A cat may look at a king.

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Ich sitze (als Begleitung zu einem gefürchteten Termin) schreibend im Wartezimmer, es ist bis auf einen Stuhl gefüllt, alles schweigt, seit wir vor einer halben Stunde gekommen sind (pünktlich, wie bestellt), wurde niemand aufgerufen. Eine Wartende vermutet, „der Doktor sei noch gar nicht da, sein Auto habe nicht auf dem Parkplatz vor der Praxis gestanden“. Ich hebe den Kopf und sage: „Mich inspiriert das gerade zu einem Text über die Auswirkungen des Wartens in Wartezimmern auf die wartenden Menschen, ich bin schon auf Seite 5.“ Das Schweigen ist beendet, die Gesichter werden lebendig, jede sagt etwas. 

  • Totale Unpünktlichkeit zu akzeptieren, da es keine Wahl gibt (in dieser Praxis gibt es noch einen Arzt, der aber hat den Ruf, den das gesamte Wartezimmer bestätigt, und ich höre es nicht zum ersten Mal, seine Patientinnen anzuschreien, zu verängstigen, beim Gespräch nicht anzuschauen, deshalb wechseln sie, wenn es geht, zu dem anderen, der sich heute lässig 40 Minuten verspätet – ohne Wort des Bedauerns oder der Erklärung, ohne eine Chance, in der Wartezeit noch einen Kaffee trinken zu gehen oder einen kleinen Spaziergang zu machen, die Leute sollen einfach still sitzen bleiben und tun es auch – schlimmer als bei der Bahn).
  • Aufgezwungenes Radioprogramm (hier und heute zum Glück nicht, sonst ganz oft und für Sensible und Hochsensible eine Folter, gerade, wenn wir versuchen wollen, uns vor einer Behandlung z.B. bei der Zahnärztin zu entspannen).
  • Trash-Zeitschriften – wer nichts Eigenes zum Lesen mitbringt, wird durch diesen Schund noch mehr heruntergezogen.
  • Herumsitzen bei erheblichem Ansteckungsrisiko (vor allem bei Allgemeinärzten – „Komm mit Halsweh, geh mit Noro“ oder so).
  • Viele warten mit Angst vor dem Termin, diese Angst bewegt sich in der Bandbreite „Angst vor der Diagnose“, „Angst vor der Behandlung“ bis zu „Angst, vom Arzt / der Ärztin“ (hier scheint die männliche Form wirklich angebrachter zu sein).

Diese Wartesituation unter den genannten Bedingungen kann nicht gesundheitsfördernd sein. Ich bin hier als Begleitung und habe mich, weil ich die Praxis kenne, mit Rufen und Imaginieren gewappnet, bin gut aufgestellt. Was würde diese Situation sonst in mir hervorrufen? Eine brodelnde Mischung aus Wut und Verzweiflung. Wäre ich nicht zur Unterstützung hier, ich wäre wieder gegangen. So ging ich dann mit hinein, mit 45 Minuten Verspätung, to look at „the king“ for 10 minutes… (it wasn’t impressive).

 

Bin ich wirklich so gläsern?

Solange mir Werbung angezeigt wird für

super deckenden Concealer

Kleider für sehr dicke Frauen

High Heels

Faltenpflaster

Hyaluronsäureinjektionen (der ist besonders witzig 😉 )

Enthaarungsgeräte

KANN ich nicht glauben, dass es schon alles so funktioniert, wie es funktionieren soll. Kleine Beruhigung des Tages.

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Klüger werden die Leute leider auch nicht so merkbar. 

Es ist schon lang,

es ist schon lang, es ist schon lange her….

Ich habe in meinen Unterlagen nach etwas ganz anderem gesucht und die Fotos von Kos gefunden. 8 Jahre ist es her, 8 Jahre und 3 Monate, seit wir in einem griechischen Wäldchen diese Schildkröte trafen. Ich stelle mir vor, wie sie weiter dort lebt, kaum älter geworden ist, bei Schildkröten geht das langsam, und wie sie sich wahrscheinlich nie an die flüchtigen Menschenwesen erinnert, die ein flüchtiges Picknick in ihrem Revier hielten und sich dabei so wichtig nahmen.

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Luisa Francia schreibt heute in ihrem Blog „Es ist doch so: die politiker reden jetzt alle über klimaschutz und naturschutz, aber jeder kleine dorfbürgermeister kann die natur fast beliebig zubetonieren, ohne dass jemand wie söder, der neue „grüne“, mit der wimper zuckt. Wer getreide für eine biogasanlage anbaut ist für mich gar kein bauer, den es zu schützen oder gar zu unterstützen gilt, der ist ein industrieller, ein nahrungsvernichter.“ Ja, so ist es leider wirklich. Auch die, die Tiere in diesen Folter-Mastanstalten halten, die diese tierquälerische Milchwirtschaft betreiben, sind nicht schützens- und subventionierenswert, sondern müssten im Gegenteil solange Strafe zahlen, bis sie komplett auf artgerechte Haltung umgestellt haben. Wer alle alten Bäume an den Fehnkanälen abholzen lässt, um das historische Bild wieder herzustellen, ist dumm, denn „historisch“ wurden an diesen Kanälen Boote gezogen, das macht heute kein Mensch mehr, da können teilweise nicht einmal mehr Paddelboote fahren. Da merken wir wieder, wie die Leute auf bestimmte Begriffe hereinfallen: „Bauer“ oder „Landwirt“ ist fast so heilig wie „Arzt“ (wie sagt der Riesenvater in der Ballade: „Denn wäre nicht der Bauer, so hättest du kein Brot!“), „historisch“ oder „klassisch“ kommt gleich hinter „heilig“ und „Tradition“ oder „Brauchtum“ noch kurz davor.

Ich gehe jetzt in den Sommermorgen hinaus, mache den Hühnerstall sauber und gieße die Tomaten. Kontrapunkte.

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Morgengeträume

Der Hund jault mich um 5.30 Uhr raus, ich laufe durchs feuchte Gras unter dem zarthellem Morgenhimmel. Lege mich dann wieder hin und schaffe es, noch einmal einzuschlafen und träume. Diese Morgenträume sind immer sehr lebendig, bunt und kraus. Heute defiliert eine katholische Prozession an mir vorbei, in leuchtenden Farben in verschiedenste Gewänder gekleidete Menschen jeden Alters. Als ich schon das Lila am Ende des Zuges sehen kann, drehen sie um, ich laufe schnell an ihnen vorbei, um mir alles anzuschauen. Szenenwechsel. In irgendeinem Raum ist Chaos, jemand schreit mich an, auf einem Tablett liegen Sachen, die auf keinen Fall umfallen dürfen. Er packt das Tablett und will es nach draußen stellen, dabei fällt es ihm aus der Hand und was immer nicht kippen durfte, ergießt sich über das ganze Tablett, ein Notizbuch kann ich gerade noch retten, dann sitzen wir irgendwie in diesem Getrümmsel, das nicht alles von dem Tablett heruntergefallen sein kann. Er schreit: „Was ist jetzt mit deinem blöden Drüberbleiben?“. Ich merke, wie ich mich verbinde. Der Schritt zurück, die Vogelperspektive, das Drüberbleiben, das sich und alles nicht so wichtig Nehmen. Sitze im Chaos und spüre Seligkeit. „Danke fürs Erinnern.“, sage ich. Szenenwechsel. Ich gehe einen langen Flur entlang, Spielzeug liegt verstreut, ich hebe einen Würfel auf, größer als üblich, fühlt sich an wie aus Kunstharz, leuchtet ein bißchen. Ich kullere ihn mit Schwung den ganzen Flur hinauf und als ich ihn wieder erreiche, leuchtet oben die Sechs. Und dann begegne ich noch einer Fuchsfamilie, einer schönen, großen Füchsin mit ihren Kindern.

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Peñalba, hier haben wir das Drüberbleiben geübt, danke Gerda. 

heißer Tag

Wir sind gepaddelt,
in der Mittagssonne
zwischen Schlammbänken
auf stillem Wasser,
eine Weile begleitet uns eine Ente.
Keine Kamera dabei,
kein Handy.
Nicht knipsen,
schauen und hören und merken,
das Geräusch der Paddel,
leichten Wind im Gesicht,
Wasserspritzer auf meinen Beinen,
die Brise, die das Mädesüß bewegt,
den Sommerduft.
Ein Tag wie ein Geschenk.
Du und ich, endlich wieder mal.

Vela.

Vor 14 Jahren und 2 Monaten lebte ich mit einer sich gerade gründenden Praxis, einem 100 Stunden die Woche arbeitenden Mann, 3 Kindern (1,3,4 Jahre alt) und zwei tiefentspannten Katzen und beschloss, eine Hündin würde dieses Bild prima abrunden. Also fuhr ich zu einer Pflegestelle eines Tierheims, die mir versichert hatte, diese Hündin sei kinderlieb, katzenverträglich, führe gerne Auto und sei stubenrein. Ich nehme an, „kinderlieb“ hat nur gestimmt, weil meine Kinder extrem tierverträglich sind. Es war alles gelogen. Vela hat im Auto gekotzt und geschäumt wie verrückt, bis wir Merlin bekamen und sie merkte, dass es Hunde gibt, die gerne Auto fahren. Sie biss als erstes den Kater in den Schwanz, so dass ich mit den Kindern im Schlepptau zum Tierarzt fahren musste (natürlich saß im Wartezimmer der eine Spaßvogel, der immer da sitzt und sagte: „Hier ist aber kein Kinderarzt.“) Und stubenrein war, sie, nachdem ich 6 Wochen lang mit ihr alle 2 Stunden, Tag und Nacht, rausgegangen bin, wie mit einem Welpen. So habe ich zum erstem Mal im Leben wirklich ausgiebig einer Nachtigall zuhören können. Vela hat mich durch schwierige Zeiten begleitet. Wir waren wandern und schwimmen, wir trafen Hunde und Menschen. Wir lernten. Wir kuschelten. Sie lernte, die Katzen (und dann noch weitere) zu tolerieren. Sie fuhr in Urlaub und schwamm in der Ostsee, nachdem sie 4 Jahre lang komplett wasserscheu gewesen war, sie hatte Freunde und schlief jahrelang im Kinderzimmer in einem Hochbett. In den Alpen machte ich ihre Leine ab, um eines der Kinder anzuseilen. Meist war sie, wenn ich mich nach ihr umschaute, unmittelbar neben oder hinter mir unterwegs. Junge, ungestüme Hunde mochte sie nicht. Nur Merlin. Als ich beschlossen hatte, ihn zu uns zu holen, war Vela schon ungefähr 9 Jahre alt. Das Tierheim wollte, dass wir alle kommen, um ihn kennenzulernen. Vela ging in das abgezäunte Stück mit Baby-Merlin und gab ihr OK. Da stieg er mit uns ins Auto und seitdem wurde Vela beim Autofahren nicht mehr übel. 8 Jahre lang, bis heute, war sie Merlins Respektsperson, und er war überwältigt, wenn sie mit ihm spielen wollte. Jetzt kommt er und wuschelt seinen dicken Kopf an mich heran und will mich trösten. Er ist vielleicht ein Kindskopf aber kein dummer Hund. Heute Mittag ließen wir Vela gehen. Seltsamerweise kann ich bei Tieren diesen Quatsch von der Regenbogenbrücke total annehmen und mir vorstellen, wie Vela am anderen Ende Hillu und Oskar trifft („Ach, die schon wieder!“) und York, mit dem sie gleich wieder spielt. Sie wollte nie etwas, das sie apportiert hatte, freiwillig hergeben, ließ sich aber von den Kindern das Futter mit der Hand geben, auch als sie noch ganz klein waren. Sie mochte keine fremden Männer und liebte meine Freundinnen. Wenn die Pflegestelle nicht auch da gelogen hat, kam sie aus Spanien und hatte ein, zwei Jahre auf der Straße gelebt. Sie war eine sehr große, kleine Hündin. Und ich muss viel mehr weinen als ich erwartet hätte.

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Vela und ich 2006