Durchatmen.

Es war gut, dass ich für ein paar Tage ins Sauerland gefahren bin. Dort haben sie mich wenigstens mit Luther in Ruhe gelassen, und von Halloween war auch nicht viel zu merken. Abends versuchte ich, mich einmal durch die Fernsehprogramme zu zappen, aber es kam auf 3 Kanälen ein Film über Luther. Also habe ich den Stick mit „Rio Bravo“ drauf ins Macbook gesteckt und die Ahninnennacht mit John Wayne beschlossen.

Vorher hatten wir etwas orakelt*), ich bin, wie in den Tagen zuvor weit und lang im Wald gewesen und habe mich meinen eigenen Gespenstern gestellt, die in mir Trauerwellen auslösten und Erinnerungen, die nach oben stiegen wie Faulgasblasen in moorigen Gewässern. Vieles wollte angeschaut werden und dann losgelassen. Und zugleich ging ich genießend und schauend und entzückt durch den Herbstwald, am Herbstsee entlang, der Himmel voller Kraniche über mir.

Das ist für mich die Anbindung an das Leben, an die Erde, den Kosmos, an all das, was ich als Mutter fühle, und es hat nichts, aber auch gar nichts mit Theologien, Gurus oder irgendwelchen gemachten Regeln zu tun. Es ist Schritt für Schritt mein Weg. In einigen Gesprächen haben wir etliche Frauenlebenswege aus unseren Familien, vor allem die der Mutterlinie, beleuchtet und viel Leid dabei erinnert – Leid, dass ohne das Patriarchat nicht stattgefunden hätte.

*) orakeln sehe ich als Spiel mit Möglichkeiten, als Anregung, Brainstorming, Eröffnen anderer Perspektiven, als eine der Arten, wieder in die Kraft, die Magie, die Macht zu kommen, die manchmal von alltäglichen Sorgen und Erledigungen übertönt werden, eine Erinnerung an die wichtigen Elemente des Lebens – eine Rück-an-bindung.

sinkendes Jahr

Auflösen der Form

Hervortreten der Strukturen

Sanfter Moderduft nach Pilzen und Laub am Boden

blasses Gold und immer noch kräftiges Grün und Rot

Kraniche am Himmel

meine Schritte unter erst Sonne und schon unversehens Mondin

das ist Ende Oktober

und das ist eine kleine Reise in eine Art Heimat

 

Räume

Es ist wichtig, eine Tür hinter sich zumachen zu können, ungestört und ruhig arbeiten, lesen, meditieren oder einfach nur sein zu können. Wir haben einen Mischraum eingerichtet: Unser Musik-, Lese-, Arbeits- und Gästinnenzimmer. Wer darinnen ist, wird in Ruhe gelassen, das funktioniert wunderbar.

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Abends ist es meistens meins. Die Bücher, die hier stehen, sind auch eine Mischung: Aus Kinderbüchern, Fachliteratur, Reise- und Campingführern, an der Pinwand hängt u.a. ein Foto meiner Mutter (lachend im Wald, wo wir so viel Zeit miteinander verbracht haben) und eines von Rowena Cade (weißhaarig, lesend in einer Schubkarre, sie ist die Frau, die das Minack Theatre in Cornwall gebaut hat). Außerdem sind viele Stifte und Zeichenblöcke in diesem Zimmer.

Gott, die Mutter – meine Sicht auf Rückanbindung/Religio(n)

Nachdem nun, nach der Veröffentlichung der Herstory/History Seite, wenn auch milder als erwartet, die Differenzen zwischen verschiedenen matrifokalitätsforschenden Gruppen auftreten, möchte ich meine Position einmal für mich und für andere schriftlich erarbeiten.
Zuerst musste ich herausfinden, was überhaupt passiert, woran die Differenzen sich entzünden. Dabei hat mein Sohn mir geholfen, der direkt auf dieselben Punkte zielte. Dort scheint also das Potential der Missverständnisse zu sitzen. Ihm habe ich empfohlen, erst einmal die komplette Website durchzulesen (die ja schon Konzentrat aus viel mehr Material und Informationen darstellt), um dann von dem Wissensstand aus weiterzudiskutieren. Vordergründig ging es um die Diskrepanz Matriarchat/Matrifokalität und die Frage, ob es denn mit „Frauen an der Macht“, die sich so benähmen wie die Männer jetzt, „besser“ sei. Das sind Punkte, sie sich allein über Information klären lassen.
Es war allerdings noch mehr daran: Aus „der Gott“ nun „Gott, die Mutter“ zu machen, sagte mein Sohn, sei ja nur das Ersetzen des einen (Übels oder Irrtums) durch das andere. Wo ist da der Hebelpunkt? Warum ist für mich und für viele andere direkt sonnenklar, dass es das nicht ist, noch nicht einmal ähnlich, während es für andere eine Art neue Bedrohung nur in einer anderen Farbe oder Geschmacksrichtung darstellt? Für mich ist Religion im Sinne von Machtkonstruktion-Theologie ein rotes Tuch. Ich hafte aber weder an dem Begriff „Religion“ noch an dem Begriff „Gott“ mit negativen Besetzungen, das habe ich schon vor langer Zeit in ganz anderen Zusammenhängen bearbeiten und beiseitelegen können, zum Glück, da es für mich extrem traumatisch besetzte Begriffe waren. Ich weiß auch (und neige manchmal selbst dazu), wie leicht es ist, intellektualisierend und sich an Worten aufhängend und entlanghangelnd, eine Diskussion, die auf tieferer, wertschätzender Ebene geführt gehört, die auch verbale und sonstige Unterschiede und Unschärfen verzeiht, auf ein anderes Gleis zu bugsieren. Das kann Spaß machen und nach einem Spiel mit Gewinnerinnen aussehen, verhindert aber die wirkliche, intime Annäherung aneinander und an das Thema. Worte sind wirklich oft nur Wegweiser und werden immer mit unterschiedlichen Definitionen, die uns manchmal selbst nicht klar sind, sondern zum großen Teil gefühlt werden, verwendet. Es kostet Überwindung, sich davon zu befreien und einander zuzugestehen, die Begriffe erst einmal als frei im Raum schwebend, als gewissermaßen aus dem üblichen Verwendungszweck und Kontext losgelöst zu betrachten. Es erfordert auch die Bereitschaft, bei Begriffen, die uns triggern (und gerade das Wortfeld rund um „Gott“ ist voll davon) innezuhalten, nochmal zu atmen, nachzufragen und auch da den wertneutralen Ansatz beizubehalten: Das Wort, egal wie schlimm es empfunden wird, als Instrument in einem Entwicklungsprozess zu sehen und zu benutzen, es nicht als gegen uns gerichtete Waffe oder Spitze zu bewerten.
Ich sollte noch voranstellen, dass (obwohl ich Sprache und präzise Ausdrucksweise liebe) mir Begriffe kein Dogma sind. Gott und Göttin grenzt sich für mich nicht dermaßen scharf ab, dass ich denke, es sei ein Problem, an dem wir hängenbleiben sollten. Zumindest nicht in diesen wesentlichen Anfängen und Entwicklungsschritten, gewissermaßen ein Problem für später, wenn die Grundlagen geklärt sind. Ich persönlich empfinde es passend und folgerichtig, dass nicht dem Gott (also dem männlichen, dem, den wir aufgedrückt bekommen hatten, sei es als Glaubenszwang oder als irgendein Kulturgut) die Göttin (also ein aus ihm abgeleiteter Zusatz) gegenüber- oder zur Seite gestellt wird, sondern dass „Gott“ als das von Menschen empfundene Prinzip eben von Grund auf Mutter ist. Andererseits stört es mich nicht, wenn einer das Wort Göttin lieber ist und sie dies als ursprünglich empfinden kann, ohne sich von der Ableitung von „der Gott“ stören zu lassen, vielleicht kann ein „Grüß Göttin“ auch bei manchen zum ersten Denkprozess führen. Ebenso habe ich, da bin ich mir mit Luisa Francia sehr einig, keinerlei Probleme damit, die verschiedenen Göttinnen aus allen möglichen Zeiten und Kulturen als einen vielfältigen Strauß der Aspekte und Möglichkeiten zu betrachten, zu rufen und auch Kontakt mit ihnen, mit diesen Aspekten und den Bildern und Eigenschaften, die ich mit ihnen verbinde und die mir hilfreich sein können, zu knüpfen. Da sind mir Göttinnen, Helferwesen, Helfertiere, Elemente, Himmelsrichtungen, Farben, Klänge und vieles mehr gleichwertig und Hilfe in meinem menschlichen Verstehen und meinen menschlichen Bedürfnissen.
Eines der menschlichen Bedürfnisse ist das, sich ein Gegenüber zu schaffen. Deshalb funktionieren Trance- und Traumreisen so gut, in denen Helferinnen erscheinen. Wir reden gerne mit anderen, ob materiell oder auf anderen Ebenen. Vielleicht glauben wir uns nicht so einfach, dass wirklich all diese Weisheit aus uns selbst aufsteigt. Oder es ist einfach praktisch, kommt unserer Hirnstruktur und unserer Psyche entgegen.
Nun aber zur Religio, zur Rückanbindung: Wenn ich mir die Frühzeit vorstelle; alles, was ich weiß, erfahre ich aus dem, was ich erlebe, an den mich umgebenden Menschen, Tieren, der ganzen Natur und diesem wunderbaren, unfassbaren Kosmos, der alles umgibt. Was leite ich dann ab? Was bespreche und interpretiere ich mit anderen daraus? Was sehe ich und wie setze ich meine Schlußfolgerungen um? Ich finde es ungemein und zwingend logisch, dass aus diesen Beobachtungen Gott/Mutter folgt. Menschen werden von Frauen geboren. Tiere werden von Tiermüttern geboren. Pflanzen kommen aus Samen. Mond und Sterne, Ebbe und Flut, die Jahreszeiten bewegen sich zyklisch in immer wiederkehrenden Rhythmen, ebenso Leben und Tod. Wenn ich überall dieses Prinzip sehe, neige ich als Mensch dazu, es nicht nur auf die Dimensionen, die zu klein sind, um hineinzuschauen zu übertragen, sondern auch auf die Zusammenhänge, die größer sind als ich sie erfassen kann. Also bette ich vertrauensvoll und logisch dem erkannten Prinzip folgend meine Toten in die Höhlen der Erde, so wie eine absterbende Pflanze wieder zu Erde wird. Das enthält weniger Kult, im Sinne von verpflichtenden Handlungen oder Anbetung, als Ritual (auch das wieder ein menschliches Bedürfnis, wichtige Momente wie Geburt und Tod, Begrüßung und Abschied, das Überschreiten von Schwellen etc. mit Bewegungen und Tönen, mit besonderen Gegenständen zu begleiten und nicht einfach alles geschehen zu lassen.). Gott die Mutter ist eben keine Person, die von irgendwo außerhalb auf die Menschen schaut, die wertet, urteilt, straft, belohnt oder droht (oder mit der sich drohen ließe wie mit dem bösen „Lieben Gott“), sie ist das Prinzip, das Element, die Dimension, in dem, in der wir leben und erfahren. Sie ist genauso das Universum (oder auch das Multiversum) wie sie die Erde ist, sie ist der große Rhythmus, die Faszination und tiefe Beruhigung und Beglückung, die ich erfahre, wenn ich nachts auf dem Boden liege und in den Himmel schaue und mir bewusst mache, dass ich, gehalten von der Schwerkraft, mit der Erde durch dieses unendliche All reise, tanze, dass diese große Erde, auf der ich liege und die mich so verlässlich trägt, winzig ist, unvorstellbar winzig im Vergleich zu all dem, was noch um sie herum ist. Da ist nichts zu erkennen, was theologischen Charakter hätte, was Macht ausüben will (trotzdem es unverkennbar mächtig ist), was Anbetung oder Kulte irgendwie erfordern könnte. Die Urmutter-Figurinen, die in Stein geritzten Spiralen, die Höhlenmalereien sind Symbole für dieses Prinzip.
Der Unterschied zur patriarchatsgemachten Religion könnte gar nicht größer sein und vielleicht sollten wir neue Worte erfinden, um nicht mit Menschen, die eigentlich genau das Gleiche meinen und wollen, an den Begrifflichkeiten in Streit zu geraten. Oder wir müssten dem, was wir sagen, stets voranstellen, Achtung, bei dem, was ich sage oder schreibe, handelt es sich immer um den korrigierten und neu (d.h. ursprünglich) verwendeten Begriff von Gott und Religion.

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Heilschnurren

Ich hatte ein steifes Genick. Oder mir was gezerrt. Was weiß ich. Auf jeden Fall tat es im Nacken und zu den Schultern hin weh. Heute Nacht kam erst Jane auf meine rechte Seite und legte sich genau an den schmerzenden Bereich, dann kam links Freya und tat dasselbe. Beide schnurrten und schnurrten, dass alle Muskeln im Schultergürtel bei mir vibrierten. Und heute Morgen ist es viel, viel besser. Vielen Dank!

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So war das, nur mit mir dazwischen.

Summender Tag.

Sommerliche Wärme, in der ich mich wohlig dehne, Haselnüsse und Gesumm im blühenden Efeu. Die Hühner mausern der Reihe nach und die letzten Tomaten und Zucchini sind geerntet. Kohlrabi und Grünkohl warten noch geduldig. Die Gänse ziehen wieder und alles duftet und leuchtet. Kaum vorstellbar, wie trist es vor ein paar Tagen im Dauerregen noch war.

 

 

Nun beginnt es,

das Steigen in die Dunkelheit. Ich habe den Eindruck, dass die Hühner jeden Abend eine halbe Stunde früher auf der Stange sitzen. Heute habe ich ein neues Neunholz gesammelt und das alte verbrannt. Das alte war noch aus dem Sauerland. Singsang („chanten“) stellt sich dabei ganz von alleine ein. Ich habe bei einem Spaziergang völlig ungeplant angefangen zu sammeln, es war auf einmal dran, war ein Schritt heraus aus Anstrengung und Sorgen, ein Schritt in die selbstverständliche Eigenmacht, die wir so oft vergessen, dabei ist sie immer da.

Und mir ist eingefallen, an wen die kleine Katze mich erinnert, an die wunderbare Katze in Coraline (tolles Buch, toller Film):

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Maroni

Genuß beim Sammeln

im lichten Blätterschatten auf Sandwegen

(Erinnerung an Onkel Heinz)

genußvoll nach Hause tragen

bewundern

zu mehreren kreuzweise einschneiden

(geht gut mit meinem Opinel)

ab in den Ofen und genießerisch warten

es duftet

und dann

hmmmmmmmmmmm.

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