Kurze Auszeit – ob sich aus ihr klarere Formulierungen ergeben? Es ist, was es ist, das Ablegen der Geschichte, das neugierige Einlassen auf Anderes – was sollen die klareren Formulierungen bringen? Heute habe ich immerhin schon die Wunder der menschlichen, nicht klaren oder definierten, Begegnungen gesehen. Immerhin eine schöne Basis um in eine kurze, nur ein, zwei Tage lange, Auszeit zu gehen…
Von einem Termin zum anderen hätte ich mich beeilen sollen. Wollen? Es ergab sich, dass das Nichtbeeilen gar nicht schlimm war und sich ein Zeitfenster öffnete. Ich hielt am Moor und ging ein Stück spazieren. Mit mir allein im Nieselregen, Hose aufgekrempelt, Kapuze. Wo im Sommer Wollgras winkt, stehen jetzt kahle stille Stengel. Birken. dornige Sträucher. Drei Rehe hüpfen anmutig einStück weiter. Dunkler Torf. Mehr Birken. Hier blühte Johanniskraut. Es ist schön, ein Stück Land zu verschiedenen Jahreszeiten zu begehen. Stille.
Ich liebe Kormorane. Jetzt flog wieder einer hoch, hoch über mir, schwang sich in kürzester Zeit und in einem eleganten Bogen hinunter und landete ohne einen Spritzer im Wasser. Sie erinnern mich immer an die Verbindung der Elemente. Fliegen, laufen, schwimmen und tauchen, Sonnenbad. Luft, Erde, Wasser und Feuer. Geschmeidig und ohne Trennung verbunden, nebeneinander bestehend, Symbol für die 4 schamanischen Realitäten (Alles ist getrennt, Alles ist verbunden, Alles ist ein Symbol für etwas, Alles ist Eins), Gelegenheit, mich mit den schönen Vögeln als Tierboten zu verbinden.
Das schöne Foto ist von Gabriele, sie hat es in Kensington Gardens gemacht.
Ich komme zu nichts, könnte ich fast sagen. Zu nichts in dem Sinne, dass ich mich viel zu arg einspinnen lasse in die Dinge dieser Zeit. Zum Reagieren „zwingen“ lasse. Deswegen transportiere ich in der Fahrertür meines Autos eine Bambusflöte, eine Magieflöte, eine Ritualflöte. Die löst und erleichtert, die verblüfft und zaubert.
Vergesst nicht zu lösen, zu erleichtern, zu verblüffen und zu zaubern.
Und (ganz irdisch): Nicht die Menschen mit den Problemen, die ihre Heimat verlasen mussten, sind anstrengend. Unsere Konstrukte, Behörden, Korinthenkacker und Prinzipien(reiterInnen) sind es.
es müsste hochkant sein, sorry, und ist eine sibirische (?) sehr alte Darstellung des Menschen in Verbindung mit dem Kosmos
Ich gehe zu meinem Ahninnenhaus, das meist so aussieht wie das aktuelle Header Bild, könnt es Trancereise nennen oder Klartraum. Barfuß über erdige Wege vom Lochstein zwischen Brombeeren und Ginster dahin. Vor dem Haus sitzt sie und trommelt, singt dazu, tönt dazu. Kein künstlicher Gesang, mehr wie die Vögel singen. Ich trete ein und begrüße die, die da sind. Verwandte und Freundinnen, Autorinnen, Tiermütter, Göttinnen. Setze mich zur Spinne auf die Holztreppe, die nach oben führt und lausche. Frage was, bekomme Antworten. Wir lachen. Am großen Tisch sitzen viele. Bevor ich gehe, schaue ich, was neben der Tür steht. Oder hängt. Heute ist es ein Ilexzweig mit roten Beeren. Holly.
Lang sind die Abende, noch fast 3 Wochen bis zur Sonnenwende. Lange dunkle Nächte. Der Garten ruht. Ich merke, wie Hektik und zu viele Termine dieser Zeit widersprechen und meinem Rhythmus auch. Ruhe, Ausatmen, auf die Rauhnächte hinatmen. Ein bißchen Altes loslassen, ein bißchen Neues andenken, die Katzen streicheln. Das ist jetzt wichtig.
Ich musste heute beruflich in ein großes Einkaufszentrum. Eigentlich wollte ich diesen langen Gang knipsen, aber dann wollte ich lieber doch nicht. Die Dinger mag ich schon im neutralen Zustand nicht, aber mit dem Weihnachts-Bling-Bling ist es ja noch viel schlimmer. Dieses Überangebot von allen Dingen (wofür braucht man 28 Sorten Joghurt mit der Ecke – können die Menschen sich im Ernst keine eigenen Kekse zerbröckeln und in ihr Joghurt streuen, muss man dafür soviel Plastikmüll herstellen? und Billigweihnachtsschmuck, lackbesprühte Koniferen …) macht mich total konsumlahm. Sogar der Buchladen freut mich nicht, ich war auf dem Rückweg hineingegangen und hatte dann keine Lust mich durch die lustigen Schokoladetafeln, Grußkarten, Stofftiere, Paper Blanks und Kalender bis zu den Büchern (die eh hauptsächlich aus irgendwelchen Beststellerlistenbeständen zusammengestellt waren) vorzuarbeiten. Lieber schaue ich morgen wieder mal im offenen Bücherschrank rein.
Dafür habe ich heute zweimal einem Fischreiher in die Augen geschaut und wieder un zählige Gänse und Krähen gesehen (und gehört).
Entschleunigen und runterfahren ist Thema. Bremsen, Ruhephasen, Entspannen. Nicht in eine Spirale des helfenwollenden Aktionismus geraten, sondern dosiert und wirkungsvoll etwas tun.
Wir sinken dem Winter entgegen, der kleine Mammutbaum verfärbt sich, die Birke ist kahl, der subtile Duft von Buntstiften schwebt über dem Wohnzimmertisch. Es ist noch so warm, dass die letzten Rosen noch blühen, und drinnen öffnet sich die Amaryllis.
Ich habe eine ausgeprägte Bank-Aversion. Vielleicht sind auch Banken der letzte Bereich, den ich diesbezüglich nicht ganz vermeiden kann. Wenn aufgesetzte Phrasen mir extrem langsam vorgelesen werden, wenn Smalltalk vor den Phrasen meine Zeit verschlucken will, wenn lange Lacknägel über Formulare schaben und alle automatischen Türen sich so zögerlich öffnen, dass ich mir fast den Kopf einrenne, fällt mir auf, dass ich ruhig noch mehr Gelassenheit rufen kann und noch mehr Geschick, um mir das nicht mehr anzutun. Ich lese gerade mal wieder „Der keltische Ring“, eins meiner Lieblingsbücher. Der Erzähler beschreibt, wie er seit Jahren mit einem ausgeklügelten System aus Anwalt+unterschriebenen Blankobögen (das Buch spielt noch im letzten Jahrtausend) völlig unabhängig von Behörden lebt und so ganz ungestört zu einem langen Segeltörn aufbrechen kann. Hat was.
Bei mir wären es wohl eher die Wanderschuhe als das Segelboot, wobei …