


„Von Sonn‘ und Welten weiß ich nichts zu sagen,
Ich sehe nur, wie sich die Menschen plagen.
Der kleine Gott der Welt bleibt stets von gleichem Schlag,
Und ist so wunderlich als wie am ersten Tag.
Ein wenig besser würd er leben,
Hättst du ihm nicht den Schein des Himmelslichts gegeben;
Er nennt’s Vernunft und braucht’s allein,
Nur tierischer als jedes Tier zu sein.
Er scheint mir, mit Verlaub von euer Gnaden,
Wie eine der langbeinigen Zikaden,
Die immer fliegt und fliegend springt
Und gleich im Gras ihr altes Liedchen singt;
Und läg er nur noch immer in dem Grase!
In jeden Quark begräbt er seine Nase.“
(Wer das sagt, wisst ihr alle, ja? Der Prolog ist überhaupt das Beste am ganzen Stück.)
Das Patriarchat zentriert sich gerade in einer Flut von unverhältnismäßigen, ritualisierten Maßnahmen, die an religiöse Handlungen erinnern: Verhüllen, schweigen, drin bleiben, nicht widersprechen, Kampf gegen die Natur, Gehorchen, klare Prioritäten (Ego immer ganz oben), Beschwörungsformeln. Erleben wir ein Phänomen des kollektiven Wahns?

Die geliebte Katze,
eine Gefährtin und Freundin seit Jahren,
ist schwerkrank.
Ich wollte, ich könnte schnurren wie sie,
die mich schon durch so viele
schwere Zeiten, auch Krankheiten,
hindurchgeschnurrt hat.
Keine Minute hat sie mich alleingelassen.
Und so bleibe ich auch bei ihr.
Federleicht liegt sie in meinem Arm
und schnurrt.
Kein Schmerzschnurren, sie ist zufrieden,
das kann ich hören und spüren.
Egal, wohin es geht
(gleich gültig),
ich bin bei ihr.

Heute ganz ländlich sittliches Tun, ich verhäkele meine Wollreste an ein vor Jahren begonnenes Schultertuch (und muss an Sprengkommando Atlantik denken – „Darf ich fragen, Mr. ffolkes, wie lange Sie schon daran arbeiten?“ „17 Jahre, ich hab’s nicht eilig, damit fertigzuwerden..“ „Finden Sie die Stickerei entspannend?“ „Außerordentlich langweilig, aber sie hilft mir beim Denken, vorausgesetzt, dass mich niemand anspricht.“) . Dabei sitze ich in der Sonne und höre „Der talentierte Mr. Ripley“, später schaue ich mit meinem ältesten Sohn den Uraltzeichentrickfilm „Lord of the Rings“ von 1978, der seltsamerweise nach der Schlacht von Helms Klamm abrupt endet.

Oder: patriarchatsgemachte Probleme (und das sind so gut wie alle) lassen sich nicht mit patriarchalen Mitteln und Strategien lösen.
Ent-täuschende Tage sind diese.
Außer Natur und unserer Verbindung zu ihr, unserer Ahnbindung, kann nichts uns helfen und trösten und heilen.

I hate love the dreadful lovely hollow behind the little wood;
(Tennyson, quoted by Hercule Poirot in Agatha Christie’s the Hollow)
April 2020:
Variation über ein frommes Thema:
„Gib mir die Ineffizienz, das zu fürchten, das ich nicht ändern kann,
die Borniertheit, die Augen vor dem zu verschließen, was ich ändern könnte
und die Entschlossenheit, alles zu glauben, was mir einer vorkaut.“
Es ist gerade wie bei einem Autoscooter, bei dem der Rückwärtsgang in allen Boxautos kaputt ist: Nun hängen sie alle in der Mitte und geben Vollgas. Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, die mit Verschwörungsideen und die verzweifelten Vernünftigen; ab und zu will jemand für alle beten, ein furchtbares Gewusel, während sonst ganz viel stagniert.
Ich frage mich, seit die „Krise“ begonnen hat:
Warum dürfen Menschen an allem möglichen sterben, nur nicht an Corona?
Wir dürfen auf der Autobahn sterben (Freie Fahrt für freie Bürger), in Kriegen (die Waffenindustrie wird nicht gestoppt, scheint nicht so gefährlich zu sein wie ein Besuch im örtlichen Buchladen) und auf der Flucht vor Krieg, Hunger und bitterer Not, an Chemotherapie (Pharmalobby blüht), an „Beziehungstaten“, an „Sexkauf“ (das älteste Gewerbe der Welt, das muss doch erlaubt sein – abgesehen davon, dass das älteste „Gewerbe“ das der Hebamme ist), an Krankheiten, die Missionare in entlegene Weltgegenden tragen, ebenso an Krankheiten, die Reisende sich in fernen Ländern einfangen oder die Mücken und Zecken mit dem Klimawandel transportieren (die sich wegen des Klimawandels sorgen, wurden übrigens in der letzten Zeit sehr ausdauernd und hässlich von u.a. denen ausgelacht und diffamiert, die jetzt mit Gummihandschuhen und Mundschutz Klopapier hamstern und denken, sie sind HeldInnen), an Strahlung (Atomkraft und -macht ist immer noch in), an Gift auf den Feldern, im Essen, Missbrauch (haben sie doch wieder einen Kirchenmann freigelassen), an multiresistenten Keimen (ups, wirken die Antibiotika gar nicht so toll, woran könnte es liegen?), Dekubitus, Feinstaub, Asbest, verpestetem Trinkwasser, Genitalverstümmelung, …. Diese Liste ist natürlich leider sehr leicht fortzusetzen.
Wenn ich das sage, kommt bestimmt eine(r) und sagt: Ja, aber Corona kommt ja noch dazu. (Super. Und während alle sich einschließen und vorauseilend ängstlich und gehorsam sind, machen die Mächtigen sich bestimmt daran und lösen die oben genannten Probleme und wenn der Lockdown beendet ist, finden wir uns alle im Weltfrieden.)
Ja, dann KOMMT Corona halt noch dazu. Und sicher noch andere Krankheiten im Laufe der Zeit. Werden dann immer alle weggeschlossen? Und wenn keine Pandemie ist, gehen alle wieder auf die Kreuzfahrtschiffe, wird weiter der Regenwald abgeholzt, ohne dass es weltweite Proteste gibt, werden weiter gefolterte Schweine an schönen Sommerabenden von fröhlichen schlagerhörenden Gruppen gegrillt und die rumänischen Spargelstecher und sämtliche Pflegekräfte unterbezahlt etc. etc.
Wie wäre es denn, mal ein paar der Dinge, wie wir noch ändern können, wirksam anzugehen?
Und für die, die denken, ich sei eine mit Aluhut: Ich bin aktive Patriarchatskritikerin und habe somit keine kruden Theorien nötig – der Umgang mit der Natur und allem, was dazu gehört, verursacht seit ca. 6.500 Jahren und seit der Industrialisierung exponentiell (das Wort mögt ihr doch gerade alle so gern) zunehmend katastrophale Dinge (mit „peaks“ wie der Inquisition), da ist eigentlich ein mutiertes Virus, das den Wirt wechselt, nicht so spektakulär. Ich finde normale Hygiene richtig gut und finde, sie sollte allen auf der ganzen Erde ermöglicht werden (und wenn „etwas rum“ ist, mache ich das mit dem Abstand, nicht alles angrabbeln, Kontakte reduzieren usw. sowieso, weil ich weder bewusst angesteckt werden will noch jemanden anstecken), ich schätze das Grundgesetz und bin erschüttert über den protestlosen Rückbau der Rechte. Ich bin erschüttert über mit Flatterband eingewickelte Altenheime, aus denen die Menschen nicht mehr hinausdürfen, auch nicht auf eigenes Risiko, denen Luft Licht, Bewegung und der lebensnotwendige menschliche Kontakt genommen wird. Wer das als Schutz bezeichnet, muss sich gefallen lassen, dass ihm ein heuchlerisches Geschmäckle anhaften könnte.
Dagegen die Worte von Ute Manan Schiran:
Nur von der Erde nehm’ ich
noch Weisheit an:
von den Flüssen und Bächen,
vom Wind und von dem, was die Wolken
künden.
(aus Mermaid und Lilith begegnen einander in Dunkelheiten, Schicht III)
Green, Green is My Sister’s House
(from A Thousand Mornings )
by Mary Oliver
Don’t you dare climb that tree
or even try, they said, or you will be
sent way to the hospital of the
very foolish, if not the other one.
And I suppose, considering my age,
it was fair advice.
But the tree is a sister to me, she
lives alone in a green cottage
high in the air and I know what
would happen, she’d clap her green hands,
she’d shake her green hair, she’d
welcome me. Truly.
I try to be good but sometimes
a person just has to break out and
act like the wild and springy thing
one used to be. It’s impossible not
to remember wild and not want to go back. So
if someday you can’t find me you might
look into that tree or—of course
it’s possible—under it.

Und das schöne Wetter.
verdichtet sich das Gefühl, versehentlich in ein noch beknackteres Paralleluniversum geraten zu sein.
Heute war ein Tag, an dem ich mehr geredet habe als in den letzten 2 Wochen. Ich war im Büro, habe an einem Hagtalk von Sabine Kapfer teilgenommen (www.lebensausdruck.ch), lange mit meiner lieben Freundin Anna telefoniert und hatte dann noch einen Telefontermin. Jetzt bin ich ganz in der Ruhe mit diversen Katzen – Jane (liegt auf meinem linken Arm), Freya (liegt neben uns) und Mikesch (liegt an meinen Füßen).
„Was du brauchst, kannst du rufen, und was du rufst, kommt.“ (Luisa Francia)
Eine Art des Rufens ist auch das Vision Board, hier ein Bild von Inge Löök, das auf meinem Vision Board klebt, das an der Pinwand an meinem Schreibtisch hängt.

Wir machen ja eh gerade auf allem Musik, was uns in die Hände fällt, Okarina, Gitarre, Akkordeon, Bambusflöte, … und eben traf ich die Mundharmonika meiner Mutter, die sie schon von ihrer Mutter bekommen hatte. Schwupp, an den Mund gesetzt und geschaut, gehört, was als erstes herauskommt. Ihr glaubt es nicht: „Hohe Tannen weisen die Sterne“, ein Pfadfinderlied, das meine Mutter als Mädchen gelernt und mir vorgesungen und -gespielt hat, als ich ein Kind war. „Höre, Rübezahl, was wir klagen, Volk und Heimat, die sind nicht mehr frei…“

Zu einem zweiten Lied kam ich nicht, weil Jane entschieden dagegen war und mir heftig miauend die Mundharmonika aus der Hand puffte.