Makia

Mir fällt verstärkt auf, dass die Intoleranten, die Eingeschränkten, die Respektlosen ausdauernd und in immer gleichen Textbausteinen von ihrem wunderbaren Charakter, ihrer Toleranz und Kritikfähigkeit, ihren Freunden überall, der Wichtigkeit des Respekts ihnen gegenüber reden. Sie reden und reden (auf „sozialen“ Plattformen schreiben sie auch) mit einer Ausdauer, dass klar ist, in ihrem Leben ist außer der Nabelschau auf das eigene Ego, den eigenen Schmerzkörper, nichts möglich. Ein bißchen Hass noch vielleicht, ein bißchen Dummschwätz, noch eine Theorie wie blöd die andern sind und wer Schuld hat an allem, noch eine Stammtischlitanei und ein Verschwörungslink, das ist alles.
P1160614Wer „Gutmensch“ als Schimpfwort benutzt, verpasst die Güte der Menschen, wer immer darum kämpft, einen Nutzen von allem zu haben, verliert, wer ständig Skandale und Katastrophen heraufbeschwört, wird sie auch bekommen, wer Worte als dogmatisches Mittel einsetzt, verliert ihre Schönheit und ihre Effektivität als Wegweiser zu den wichtigen Dingen.

Ich will das nicht. Ich will die Heiterkeit, die Leichtigkeit, die Freude, die Tapferkeit, die Klarheit, an all das will ich mich mit Ritualen, in der Stille, mit Freundinnen, in Trancereisen und Meditationen, im Achtsamkeitsübungen anbinden, daran erinnern. Den Fokus richten (Energy flows where attention goes), atmen, spielen, wagen, barfuß gehen, sein.

Lesefreuden

Ein Satz, der mir immer wieder begegnet, ist: „Du kannst doch nicht so viele Bücher auf einmal lesen.“ Doch, kann ich, will ich, genieße ich. Es liegen Bücher auf dem Wohnzimmertisch und in der Küche. Neben der Badewanne und auf dem Klo, und natürlich liegen welche am Bett. Und zwischendrin lese ich am kindle oder nehme ein ganz anderes Buch aus dem Regal und schiebe es dazwischen. Manchmal habe ich auch dasselbe Buch mehrfach herumliegen oder mache solche entzückenden Entdeckungen wie eben dies:
http://www.gutenberg.org/files/46184/46184-h/46184-h.htm
Ich lese nämlich gerade Frau Jenny Treibel von Fontane, höre es als Hörbuch auf Librivox (gelesen von Hans Hafen, der Fontane vorliest wie kein anderer) und suchte nach einem Zitat, als ich beim genannten link das ganze Buch fand und in einer Woge von Seligkeit einer Querleserin schwamm – im Hochscrollen, den gesamten Bildschirm diagonal erfassend, ein paar Kapitel sozusagen „rückwärts“ lesend. Nun nehme ich mich wieder zusammen und genieße die Kommerzienrätin langsam und auf Papier.

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Alle Boote warteten, bis sie wieder bei ihrer Mama angekommen war.
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Pfingstsonntagsausflugsidylle
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Wetterschiff
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Selten habe ich einen Grabstein so schön gefunden.

Eisheilige

Die kalte Sofie hat das Land nochmal kräftig gebürstet. Der Ofen brannte zum Glück schön, trotz des Windes, und die Kastanienblüten öffnen sich auch unerschrocken. Mein Ginster im Vorgarten blüht rot, und der Frauenmantel breitet sich aus. Alle Sträucher und Laubbäume spielen mit sämtlichen Schattierungen von Maigrün.

SAMSUNG
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eingewickelt

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Der zauberhafte Wein, der im Herbst so aromatische kleine Trauben hervorbringt, klettert über den Zaun hinweg in den roten Hasel. Dort schlingt er kleine, harte, unwahrscheinlich feste Ärmchen um die Zweige. Nachher werde ich vorsichtig ein bißchen entwirren, mit Gewalt geht das nicht, dann geht was kaputt. Also, befreit euch vorsichtig aus den Umschlingungen, am besten ihr lasst euch gar nicht einwickeln.