Wir kennen „Reisen“ eigentlich nur noch als „Verreisen“, also in die Ferien fahren und zurückkommen. Dass das Reisen auch bedeutet, von einem Punkt zu einem anderen zu reisen, um dort zu bleiben, ist ein bißchen in Vergessenheit geraten. Mir wurde es jetzt ganz bewusst, als wir vom Südwesten des Landes in den Nordwesten reisten. Zogen. Drei Tage lang. Zuerst haben wir uns ausgiebig verabschiedet.
Dann ging es am ersten Reisetag bis hin zur Loreley. Umleitungen brachten uns in verwinkelte Dörfer, die viel zu eng sind für die panzerartigen Autos, die mittlerweile so gerne gefahren werden. Dann ging es am Rhein entlang. Wenig Wasser im Fluss. Und so eingezwängt zwischen Fluß, Straße, Bahnline und steilem Hang haben wir zwar gut übernachtet und am Abend auch fein gegessen, aber dort wohnen oder auch nur Urlaub machen, wollten wir dann doch nicht.
Am nächsten Tag ging es weiter am Rhein entlang, denn wir steuerten unseren zweiten Zwischenstop an, den Niederrhein. Allmählich wurde die Landschaft offener und die Bebauung weniger. An einer stark befahrenen Straße verbrachten wir die nächste Nacht in einem netten Gästehaus. Das Wetter war die ganze Zeit schön, sonnig, mild und windstill, was für ein Segen.
Und am dritten Tag rollten wir nach einem Frühstück in der Nähe der Niederrheinbrücke gemächlich nach Norden bis zu unserem Ziel. Wenn wir hier aus dem Fenster schauen, sehen wir eine von alten Eichen umgebene Kuhweide. Das ist unglaublich erholsam. Gestern Abend rief eine Waldohreule ausdauernd aus dem Geäst. Kreuzspinnen weben und spinnen alles ein.
Reist der Körper sehr schnell, wie z.B. beim Fliegen, kann es sein, dass die Seele langsamer hinterhergebummelt kommt und man am Ziel noch gar nicht richtig ankommen kann. Beim langsamen Reisen hat man den Vorteil, dass Körper und Seele gemeinsam fortkommen.



