der Ausflug ans Meer am 30. Dezember.

der Ausflug ans Meer am 30. Dezember.

Egal, wie wir es rechnen, diese Zeit ist eine besondere. Erinnerungen, Themen, Dinge erscheinen, Verbindungen, das Gefüge (der Welten? des Universums?) lockern sich. Eine Schwellenzeit. Träume können besonders intensiv sein. Da ist es wichtig, sich nicht mit Traditionen, die gar nicht die eigenen sind, befrachten zu lassen.


Ich liebe die Brambly Hedge Geschichten und Bilder von Jill Barklem. Dress in your richest and finest and best – das kann ich ja morgen auch mal machen, da ich im familiären Wäschetohuwabohu meine schwarzen Leggins wiedergefunden habe, die ich zum Kleid anziehen könnte.
Die Rauhnächte sind natürlich eine Zeitspanne, die sich entspinnt, nichts, das sich mit linearen Maßeinheiten messen lässt. In Gesprächen merken wir das, bei der einen sprudelt es, die andere geht in die Stille, eine ist voller Musik, bei anderen wird die Trauer noch stärker, … Wichtig ist es, sich gerade in dieser Zeit auch nicht zwingen zu lassen, nicht die Energie abziehen lassen, sich gut nähren. Auch wenn der ganz kalte Wind, der tiefe Schnee und der scharfe Frost hier meist erst im Januar/Februar ankommen, wenn schon wieder mehr Licht ist.
Wenn eine Todesnachricht mit fast 2 Jahren Verspätung eintrifft, ist das ein verstörendes Erlebnis. Wie können Menschen, die mir wichtig waren, so lange schon tot sein, ohne dass ich es mitbekommen habe? Eine Weggefährtin, die ich seit 2007 immer wieder getroffen habe, ist schon im vorletzten Frühling gestorben. Wir hatten keinen regelmäßigen Kontakt, irgendwie war aber immer klar, wir treffen uns in Stuttgart oder in Rottenburg am Neckar. Sie war eine kluge, wunderbare Frau mit einem ganz präzisen, unbestechlichen Blick auf die Welt, ich sehe uns in Fatima sitzen an diesem patriarchös-katholischen Platz, in der Hitze, die die Kerzen bog, und wir lachten.

Synästhesien im Advent
Wenn Farben und Töne schrill aneinanderprallen und sich mit Fettgeruch und Zuckerwattendunst mischen, ist der Gang unterm Schirm zwischen tropfenden kahlen Bäumen so erholsam. Genau wie Lesen, zusammengerollt im Ohrensessel, vertieft und genüsslich blätternd. Genau wie das abendliche Auswählen eines Hörbuchs mit der Katze.

Vom Bäcker aus ging ich am Blumenladen vorbei, dort hingen, wie in sämtlichen Deko- und Schnickschnackläden, in denen wir am Samstag beim W.-Marktbummel waren, weil es draußen so kalt war, Schilder mit Sprüchen. Entweder sind sie „lustig“ oder „lebensklug“ oder „tröstlich“. Sie sind es in Anführungszeichen, denn natürlich sind sie es nicht. Beispiel gefällig? Dazu bitte den Geruch nach „Schmalzkuchen in Pflanzenfett“, verkohlten Fleischspießen und Glühwein denken.
„Eine Beziehung ist wie eine Wiese. Sie wächst und wächst, bis eine blöde Kuh kommt und alles zerstört.“ (Wer schenkt wem bitte ein solches Schild? Wer lacht darüber? So ein misogyn patriarchöser Mist.)
„Warte nicht auf den perfekten Moment. Nimm Dir den Moment und mache ihn perfekt.“ (Klassische Schuldzuweisung: Bist du unglücklich? Dann behandelst du die armen Momente falsch!)
“ ‚Liebe ist nie ohne Schmerz‘, sagte der Hase und umarmte den Igel.“ (Das enthält so viel Verschwurbelung, Romantifizierung und unerfüllbare Ansprüche, dass zu hoffen ist, sie drucken den Spruch nur auf Holzschilder, damit man wenigstens damit heizen kann.)

Dann tausendmal lieber die unromantische, rohe, radikale Realität mit dem Geruch nach nassem Boden und geschmolzenem Schnee.
Überall in den Medien halten geldgesichtige Krawatten- und Anzugträger riesengroße Schecks in Kameras, deren Kleckerbeträge nie gespendet werden müssten, wenn diese Geldgesichter nicht vorher den Menschen, denen sie die großzügigen Spenden zukommen lassen, das Geld aus den Taschen zögen. „Schweinesystem“ sagt das Känguru. #Patriarchat #Kapitalismus
