
Schnee


Menschen schlafen erschöpft,
die Katzen und Hunde einfach so.
Ich fühle fast die Rosenbüsche ums Haus herum wachsen.
Wintersonne fällt schräg durch die Fenster.
Manche schnarchen.
Ich sitze ganz ruhig
wäre auch fast eingeschlafen
aber nur fast
bin jetzt wach und sitze ganz ruhig
noch einen Moment
einen kleinen Moment.
Dann werde ich aufstehen
und mich strecken
und hinausgehen.
Leise, leise als verließe ich ein Zimmer,
in dem die Kiste mit Schrödingers Katze steht.
Und wenn ich wiederkomme,
schaue ich,
ob die Dornrosen sich für mich teilen,
wenn ich aufs Haus zugehe.
Wenn nicht,
drehe ich mich um und gehe wieder und lasse den Deckel der Kiste zu.


Keine kann sich so verstecken wie Jane.
Hinter Büchern, in Taschen, im Fernsehschrank, einmal hatte sie sogar ein Plätzchen im Sofa mit Einstieg von unten.
Da sitzt sie dann ganz ruhig und behaglich und lässt sich durch Rufen, Rappeln und Suchaktionen nicht beeindrucken.
Irgendwann reckt sie sich und steigt irgendwo aus, wo wir sicher sind, schon fünfmal nachgeschaut zu haben.
Sie schafft sich ihren Raum, ihre Ruhe, ihre Zeit, ihre Behaglichkeit. Klug sind Katzen.

Es ist nach der kurzen frostigen Zeit wieder nass und mild geworden. Ich merke, wie ich olfaktorische Ausschau nach einem Hauch Vorfrühling halte. Viel zu früh natürlich. In der Vase, in die ich gerne frühe Tulpen stelle, bereitet unsere Weihnachtsamaryllis gerade die zweite Blüte vor.
Das Patriarchat hat nicht nur für Ungleichberechtigung gesorgt. Es ist seit dem ersten Gedanken, Land, Tiere und Menschen besitzen, dominieren, sie sich untertan machen zu wollen, in alle Lebensbereiche hineingewachsen und hat neue Bereiche und Lebensweisen nach seinem Bilde geschaffen. Es ist kaum etwas in unserer Lebenswelt geblieben, das noch ist ist wie in der „Zeit vor der Beschneidung“ (Ute Schiran). In den Fällen, in denen die Symptome Theologien und politische Systeme sind, ist relativ leicht erkennbar, wie weit wir dort von der artgerechten Form des menschlichen Lebens entfernt sind. Wo Gewalt herrscht, kann das Patriarchat rasch entlarvt werden. Dass es aber Kunst, Wissenschaft, Philosophie, Sprachen, Musik, Literatur und auch die gegenwärtige Film-, Fernseh- und Spielekultur durchzieht, ist ein Schritt bitterer Erkenntnis, der Entschlossenheit verlangt und Konsequenzen hat, die sich zum Glück (auch wenn es anstrengend ist) ebenfalls auf alle Lebensbereiche erstrecken.


Aus dem offenen Bücherschrank kam eine Erinnerung mir in die Hand gesprungen. Ein Taschenbuch, schmal, weiß, allerdings ein anderes Titelbild. Ich habe es mitgenommen und erst einmal eine Woche auf dem Fensterbrett liegen lassen. Dann heute Abend vorsichtig hineingeschaut. Mit den Worten, die ich immer schon ein, zwei Sätze im Voraus erinnere, kommt die Erinnerung an den Füller, den ich damals hatte, als ich in einer der ersten Gymnasiumsklassen etwas über dieses Buch schreiben musste. Stifte und wie sie sich auf dem Papier anfühlen, prägen sich gut bei mir ein.
Ein Schiff, am Horizont erst klein wie eine Muschel, dann wie eine Möwe mit gefalteten Flügeln. Won-a-pa-lei. Die Insel der blauen Delphine. Die erste Lektüre dieses Buches muss fast 40 Jahre her sein, denn dieses Jahr im Mai gibt es ein Treffen zum 30jährigen Abitur. Crikey.
Meine kleine alte Hündin stapft in ihrem Wollpullover über die frostige Wiese. Die Luft ist so klar und kalt, und weit übers Feld hämmert ein Specht. Drinnen bullert der Holzofen. Morgen sehr früh gibt es eine Mondfinsternis, auch angekündigt als Blut-, Wolfs-, Supermond. Ich werde hoffnungsvoll den Wecker stellen und selbst sehen, welche Empfindungen und Worte sich bei mir einstellen.

Rück, Blick,
rück ab vom Gewohnten, Erwarteten
und wende dich
neu dem Altbekannten zu –
Straßen und Gleisen,
Menschen und Bäumen,
Häusern und Bergen,
grauem Geniesel.
Rück, Blick,
rück ab von Vorgestelltem
und sieh aufs Neue wie zum ersten Mal.


Es regnet und windet, während es in anderen Teilen des Landes stark schneit. Ich denke an Gerdas Erzählung davon, wie sie sich einmal wünschte, in Peñalba eingeschneit zu sein und prompt passierte es. Heute ist übrigens die „Nacht der Wunder“, die letzte der Rauhnächte. Ich zähle die ja nicht wirklich, mag aber diese Perchtennacht sehr, sehr gerne und werde mich nachher noch an ein Vision Board setzen.
Jahresendgesang zur Melodie von „Jetzt fahr’n wir über’n See, über’n See“ zu singen

Ich nehme meinen Raum,
ich halte meinen Raum,
ich fülle meine Räume,
steig auf den Schamaninnenbaum.