Nachtfrost

Nachtfrost hat Reif auf die Wiese gelegt
und eine kribbelnde Frische in die Morgenluft
während die Kastanien Blütenkerzen recken
und Weißdorn die Welt beduftet, dass alles riecht wie
eine Mischung aus Bergpfaden um Peñalba de Santiago
und Straßen in Gelsenkirchen
das weckt mich
wie ein Sprung in einen kalten See
und ich hüpfe die Treppen hinunter
singend und pfeifend
ein Potpourri aus Moyland (Rambles of spring) und Konstantin Wecker (Wenn der Sommer nicht mehr weit ist)
gleichzeitig die Endzeitszenariennachrichten betrachtend
und die Sinfonie des Lebens mitfühlend
die um mich braust.

 

 

Entgrummelt.

Grummelig in den Graupel geschaut
der von den Dächern ins grüne Maigras rollte
und unter den Büschen liegenblieb.
Den Kragen hochgezogen
gegen den kalten Wind
und die Hände warmgepustet
nach dem Eiersuchen im Efeu.
Auf einmal
die Schultern sinken lassen
den Blick gehoben
tief geatmet
all die Vögel gehört
Sonne auf der Stirn gefühlt
und das Grün gesehen, das Blau und die weißen Fahnen der Wolken –
Leute, es ist wirklich Mai.

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Mai.

Es ist schon wieder Mai. Mit Blüten und kühler Frühlingsluft, abendlichen Feuern und täglichem Staunen, welche Blätter sich entfaltet haben.

Meine kleine Vela ist nun eine sehr alte Hündin. Wir hoffen auf warme Wohlfühltage für sie.

Frühlingswochenende.

Da ja eine Reihe von Feiertagen ansteht, ist heute schon so etwas wie Wochenendbeginn. Ich feiere das Wetter mit meinem schönen Kleid aus der Schweiz (genäht von SASA, findet ihr bei facebook) und freue mich, dass ich am Frühstückstisch vor der Zeitung gewarnt werde, dort ist eine ganze Seite dem Pfarrer gewidmet. Es steht nämlich Ostern an.

Ich habe als Frühlingssymbole meine 3 wunderschönen Keramikeier aus Seelbach hingestellt und ans Wohnzimmerfenster das Riesenei in Grün, Gelb und Weiß. Allerdings bestimmt nicht wegen Ostern. Ich fasse mal zusammen:

Da wird ein Fest von der Kirche annektiert, das Fruchtbarkeit (Lebensweitergabe durch Mütter), Leben, Zyklen im Mittelpunkt stehen hat, wird aus dem Zyklischen herausgenommen in eine lineare Geschichte aus Leiden und Darben im Irdischen (während dabei die Erde untertan und kaputt gemacht wird), um in eine lineare Ewigkeit (im Himmel oder in der Hölle) einzumünden. Dann wird diesem Fest ein festes Datum zugewiesen (der erste Vollmond nach Frühlingsanfang) und dieses Datum dann nicht einmal eingehalten, da die Kirche sich immer noch nach den alten Berechnungen richtet, geleitet vom Aberglauben, dass Karfreitag auf keinen Fall Schwarzmond sein dürfe – deswegen gibt es einen gewissen Sicherheitsabstand zum ersten Frühlingsvollmond, der dieses Jahr zu einem viel zu späten Ostern führt. Details gibt es bei artedea hier auf WordPress im Artikel zum Osterparadoxon.

Kritiklos werden sich auch dieses Jahr wieder unglaublich viele Menschen das Urbi et Orbi „spenden“ lassen (Greta T. will den Papst mit in den Klimaschutz einbeziehen, allmählich lässt sie sich wirklich in den Einheitsbrei rühren) und dann Osterfeuer entzünden, auf denen mit nicht umgeschichteten Gartenabfällen direkt ein paar Vögel, Igel und sonstige kleine Tiere verbrennen. Das ist Tradition, und Tradition darf alles.

Aber es gibt zum Glück auch Gegenbewegungen, spiralige, zyklische Wege und Strömungen. Und es gibt die Erde, die, auch wenn Menschen noch so sehr an der Oberfläche kratzen, viel größer und lebendiger ist als die Hybris des Patriarchats sich vorstellen kann, und um sie, um uns herum, diesen ganzen fantastischen Kosmos.

Ich liebe Birken und Heckenrosen. Hier wachsen zwei gemeinsam auf einem Fleck. Gestern und heute waren zwei warme, duftende Frühlingstage, an denen ich den Blättchen beim Öffnen zussehen konnte, während aus der Mirabelle ein überwältigendes Bienensummen dröhnt und ein zarter Blütenduft durch den Garten weht. Heilsam.

Als es in der späteren Phase der Grippe wieder möglich war, im Bett am Laptop etwas zu schauen, habe ich in einem Anflug von Nostalgie „Löwenzahn“ mit Peter Lustig, der ja leider vor 3 Jahren gestorben ist, angesehen. Es gibt enorm viele Folgen und viele davon machen sehr viel Spaß. Dieser Mann mit Glatze und Latzhose, der voll Neugier steckt und unkonventionell lebt (Bauwagen) und handelt (Verbotsschilder und „man macht aber doch“ gibt es für ihn nicht), ist eine ganz sympathische Identifikationsfigur, und in der Sendung vermittelte er von 1979 bis 2005 zeitlos Wissen über alle möglichen Themen. 

Wenn dann auch noch die Konsequenzen des Forschens deutlicher wären, wäre es noch besser gewesen, so bleibt immer ein Rest von Idylle, sei es Landwirtschaft, Industrie oder Zoo – ok, es ist eine Kindersendung, z.B. die Massentierhaltung hätte viel drastischer gezeigt werden können/müssen und so ist es bei vielen Punkten aber es ist halt eine Kindersendung.

Bei allem Vergnügen (und aller Melancholie, gerade bei den frühen Folgen) stellt sich mir die Frage: Wie würde eine Frau in dieser Rolle wahrgenommen? Praktische, „alternative“ Kleidung, bastelnd, forschend, zwischen 40 und 65 Jahren alt, nachhaltig lebend, WissenschaftlerInnen hinterhersteigend und sie ausfragend, spielend, nicht regelkonform, begeistert laienhaft alles ausprobierend, keine Peinlichkeit fürchtend. Ich nehme mal an, es wäre keine Kultsendung geworden. Aber warum nicht? 

Mädchen und Jungen, Männer und Frauen kommen in der Sendung völlig gleichberechtigt daher, es gibt sehr viele Expertinnen mit großer Autorität, allerdings „benehmen“ die Frauen sich glaube ich alle regelkonformer als Peter, die Männer allerdings auch, er ist ein Einzelstück.

Wäre die entsprechende weibliche Figur als nicht authentisch angesehen worden? Wäre sie als unpassend empfunden worden? Zu dicht an der „Weisen Alten“? Wäre ein so freies und unabhängiges Leben bei einer Frau beängstigend für die Gesellschaft?