Ausgehen.

Ja, es ist schwierig, mit mir auszugehen. Kinofilme unterziehe ich sofort dem Bechdel-Test und Texte werden auf patriarchale Elemente abgeklopft, leider fast immer erfolgreich. Gestern Abend waren wir bei einem Programm mit Chansons von Edith Piaf. Deren Texte will ich jetzt gar nicht analysieren, es geht mir um die humorigen Einlagen der Künstlerinnen zwischen den Liedern. Das Ganze wurde aufgezäumt an den Liebhabern der Piaf, die in Kategorien eingeteilt wurden „die, die ihr halfen, Sie wissen schon, die Beratercouch“, „die ganz jungen“ (Skandal, eine Frau mit jüngeren Liebhabern), „die, die sie nicht gekriegt hat“ (als 40jährige soll sie einem 16jährigen ans Knie gefasst haben, der daraufhin verstört aus dem Klofenster des Restaurants kletterte – gut, dass das jungen Frauen NIE passiert, dass ihnen ein älterer Mann unterm Tisch ans Bein fasst – und (unironisch): schade, dass uns nicht gesagt wurde, wir sollen dann schnell  abhauen.) Gerade in Zeiten von #metoo und dem wachsenden Bewusstsein in diesem Bereich hätte das ganz, ganz anders aufgezogen werden können und müssen. Ich wirke dann kritisch und zornig (ok, bin ich auch, mit Fug und Recht), das geht aber aus von dem Schmerz, dass immer noch diese Einstellung herrscht, dass vermittelt wird, sich Hochschlafen wäre ein Vergnügen der Frauen, die Wahl der Partnerin läge beim Mann (statt mal einige informative Worte über female choice als menschheitsgeschichtlich natürlich gewachsen und erst in den letzten paar 1000 Jahren mit unguten Folgen zerstört, einzuflechten).

Ich verlinke hier mal einen sehr guten Artikel von Rona Duwe:

https://herstory-history.com/grundlagen/perspektiven/die-weibliche-sexualitaet-zurueckerobern

Avebury
Ich kann bald wieder etwas Stein-Zeit gebrauchen.

 

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