Morgens, noch während der ersten Tasse Kaffee, klingelt es an der Tür – eine Autofahrerin kann nicht weiterfahren, da eine tote Katze auf der Straße liegt, an der Engstelle direkt am Haus. Ich bin noch im Schlafanzug, der türöffnende Sohn schaut mutig hinaus, niemand von uns. Ich steige in Mantel und Stiefel und wir bergen das kleine Tier, eine bunte Katze, sieht noch jung aus, ist noch warm und weich, es muss gerade erst passiert sein. Die Frau ist genau so erschüttert wie wir, dass da jemand einfach weitergefahren ist. Wir betten die Katze in eine Kiste, ich fahre zum Tierarzt, um den Chip auslesen zu lassen – aber sie hat keinen. Und es gibt leider kein Wunder, sie ist wirklich tot. Also bezahle ich die paar Euro fürs Kremieren. Ihr süßes Gesicht ist mir die ganze Zeit präsent. Nun liegt Jane an meinem linken Ohr und schnurrt, seit Monaten mittlerweile ohne Epilepsietabletten, übrigens, und ich bin immer noch traurig. Straßen. Autos. Raser. Drecksäcke, die nicht anhalten.
Zeit, nicht Datum
in vollen Zügen
Die Bahn, kam heute wieder einmal heraus, bietet die Gelegenheit zum Reisen in magischen, weil völlig unberechenbaren, Räumen, bei etwas ganz Banalem wie einer Hin- und Rückfahrt am Wochenende von Ostfriesland in die Stuttgarter Gegend und zurück.
Im Besitz einer Fahrkarte war ich natürlich, sogar mit Platzreservierung. Auf dem Hinweg mussten alle den defekten Zug verlassen und mit einem anderen weiterfahren, der so voll war, dass jeder mögliche Stehplatz besetzt war. Heute Morgen bekam ich eine Mail, das ist so ein Verspätungsalarmservice: Aufgrund einer Fahrplanänderung gab es meine gebuchte Verbindung nicht mehr (auch keine ähnliche): Wie bei der Hinfahrt auch gab es bei der Nord-Süd-Verbindung einige Zugausfälle, dazu deftige Verspätungen, und so bin ich 2 Stunden früher losgefahren und habe mich über Würzburg, Hannover und Rheine nach Papenburg bewegt. Mit interessanten Unterhaltungen, Beobachtungen, die sich ergeben, wenn so viele Menschen in so vollen Zügen begegnen und versuchen, gemeinsam die Möglichkeiten der Weiterreise herauszufinden. . Immerhin musste ich nicht zwischenübernachten, damit hatte ich schon gerechnet. Wäre mal was für einen kleinen Workshop: „In vollen Zügen genießen“. (Wasser und Walnüsse (o.ä.) sollte man allerdings dabeihaben.)
Schön ist,
dass es so viele Stellen auf der Welt gibt, wo eine denken kann: Schöner geht’s grad nicht. Nun kommt eine kältere, nässere Zeit, mit deren Energie ich mich auch wieder anfreunden will. Und natürlich die dunkle Zeit. Eintauchen, zurückziehen, ausruhen, ins Dunkel tasten, Aussortieren, leichtes Gepäck und warme Decken.

Wetterwende
Das Land hat über Nacht sein Herbstgesicht bekommen.
Regen hat einiges Laub mitgenommen
und die Sommerfarben herbstlich getönt.

Driving home…
Wie lange habe ich aus Angst,
ich könnte keine haben,
das Gefühl „Heimat“ verdrängt.
Zuhause, sagte ich,
fühle ich mich,
oder dass ich wohne
(und ich liebe auch, wo ich wohne,
die Weite unterm Gänseschrei,
das Wollgras im Moor und das nahe Wattenmeer).
Seit der Ostpreußenfahrt vor 7 Jahren
in die Heimat meines Vaters,
die die badische Heimat
meiner Mutter,
mir seit jeher vertraut,
ergänzte,
nehme ich Heimat zu mir
wie Lieblingseiskrem.
(Baccio aus der Eisdiele in Seelbach, natürlich mit vielen Nüssen.)
Und am Wochenende
fahre ich spontan und überraschend
ins Sauerland.
Ins richtige Sauerland,
das Land meiner Kindheit.
Wo die Bäume mich kennen.
Die sprudelnde Freude
überrascht mich selbst.
Bäume. Berge. Bäche. Wälder. Schnörkelloses Fachwerk.
Wie sehr ich es liebe.

Wenn das Patriarchat rülpst.
Schon wieder eine verurteilte Frau, der das Gericht „eigentlich“ recht gegeben haben hätte wollen und sich dann nicht getraut hat.
Drama, Drama
Altweibersommer
Spinnerin, Spinnerin, wo spinn ich meinen Faden hin?
Faden im Gewirk der Welten
aus den ewigen Fingern der Spinnerin
nun auf dem Webstuhl des Kosmos
aus den Fingern der Spinnerin hervorgegangen
ist es nun der eigene Faden
jede webt ihn ein für sich
berührt andere
verursacht Muster und Interferenzen
Knoten und Verwicklungen
und lange Strecken purer Schönheit
knüpft an an vorige Fäden
webt in Vergangenheit und Zukunft hinein
und doch ganz im Jetzt
