Guter Tagesbeginn mit Grünspechtbegegnung.
Guter Tagesbeginn mit Grünspechtbegegnung.
Ich arbeite, wann immer es geht draußen, oft muss es auch draußen sein, beim Gießen und so, schreibe ein bisschen, lese viel, wie immer völlig unerwartete Dinge. Eben habe ich Vergleichslesen der alten und neuen Übersetzungen der Fünf Freunde Abenteuer praktiziert. Sehr spannend. (Quentin ist und bleibt ein Arsch.)

Das war ein Juniabschluss wie aus dem Bilderbuch. Himbeeren, sonnenwarm vom Strauch (geteilt mit den Amseln), viele Gießkannen voll ausgegossen, im warmen Wind Fahrrad gefahren, dem Gemüse beim Wachsen zugeschaut. Und der Himmel den ganzen Tag blau, blau, blau.
Ich bin ja mit vielen Liedermachern und wenigen Liedermacherinnen groß geworden. Heute hörte ich mich vom Rondo Pastorale von Degenhardt, das mir manchmal in den Kopf kommt (und auf die Stimmbänder), wenn ich bei den Hühnern sitze, als wären sie die ganze Welt, bis zur „Ermutigung“ von Biermann. „Du lass dich nicht verbrauchen, gebrauche deine Zeit, du kannst nicht untertauchen, du brauchst uns, und wir brauchen grad deine Heiterkeit. Wir woll’n es nicht verschweigen, in dieser Schweigezeit: Das Grün bricht aus den Zweigen, wir woll’n es allen zeigen, dann wissen sie Bescheid.“ Ach ja, vielleicht doch mal wieder die Gitarre herauskramen.

Heute dunkeln Wolken den Tag
und Hagel springt auf den Wegen;
am längsten Tag stürmt der Wind durch den Hag
und an Fenstern prasselt der Regen.
Mittsommernacht,
Sonnenwende,
Wetter lacht,
Frühjahr zuende.
Der Wind am Wattenmeer,
vor allem am Abend,
trägt den besonderen Geruch mit sich.
Deswegen muss ich am Watt am Abend
immer einen Teil des Weges rückwärts gehen,
um den Wind immer von vorne zu bekommen.
Was ich am Wattenmeer nicht mag,
sind die allgegenwärtigen menschlichen Eingriffe.
Wege, Stege, Hochhäuser, Fischbuden, E-Bikes, die einem um die Ohren zischen,
Bollerwagen, Musikanlagen, Plakate, Beton, Toilettenhäuschen, Frittierfettgestank,
Güllewagen, …
Konzeptfreie Intelligenz ist hier manchmal schwer einstellbar.
Außer abends. Wenn alle stille sind und der Wind von vorne kommt.
(Und wenn ich früh morgens auf dem Rad im leichten Regen Nachtigall und Kuckuck gleichzeitig höre.)
Und natürlich beim Blick in die Wolken. Dort ist sie immer. Wolken blicken völlig konzeptfrei auf unser Treiben. Wie das Meer selbst.

trommelt aufs Dach, während die Katze in meinem Arm schnurrt. Gemütlich.

Schritte im Spiegelkabinett
zwei vor
einen zurück
oder einen vor
drei zurück
oder Sidestep und Chachacha
Ich bin sicher
dass wir weder ferngelenkt werden
noch fremdbestimmt sind
noch dass wir wie der alte Stechlin so wunderbar formuliert
„… immer von neidischen und boshaften Wesen mit Fuchsschwänzen und Fledermausflügeln umstellt sind, und wenn wir renommieren oder sicher tun, dann lachen sie.“
Aber manchmal, manchmal, manchmal, da fühlt es sich so an als wäre es so.
Nach einem friedlichen Abend mit Schwimmen im See und Brunetti Lesen auf der Hollwoodschaukel, nach dem Hühnerstall Zumachen, war ich zufrieden, zuhause und müde.
Nun ist wieder Schlaf „ein scheuer Vogel geworden, schwer zu fangen, zu halten, doch leicht zu morden“
