Maître Corbeau

P1160097Ich habe den genauen Moment verpasst – also mit der Kamera. Deshalb kein Bild dazu sondern Worte. Eine dieser wunderbaren Krähen (ich liebe Krähen, Rabenvögel überhaupt), die den Müll auf dem kleinen Spazierweg durchforsteten, schnappte sich einen Milchshakebecher von McDonalds (wo der herkam, so weit wie hier der nächste McD zum Glück ist), flog hoch in einen Baum und saß dort wie in der berühmten Fabel der Rabe mit dem Käse. Statt ein brillantes Foto zu machen, stand ich unter dem Baum wie der Fuchs und sagte „Et bonjour Monsieur du Corbeau, que vous êtes joli! Que vous me semblez beau!“ Da ließ sie verfrüht den Becher fallen. Vielleicht hätte ich es mit „Madame la Corneille“ versuchen sollen. Oder der Becher war ihr einfach zu leer.

Staub.

Bücher sind (wenn die ersten 20 Kisten gepackt sind und ein unabsehbarer Teil des Workouts noch vor einer liegt) vor allem schwer und staubig, staubig, ohne irgendwie schmutzig zu sein, buchimmanenter Staub gewissenmaßen. Am Abend habe ich den Eindruck, ich könne mich ausklopfen lassen wie einen alten Bibliotheksteppich. Dabei ziehen immer noch Bilder durch meinen Kopf – die schönen alten Ausgaben, der gesammelte Shakespeare von 1864 (so ein wunderbares Buch), die Reihen und Reihen der englischen Penguin Books (unter dem Regal stand meine Wiege, so dass meine Liebe zu Büchern und England schon früh beginnen konnte), die schweren Bildbände und Lexika, die spanischen Bücher meines Großvaters mütterlicherseits, der im Alter verschiedene Sprachen erlernte, ohne sie jemals sprechen gehört zu haben, zwischendrin Postkarten von mir, Festschriften zu Schuljubiläen, ich bin ganz stolz, dass ich mich so wenig festgelesen habe. Nun ist mein Vater ziemlich eingebaut mit den vielen Kisten, aber 8 Tage noch, dann hat auch er den Umzug geschafft. Wir freuen uns darauf, ihn bald wieder in der Nähe zu haben.

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Idylle

Und dann gibt es die Tage, an denen sich unverhofft (aber gerufen) ein gemeinsames Tun und Gestalten ergibt, an denen auf einmal die ganze Familie sich auf dem großen Sofa wiederfindet, Hunde und Katzen untergemischt, und einen Film schaut.

2014-06-24 07.59.08

Beginn.

Wie den Tag beginnen,
wenn nicht mit einer schnurrenden Katze im Arm
dem Hahnenschrei zwei Höfe weiter
der Sonne, die Aprilschnee sanft durchscheint
und einem Frühstücksgedicht im Posteingang.

P1130641Das Gedicht:

Ich bin so knallvergnügt erwacht.
Ich klatsche meine Hüften.
Das Wasser lockt. Die Seife lacht.
Es dürstet mich nach Lüften.

Ein schmuckes Laken macht einen Knicks
Und gratuliert mir zum Baden.
Zwei schwarze Schuhe in blankem Wichs
Betiteln mich “Euer Gnaden”.

Aus meiner tiefsten Seele zieht
Mit Nasenflügelbeben
Ein ungeheurer Appetit
Nach Frühstück und nach Leben.

Wer weiß, von wem es ist?

Das Ahninnenhaus.

„Ihr müsst reisen“ hat Gerda immer zu uns gesagt. Ein Rat, der bei mir auf fruchtbaren Boden fällt, ich liebe reisen. Nicht das Pauschalreisen, sondern das findende Reisen, das ankommende, das tastende und staunende, das neugierige Reisen mit ungewöhnlichen Blickwinkeln. Ich kann mir auch Orte, die ich noch nie gesehen habe, gut vorstellen, es ist jedoch noch schöner und wirkungsvoller, wenn ich in Gedanken, in der Fantasie oder Meditation zu einem Ort, an dem ich wirklich war, gehen kann. So steht „mein“ Ahninnenhaus in Cornwall, nahe dem Lochstein Mên an Tol.

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Da bin ich wieder.

Dies ist mein neuer Blog. Neuanfänge, neue Seiten, frische Blätter, Tagebücher, Kladden usw habe ich schon immer geliebt, also schlage ich passend zum erfolgen Umzug und dem ersten Einleben, immerhin sind wir schon gut 3 Monate hier, einen neuen Blog auf.

Der Name dieses Blogs stammt von einer Örtlichkeit, die ich bei Trancereisen gerne aufsuche, dem Ahninnenhaus. Ahninnen sind nicht nur die direkten Vorfahrinnen sondern in diesem Zusammenhang alle, von denen ich lernen, an die ich mich lehnen kann, weise und kluge Frauen, aus allen Zeiten, Mystikerinnen und Dichterinnen, Lebende und Tote, da treffe ich dann zum Beispiel Agatha Christie und meine ostpreußische Urgroßmutter Emma Kaschewitz.

Mein Name hier (alles Mögliche war schon vergeben) stammt aus meinem liebsten Lieblingsmärchen.

2015-03-09 11.40.19