bin ich jetzt Mutter.

bin ich jetzt Mutter.

Gwennie Pippi Prillan Fran Berta Mr. Sheffield Señorita Conchita Paule Fee Rotkäppchen
Ich will keine Hühner mehr halten (wo eh schon die Hähnchenselektion vorangeht), ich will auch keine Eier mehr essen. Die menschliche Hybris ist ein Ungeheuer. Theoretisch wusste ich das schon länger. Für andere zeigt es der Nachbar, mit seiner kleinen Giftspritze, mit der er Solitärbienen einmauert, tötet, egal, was man sagt. Praktisch und für mich hat es mir der letzte Hühnertod gezeigt. Würde ich beten, wäre es um Verzeihung.

ist gerade sehr angenehm. Die letzten Tage waren heiß, nächste Woche soll es kühler werden.
Da draußen geht der Massenwahn trotz aller offensichtlichen, sachlichen Gegenargumente immer weiter, die Bundesländer und Kreise sperren einander aus, Hass und Denunziantentum blühen, unsinnige Ängste treiben wirre Blüten („Ich habe ein Auto aus Gütersloh gesehen, zum Glück hatte es 2 m Abstand!“), eine wird zurückgeworfen auf sich, Körperin, Eigenraum. Und das nicht im Sinne von „Wie schön, endlich kann ich mal entschleunigen, ist es nicht eine wunderbare Gelegenheit und blabla.“ Viel ernster, tiefer und bedrohlicher. (Wir brauchen nur an die Familien in den 20 qm Wohnungen ohne Balkon zu denken, hinter bewachten Bauzäunen eingeschlossen, bei 30 Grad im Schatten. Da pfeifst du auf Entschleunigung und willst raus.) Ich erziehe nun den jungen Hund und freue mich so gut es geht.

Schwellenritual
verletzte Katze versorgen
Unfassbarkeit von Hunderten von eingesperrten Menschen, mitten in Deutschland, mitten im 21. Jahrhundert – Patriarchatskritik ist nötiger denn je (und leider flüchten sich viele, von der Massenpanik angesteckt, in die Mauern des Patriarchats zurück)
Achseln zucken, Schultern küssen

nun komm ich noch dreimal, dann nimmermeh’…
Ich wäre sehr traurig.

Unfassbarkeit, potenziertes Patriarchat, Lockdown, und auf einmal soll ich wieder funktionieren? In einer „neuen Normalität“? Nein. Das mache ich nicht. Ich schaue auf mich. Ich lausche. Losnächte im Juni. Ich lasse mich nicht aus- und anschalten. Ohne die Außenwelt ganz aus dem Blick zu verlieren, geht die Schau nach innen. Innen, innig, innerlich. Sogar Dinge, die ich im März und April noch ersehnt habe, treten zurück, wären zu anstrengend. Genau habe ich noch nicht herausgefunden, warum und wie das so ist. Aber mein Haus und Hof, mein Garten und Getier (ok, Alliterationen gehen noch) sind derzeit mein Halt und Hafen.

Lauer Regen, Sommerregen
Rauscht von Büschen, rauscht von Bäumen.
O wie gut und voller Segen,
Einmal wieder satt zu träumen!
War so lang im Hellen draussen,
Ungewohnt ist mir dies Wogen:
In der eignen Seele hausen,
Nirgends fremdwärts hingezogen.
Nichts begehr ich, nichts verlang ich,
Summe leise Kindertöne,
Und verwundert heim gelang ich
In der Träume warme Schöne.
Herz, wie bist du wund gerissen
Und wie selig, blind zu wühlen,
Nichts zu denken, nichts zu wissen,
Nur zu atmen und zu fühlen!
Und ergänze Meins, aus einem Gedicht für meine sterbende Mutter vor über 20 Jahren
„Bei Birkenblatt und Buchenlaub,
bei Duft nach Regenfall auf Staub,
Kornblumen, Klatschmohn, Welschkornfeld,
du siehst, bei allem in der Welt,
denk ich an dich.“
Und diese Liebe, dieses Fühlen, ist dann doch das Wichtige, das alle Ent-Täuschungen und Ego-Gaukeleien überholt.

wie es in Telefonzellen gerochen hat? Wie die Telefonbuchseiten sich anfühlten? Wie eng es war, wenn man sich zu zweit hineingedrängt hat und welches Geräusch die Münzen beim Einwerfen machten?
Erinnerung verklärt nicht automatisch, manchmal klärt sie einfach die Wahrnehmung.
Und an einer hängen immer noch weitere, an meiner Telefonzellenerinnerung hängen unter anderem
die vergebliche Investition eines Fünfmarkstücks,
eine panierte, gebratene Banane,
Anrufe bei erdachten Nummern irgendwo in Irland und Australien,
eine Straße namens Hasenkopf.
und gehe von Katze zu Katze. Regen und Sonne wechseln sich ab, ich lese verschiedene Bücher in verschiedenen Räumen, ich verabschiede Gedanken und FreundInnen, träume mich hin und her, häkle ein bißchen, frage mich, ob ich den Schal, den Lockdownschal, im Winter werde tragen wollen. Und wieder war Vollmond. Stille, Stille, Stille.
