
Spinnen, Weben, Ahnbindung.


Immer noch fragen mich Leute, welche Grundrechte denn eingeschränkt wären. Als wäre der Befehl, einen unhygienischen Lappen vor Mund und Nase zu tragen, die Einschränkung der Reisefreiheit, das Kasernieren alter Menschen und andere Abstrusitäten ganz normal und zu erwarten gewesen. Ok, vielleicht wäre es klüger gewesen, nicht auf die Sicherheit dieser Rechte zu vertrauen – schließlich zeichnet sich das Patriarchat seit jeher nicht durch sinnvolle Maßnahmen aus (Inquisition, Kapitalismus, Kleinfamilie, Kriege, Umweltzerstörung, Misogynie, religiöse Gebote, Faschismus* ….) und an vielen unsinnigen Kleinkram hatten wir uns einfach gewöhnt und uns unsere Nischen gesucht. Bei Friedensbewegung, Anti-Atomkraft-Bewegung, Pro-Asyl etc. hatten wir es eigentlich schon gelernt, dass die Bekämpfung einzelner Symptome nur enorm kräftezehrend ist, in sich wieder das gleiche System entstehen lässt (die Frauen schmieren die Vollkornbrote für die Demo…) und lächerlich wenig Auswirkung auf das Patriarcht als solches hat. Und jetzt sind wir für ein paar Wochen wieder reingefallen. Da wo die einen all ihre Ängste vor Tod, Schuld, Krankheit, Zusammenbrechen der Wirtschaft etc. in der Angst vor einem einzelnen, ziemlich unspektakulären Virus konzentrieren, habe ich meine Energie in den Schreck über das plötzliche und unmittelbare Aushebeln der einzigen guten Errungenschaft, nämlich der Grundrechte gesteckt. Als könne ich erst, wenn die Menschen in diesem Punkt wieder „vernünftig“ würden, mit der Patriarchatskritik weitermachen. Blödsinn: Es kommt alles aus der einen Wurzel und ist einfach ein weiteres, wenn auch ziemlich dramatisches Symptom. Allerdings nicht dramatischer als die anderen Symptome, die aus den patriarchalen Standbeinen* resultieren.
Ganz praktisch sage ich, wer solche Angst vor einer Infektion hat und meint, nur gesund bleiben zu können, wenn Maske getragen, Abstand gehalten und nicht gereist wird, alte Menschen eingedost werden und Kinder mit Maske in aufgemalten Bereichen auf dem Schulhof herumstehen, denn das wäre ihm gegenüber rücksichtsvoll, der soll eine Maske mit Ventil tragen, die schützt ihn vor der Infektion anderer und die anderen halten automatisch Abstand, denn wäre er infiziert, bekäme man den Segen konzentriert ab.
Ich finde es rücksichtslos, von allen (zu fast 100% coronasymptomlosen, gesunden) Menschen zu verlangen, eine „Alltagsmaske“ zu tragen, die hinderlich, traumatisierend, unhygienisch und nicht schützend ist, ich finde es unmenschlich, wenn alte Leute in Heimen eingesperrt werden und, ebenso wie Kranke, keinen Besuch bekommen dürfen.
Ich werde niemanden anspringen, anspucken und zwangsumarmen, das habe ich aber in 50 Jahren noch nie getan. Ich niese und rotze auch nicht in der Gegend herum und bin beim Wandern eh am liebsten alleine. Hände waschen ist eine feine Sache, dass aber beim Betreten eines Restaurants oder einer Schulklasse ständig desinfiziert wird, ist auf Dauer ungesund.
Zudem wurde heute eine Freundin von mir, eine SchaMAhnin, in Bern abgeführt, einfach, weil sie auf einem Platz stand. Allmählich reicht es wirklich. Und immer kommt noch jemand aus der Kiste gekrochen und sagt: „Aaaaaabääääääähr.“

„Donna Donna Donna Donna Donna Donna Donna Don Donna Donna Donna Donna Donna Donna Donna Don“
Zwischenträume in
Zwischenräumen
wenn die Welt
maiblühend schäumt
und Menschen weiterhin
Irresein üben
Hohe Zeit ist es
zu erkennen wie brutal
die Be-Schneidung uns immer noch betrifft
hohe Zeit an die
Körperinnerungen ahnzuknüpfen
die uns mit der Zeit
des selbstverständlichen All-Eins verbinden
als nur Kosmos war und keine Kosmetik.


Ja, es ist albern, aber es macht Spaß und tut gut. Seit ich mit der Alf Serie angefangen habe (wobei ich wirklich manchmal lachen muss als würde ich gekitzelt), geht es mir viel besser. Natürlich fällt mir dann auch wieder ein, wie meine Tochter und ich im letzten Herbst noch in Frankreich vor dem Kaminofen saßen und „Lukas Lenz“ schauten, in der Zeit, als Reisen noch möglich war.


Und wer es noch nicht verstanden hat: Ich bin seit jeher dagegen, Leute leichtfertig anzustecken oder mich anzustecken und ergreife vernünftige Maßnahmen. Gegen verordnete unvernünftige Maßnahmen spreche ich mich aus.

Wie lange wollt ihr noch die Maskerade mitmachen und einander ausweichen, niemanden mehr berühren, niemanden kennenlernen können, kontrolliert werden und Angst haben?
Selbst wenn keine Impfung und kein Medikament gegen Covid gefunden wird (und wie bei anderen viralen Infekten symptomatisch behandelt wird), selbst wenn „Corona“ doch so gefährlich wie eine Grippe oder sogar ein bißchen mehr wäre: Wollt ihr deswegen für IMMER so leben, nicht reisen, nichts Neues mehr sehen, noch nichtmal mehr ein Kino von innen, geschweige denn andere Länder, Städte, Landschaften?
Unter euch sind Menschen, die unerschrocken Fernreisen gemacht haben, in Länder mit wirklich scheußlichen Krankheiten (Viren, Parasiten, Bakterien, Mücken, die sonstwas übertragen), die sie hätten bekommen und einschleppen können. Und jetzt lebt ihr eingedost und verhüllt, obwohl alle Zahlen und Studien zum Optimismus einladen und es eine nicht außergewöhnlich schlimme Krankheit ist.
Es ist erlaubt, sich (und andere!) im Straßenverkehr zu gefährden und das wird fleißig getan (s. Statistik der Verkehrstoten und -verletzten), wird verteidigt als Freiheit der Bürger. Es ist erlaubt zu rauchen (und da gibt es interessante Studien, wie weit der Rauch sich ausbreitet, wer den alles noch einatmet, wie schädlich auch Passivrauchen ist, wie es auch über die Kleidung noch verbreitet wird – mich stört das nicht, aber die, die jetzt solche Angst haben, könnten sie doch auch vor dem Zigarettenrauch haben).
Warum wird uns auf einmal ein ganz normales Lebensrisiko abgesprochen?
Wollt ihr eine Gesellschaft von berührungslosen, einander als Gefahren umkreisenden Halbgesichtern sein?
„Intensiv leben wollte ich, das Mark des Lebens in mich aufsaugen. (…) damit ich nicht in der Todesstunde innewürde, dass ich gar nicht gelebt hatte.“ (Henry David Thoreau)

„Von Sonn‘ und Welten weiß ich nichts zu sagen,
Ich sehe nur, wie sich die Menschen plagen.
Der kleine Gott der Welt bleibt stets von gleichem Schlag,
Und ist so wunderlich als wie am ersten Tag.
Ein wenig besser würd er leben,
Hättst du ihm nicht den Schein des Himmelslichts gegeben;
Er nennt’s Vernunft und braucht’s allein,
Nur tierischer als jedes Tier zu sein.
Er scheint mir, mit Verlaub von euer Gnaden,
Wie eine der langbeinigen Zikaden,
Die immer fliegt und fliegend springt
Und gleich im Gras ihr altes Liedchen singt;
Und läg er nur noch immer in dem Grase!
In jeden Quark begräbt er seine Nase.“
(Wer das sagt, wisst ihr alle, ja? Der Prolog ist überhaupt das Beste am ganzen Stück.)
Das Patriarchat zentriert sich gerade in einer Flut von unverhältnismäßigen, ritualisierten Maßnahmen, die an religiöse Handlungen erinnern: Verhüllen, schweigen, drin bleiben, nicht widersprechen, Kampf gegen die Natur, Gehorchen, klare Prioritäten (Ego immer ganz oben), Beschwörungsformeln. Erleben wir ein Phänomen des kollektiven Wahns?

Die geliebte Katze,
eine Gefährtin und Freundin seit Jahren,
ist schwerkrank.
Ich wollte, ich könnte schnurren wie sie,
die mich schon durch so viele
schwere Zeiten, auch Krankheiten,
hindurchgeschnurrt hat.
Keine Minute hat sie mich alleingelassen.
Und so bleibe ich auch bei ihr.
Federleicht liegt sie in meinem Arm
und schnurrt.
Kein Schmerzschnurren, sie ist zufrieden,
das kann ich hören und spüren.
Egal, wohin es geht
(gleich gültig),
ich bin bei ihr.
