„Eure Tugend widert mich an.“ (Effi Briest)

Ähnlich wie in der Bibel findet sich auch bei Fontane immer ein passendes Zitat (nur dass sein Werk logischer aufgebaut ist).

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Diese Heuchelei und Bigotterie um den Krieg in der Ukraine. Menschen, die die Aufrüstung toll fanden, als ich mit 15 schon auf Friedensdemos unterwegs war, Menschen, denen alle durch Amerika angezettelten Greuel zutiefst egal sind, Menschen, die „uns“ seit 2 Jahren als CovidiotInnen beschimpfen, schicken jetzt blaugelb verzierte Serienmails mit Friedensliedern, strahlen Fassaden an und teilen stolze „so sieht es aus, wenn das Volk demonstriert“ Bilder (Menschen ohne Mindestabstand, ohne Polizeieinsatz und Wasserwerfer) und setzen voraus, dass wir Grund-. und MenschenrechtsverfechterInnen natürlich für diesen Krieg sind. Unfassbar.

Zwischen Regenschauern
ergattere ich einen Augenblick in der Sonne mit dem roten Kater.
Zwischen allem Weltwahnsinn
erfahre ich Geborgenheit und atme tief.
Zwischenräume sind wie stille Waldlichtungen
ich halte inne und schaue, spüre und lebe.

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Durchwachsene Tage

und doch nie Schwierigkeiten, abends vor dem Einschlafen daran zu denken, was mich heute gefreut hat. Und heute bricht das Freuen sogar aus vielen Quellen aus mich herein, wie Frühling nach Winter.

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Beim Aufräumen gefunden, die Eltern meiner Mutter. Wie traurig Luise aussieht und wie stur ihr Mann. Natürlich kenne ich auch die ganze Geschichte, aber auch die Physiognomie alleine ist schon interessant. Meine Tochter gleicht meiner Oma sehr, nur dass sie Zuversicht und Stärke im Gesicht trägt – aber die sind aus vielen Briefen meiner Oma, die sie vor ihrer Heirat geschrieben hat, auch zu lesen.

Mein Co-Therapeut und ich haben heute gut gearbeitet. 

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Ansonsten ist

Vorfrühling

Es läuft der Frühlingswind
Durch kahle Alleen,
Seltsame Dinge sind
In seinem Wehn.

Er hat sich gewiegt,
Wo Weinen war,
Und hat sich geschmiegt
In zerrüttetes Haar.

Er schüttelte nieder
Akazienblüten
Und kühlte die Glieder,
Die atmend glühten.

Lippen im Lachen
Hat er berührt,
Die weichen und wachen
Fluren durchspürt.

Er glitt durch die Flöte
Als schluchzender Schrei,
An dämmernder Röte
Flog er vorbei.

Er flog mit Schweigen
Durch flüsternde Zimmer
Und löschte im Neigen
Der Ampel Schimmer.

Es läuft der Frühlingswind
Durch kahle Alleen,
Seltsame Dinge sind
In seinem Wehn.

Durch die glatten
Kahlen Alleen
Treibt sein Wehn
Blasse Schatten.

Und den Duft,
Den er gebracht,
Von wo er gekommen
Seit gestern Nacht.

Hugo von Hofmannsthal