Jetzt kommt die Zeit des überschäumenden Wachsens. Während die Mirabellenblüten noch weithin leuchten und morgens um 6 schon die Hummeln in ihnen summen, treibt der freche Wind (le vent fripon) schon etliche von ihnen zwischen Wiese (Moos mit so vielen Gänseblümchen!) und blankblauem Himmel dahin. Tja, ohne dass die Blütenblätter verwehen, gibt es keine Früchte. Ich liege auf der Hollywoodschaukel, der Wind gibt Anschwung, und höre Edith Piaf. „Non, je ne regrette rien.“ Am Ende mag ich es immer ein bißchen ändern – „Car ma vie, car mes joies, aujourd’hui, ça commence avec – moi.“
Morgenorakel
Natürlich kann ich nicht an einem so schönen Stand wie dem von Gabriele vorbeigehen, ohne etwas Besonderes zu finden, also habe ich mir letzte Woche einen Satz Runen gekauft. Heute Früh habe ich drei gezogen, rechts: die aktuelle Situation, mittig: die Haltung, die einzunehmen gut wäre, links: die Chance, wenn das Thema mit dieser Haltung bearbeitet wird. (Angharad? Hast du Lust, sie zu erklären?)

Ein Eckchen.
Vielleicht quartiere ich mich nächstens mal für einen Lesetag bei meinem Vater ein. Es hat schon Spaß gemacht, alle die lieben Bücher mal wieder in die Hand zu nehmen. Wobei ich weder beim Ein-, noch beim Auspacken „Der Arzt Gion“ gesehen habe, dabei will ich das unbedingt wieder mal lesen! (Zuhause vergnüge ich mich derzeit mit „By the pricking of my thumbs“ zum aberhundertsten Mal, „Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch“ und „Am stillen Ozean“.)
Das Arbeitsleben ins Ostfriesland puckert so langsam an und ich fühle mich ein in das, was ich in der Hinsicht will und kann und brauche.
Bücher.
Beim Auspacken der über 40 Bücherkartons meines Vaters (ein unterhaltsames Gemeinschaftswerk, bei dem meine Kinder einen guten Gesamtüberblick über Literatur bekommen) muss ich wieder an Tommy und Tuppence Beresford in „Postern of fate“ denken. Da ist das mittlerweile altgewordene Ehepaar umgezogen, in ein großes Haus, in dem die Handwerker viel zu tun haben, und haben, nachdem sie extra ihre Bibliothek aussortiert und verkleinert hatten, den Vorbesitzern einen Bestand an herrlichen alten Kinderbüchern abgekauft und kämpfen nun mit dem Platz in den Bücherregalen. ‚“Books!“ said Tuppence‘ ist das Thema des Tages.

Aprilwetter
Die Blutpflaume hüllt sich in eine rosafarbene Blütenwolke, und in der Kirsche entdecke ich, als ich eigentlich Zwischenräume schauen will, einen kleinen Wasserspeier. Es riecht nach sich eben gehoben habendem Nebel und kommender Sonnenwärme, ein ganz leicht rauchiger, frischer Geruch, früher nannte ich das „Zoowetter“ – früher in Gelsenkirchen waren wir dauernd im Zoo, als ich ein sehr kleines Kind war, da hat sich der Morgengeruch angeheftet.
Lesen.
Ich war mal wieder im offenen Bücherschrank. Dort beseitige ich immer zuerst den Mißklang, den lieblos, verkehrt herum ins Regal geschrammelte Bücher in mir auslösen und stelle sie richtig hin (das hat nichts mit Ordnungszwang zu tun, unter dem ich nicht leide, sondern mit Synästhesien). Diesmal habe ich „Der rote Schal“ von Wilkie Collins gefunden und tauche begeistert ein in diese versunkene Welt, die so treffend und vielschichtig beschriebenen Charaktere, bei ihm kommt immer der Moment, in dem ich mich mit jeder der Figuren identifizieren kann, es gibt kein schwarzweiß sondern ein verwirrendes Gemisch an Farbtönen, ein spannender, lehrreicher Genuß.
Seitigkeit
Die Sonne versank nicht im Meer sondern hinter dem Dorf.
Die Tür ist von innen beschriftet.
Es war ein wunderschöner Ausflug, ein Besuch bei einer besonders lieben Freundin. Und ein schönes Nachhausekommen, so sehr ich das Meer liebe, zum Wohnen ist es mir im Moment so sehr angenehm, ein Stückchen ins Land hinein.
Zeit.
Ausflug
Finden.
Ich liebe den Brauch, kleine Geschenke im Garten zu verstecken und dann inmitten des Frühlings beim Suchen und Finden dabeizusein. Jede Knospe, jede Blume (Quendelblättriges Sandkraut reckt die winzigen Blüten, der Flieder geht gleich auf, der erste Löwenzahn hat schon geblüht – seltsamerweise habe ich hier noch keinen Huflattich gesehen) ist ja eigentlich schon ein Geschenk und ich finde jeden Tag neue, verstehe aber, dass die Kinder gerne noch etwas Zusätzliches wollen. So dekopuristisch ich sonst bin, um Ostern herum verteile ich gerne Eier, Frühblüher, Hasen und Hühner in der Gegend, das fruchtbare Erwachen, auch diesmal wieder, mag ich feiern.












