Oh.

Eine Freundin berichtet, dass der Vater ihres Exmannes gestorben ist und sie trotz des abgebrochenen Kontaktes Trauer empfindet. Aus einem Impuls, dessen Ergebnis ich schon fühle, bevor ein Ergebnis da ist, suche ich nach dem Namen der Mutter meines Exmannes und finde, sie ist im März gestorben, in der ersten Woche des Lockdown. Ein anrührendes Bild von ihr (mit 92 Jahren sah sie noch ganz so aus wie die Frau, die ich 1987 kennenlernte) mit einer Dackelhündin auf dem Arm, die auch als erste in der Traueranzeige genannt wurde. Mein Exmann ist letztes Jahr gestorben, sein Vater ein paar Jahre zuvor. Sie wäre die einzige Person aus der Familie gewesen, die ich gerne noch einmal gesprochen hätte, das war kein leichtes Leben. Ob sie mich mal gemocht hat, weiß ich nicht, die Familie war so durch den tyrannischen Vater dominiert, dass viele Kontakte gar nicht zustande kamen, ein typisches Bild des Patriarchats. Ich hoffe, der kleine Hund ist gut untergekommen und ich hoffe, sie musste nicht maßnahmenbedingt alleine sterben. Und, nachdem ich in den letzten Nächten so schon viel Vergangenheit abgeträumt habe, rechne ich mit einem weiteren Traum.

Wie singt der Drache Koks im Ritter Rost? „Es ist schon lang, es ist schon lang, es ist schon lang vorbei.“

06
Sonne und Nachtfee (Illustration aus meiner alten Ausgabe von Peterchens Mondfahrt)

 

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