Ich habe eben ein Haiku schreiben wollen und bin dabei an ein paar Begrifflichkeiten hängengeblieben. Unter anderem an „Selbstverwirklichung“. Erstens ist das Wort für ein Haiku eigentlich zu lang, und zweitens ist mir aufgefallen, dass es so selbstverständlich als „Spinnerei einer mittelalten bis älteren Frau, die nicht weiß, wie gut sie es hat und die in der Toskana töpfern geht“ gebraucht wird und damit dem patriarchalen System dermaßen in die Hände spielt, dass man eine sehr lange Abhandlung darüber schreiben könnte. Wenn also etwas nach außen „wie Selbstverwirklichung aussieht“, ist nicht gemeint, dass jemand sich selbst verwirklicht, statt sich zu verbiegen, sich verbiegen oder fremdbestimmen zu lassen, statt seine Wahrheiten aufzugeben oder sich dafür beschimpfen zu lassen und sich und seine geistige, seelische und körperliche Gesundheit gerade noch so rettet, sondern es ist gemeint, dass er egostischerweise einem Hirngespinst nachläuft. Für die eigentliche Bedeutung scheint es gar kein Wort zu geben.
ihr nennt es verrückt
ich bin nicht unkaputtbar
grad noch gerettet
