andere Seite, du durftest in Liebe und Würde gehen.
    Meine Liebe, ich drück dich ganz fest und weine mit dir … unsere felligen Familienmitglieder reißen immer so ein großes Loch 😦
    Angharad

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