Was hat mich in den 80ern so daran fasziniert und später einmal so traurig gemacht? Ich lese es wieder und werde gewiss auch die Serie irgendwo finden. Vielleicht ist es die Titelmusik. Es gibt immer wieder diese Bücher, die faszinieren, obwohl ihr Inhalt schnell wie Wasser durch die Finger vertropft. Der Arzt Gion ist auch so eins.
Ich bin übrigens nach einer richtigen Urlaubswoche wieder zurück in der hiesigen Hitze, was für ein Sommer! Gut gewählt war zB ein ehemaliges Kloster als Aufenthalt, Kirche und Innenhof bieten Kühle bei Bedarf. Dazu ein Badeplatz am Fluss, das malerische Hohenlohe, perfekt. Ein wolkiger Tag wurde im Sauerland zum Wandertag.
(Ok, ich benutze keine Koffer, ich mag Rucksäcke lieber.)
Und packe mein Rassel-Ei ein und meinen Reise-Ahninnentopf. Ein schönes Kleid und Wanderschuhe, diverse Bücher und Notizbücher. Dann ziehe ich eine Karte aus Luisas Göttinnenspiel: Holla.
Erinnerungen sind seltsame Dinger,
sie stupsen dich an wie neckende Finger,
stecken in Filmen *) und springen aus Noten,
aus den Lieblingsgedichten der Toten.
Erinnerungen sind seltsame Sachen,
machen uns weinen und machen uns lachen.
Da lässt ein Duft eine Stimme erklingen
und ein Sommerwind kann Träume bringen.
Erinnerungen sind magisch und wandelbar,
wir können umträumen, was einmal war.
*) Ich schaue gerade „Das Geheimnis der sieben Zifferblätter“, eine Agatha Christie Verfilmung, die ich vor ungefähr 33 Jahren mit meiner Mutter angesehen habe, in der Zeit, als wir begeistert die spannenden oder auch gruseligen Spätfilme in der Freitagnacht schauten.
Ich war gestern mit meinem Vater in einem Freilichtmuseum über die ersten Torfstecher. Es war gut, dass es ein sonniger Sommertag war, sonst hätte es uns noch mehr getroffen. Diese Armut, eine lebensfeindliche Umgebung, in der 10 – 13 Kinder in die Welt gesetzt wurden, die natürlich fast alle starben, fensterlose, nasse, schimmlige Torf- und Heidehütten mit Vieh im selben Raum drängten den Vergleich mit der Steinzeit auf: Viel weniger Kinder, im passenden Rhythmus, kein Festhängen an ungesunden Orten, Zeit und Lust für Kunst und Spiel, angemessene Ernährung… Und dann dieser Rückschritt. (Eigentlich ist es ja gar kein Rückschritt, denn vorher waren die Menschen ja nie in solchen beschissenen Situationen, die hat das Patriarchat erfunden.) Es gab Fotos, wie diese ausgemergelten Leute vor ihren Hütten und in ihren Butzenbetten abgelichtet wurden, traumatisierte Gesichter, die Kinder, so schrecklich, aber wichtig: In jeder Behausung die Bibel. Alle hatten Hunde, damit nicht so viele Kinder als Arbeitskräfte gestohlen wurden (die mussten ja schließlich für die eigenen Eltern schuften).
rechts war der „Stall“ im Haus, links unter dem Kamin eine Feuerstelle, dann ein Tisch mit zwei Bänken und ein Butzenbett, in dem man abwechselnd und im Sitzen schlafen musste, weil natürlich nicht alle ca. 12 Bewohner hineinpassten
Und dass niemand sich einbildet, derzeit wäre es besser! Es ist nur anders.
Schritte auf die Terrasse,
warm besonnt,
über die weiche
(trockene, mit Miniaturschafgarbe
und Klee und Hirtentäschelkraut beblühte)
Wiese gehen
und den Hühnern die Klappe öffnen
„Hast du die Nachrichten mit Seehofer verfolgt?“, werde ich gefragt. „Ich habe den Eindruck, sie verfolgen mich. Und ich versuche, so gut wie möglich auszuweichen.“, antworte ich.
Ich arbeite, wann immer es geht draußen, oft muss es auch draußen sein, beim Gießen und so, schreibe ein bisschen, lese viel, wie immer völlig unerwartete Dinge. Eben habe ich Vergleichslesen der alten und neuen Übersetzungen der Fünf Freunde Abenteuer praktiziert. Sehr spannend. (Quentin ist und bleibt ein Arsch.)
Das war ein Juniabschluss wie aus dem Bilderbuch. Himbeeren, sonnenwarm vom Strauch (geteilt mit den Amseln), viele Gießkannen voll ausgegossen, im warmen Wind Fahrrad gefahren, dem Gemüse beim Wachsen zugeschaut. Und der Himmel den ganzen Tag blau, blau, blau.