Dunkel.

Dunkel und früh fällt der Abend
in frostig sonnigen Tag.
Der Ofen ist behaglich,
Mond leuchtet am Himmel,
drin die Dekosterne.
Katzen schnurren auf meiner Schreibarbeit
oder haschen nach der Häkelwolle.
Inseln des Wohlbehagens.

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(Ich denke an euch.
Was kann ein Trost sein,
wenn es so schwer ist?
Was kann aus der Ferne helfen,
mehr als nur Worte sein?
Manchmal helfen Worte,
wehen eine an, unerwartet.
In einem Krankenhaus vor 14 Jahren
blieb der Satz
„Auch durch ein Nadelöhr kann man den Himmel sehen.“
seltsam tröstlich bei mir haften,
in einem Krankenhaus vor einem Jahr
las ich
„Möge der Weg, den du gehst, mit freundlichen Worten gepflastert sein.“
Auch das mochte ich.
Also wehe ich die zwei Sätze weiter.)

 

Vorgarten

Seit schräg gegenüber die wunderbaren, alten Eichen hingemetzelt wurden (die Baumstümpfe stehen anklagend zwischen Haus und Straße), ist mir mein Vorgarten noch viel lieber, die große Kirsche mit den kleinen Früchten, die den Vögeln gehören, die Blutpflaume, der Korkenzieherhasel, Ahorn und Ginster, Zwergwacholder… Und die Vögel mögen ihn auch, den Vorgarten.

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Nahrung.

Zur Zeit habe ich ein großes Verlangen nach Walnüssen. Am Niederrhein hatte ich im Herbst viele gesammelt und sie schmeckten wunderbar. Dann habe ich welche probiert, die aus Kalifornien kommen und im Supermarkt in Tüten verkauft werden. Sie liegen jetzt in der Weihnachtsdeko, da sie nicht so schmecken als seien sie zum Essen gedacht. Auf dem Wochenmarkt kaufte ich Walnüsse aus Frankreich (sehr teuer), die sind fantastisch. Ein Vollkornbrot mit diesen Nüssen dazu ist eine wunderbare Mahlzeit. Dagegen gehen die Bio-Walnüsse aus dem Supermarkt gerade mal eben so als Notlösung.

Bei Haselnüssen ist es ähnlich, die gesammelten gehen zur Neige und nur die vom Markt können sie ersetzen. Übrigens lassen sie sich draußen mit einem Stein besser knacken als mit einem Nussknacker.

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Getrocknete Aprikosen (mit ein paar bitteren Kernen dazu) mag ich auch gerade sehr gern. Warum im Supermarkt allerdings 6 verschiedene Sorten geschwefelte Aprikosen angeboten werden und (sehr gut versteckt) nur eine ungeschwefelte, ist mir ein Rätsel.

 

 

Spiegel.

Wer bin ich, wenn ich mich nicht spiegele?
Nicht in den Gesichtern und den Urteilen anderer?

Was trägt mich, was nährt mich, was stärkt mich?
Was möchte ich essen und trinken?

Welche Stoffe will ich auf der Haut spüren?
Welchen Weg will ich beim Wandern wählen?

November, sanfte Zeit
der Rückkehr in mein eigenes Haus,
mein bewußtes Sein,
Gelegenheit zu Mauser und zum Stillesein.

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Regenbogen

Um den See gegangen, Schafgarbe getroffen, mich zwischen die Birken gestellt und geerdet, da kam der Regenbogen.

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Ich konnte ganz lange unter ihm dahingehen, und dann war auf dem Asphalt noch ein Regenbogenmandala („in den Pfützen schwimmt Benzin, schillernd wie ein Regenbogen“ – Gerda fiel mir ein. Liebe Gerda.)

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Wanderer

Selten, selten dass ich beim Gehen Musik höre. Heute war es mal Joan Baez, I am a wanderer.

Gespräch mit der blühenden Nessel, das blasse Gold im Laub und bei den Eichen auch noch grün (während ich um den See laufe, metzeln in der Nachbarschaft Leute ihre 5 großen Eichen im Vorgarten zu beschnittenen Stümpfen, und ob sie die stehen lassen, weiß ich nicht), Teichhühner spazieren auf den Wegen und Amseln lassen mich dicht an sich vorübergehen. Friedlich ist es hier. „Three steps and back in my corner of hell.“ Trotzdem friedlich und wunderschön. Im ganz Kleinen und im ganz Großen finden wir immer die Unendlichkeit, Grenzen scheinen eher so mittel zu sein.

Na endlich.

Die Mauser ist fast vorbei. Die Hennen sind wieder energiegeladen, neugierig, trittsicher und zauberhaft hübsch.

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Dass sie in der Mauser nicht legen und nicht so aktiv sind, nicht produktiv und nicht kontaktfreudig, erinnert mich daran, dass wir auch solche Zeiten haben. Haben dürfen und wohl auch haben müssen. Die Zeit der Mauser, die Zeit im Kokon, um zu ruhen, zu reifen, zu werden und vor allem, um zu sein.

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November

Blasses Blättergold

tropft aus den Bäumen

in feuchtes Gras

ich knacke Haselnüsse

mit einem Stein

und schmecke Herbst

Topinamburstengel

stehen schwarz

und verraten nichts von den vielen Knollen

die in der Erde warten

der Himmel

gehört den Krähen.

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Du.

Wische hinweg

die Regeln und Anweisungen

die dich verwirren

geh den Weg

den niemand für dich sehen kann

außer dir

Fürchte dich –

deine eigene Furcht

und geh auf deine Art hindurch –

die Ängste anderer zu überwinden

macht weder mutig noch froh

Freue dich –

deine eigene Freude

ganz deins

und träume für dich.

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