Gerda Bareuther, bei der ich viele Jahre gelernt habe, hat zwei Sätze gesagt, die mir in der heutigen Situation (also seit 2 Jahren) sehr oft einfallen:

„Erpressung nimmt uns den tiefsten Lebensfunken.“ und „Wir alle haben ein Gefühl für: ‚Das ist nicht recht.'“

Die Menschen, die meinen, man solle sich doch Grundrechtsverluste, Koppelung von „Freiheiten“ an körperliche Eingriffe, Ausgrenzung von Menschen mit anderer Meinung einfach positiv denken, mitmachen und in seiner eigenen kleinen Blase leben, sollten das mal überdenken.

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Modranith (Mutternacht)

Ich habe eine CD, die ich zu Weihnachten gerne höre, weil die Lieder mich fröhlich machen. Eine ehemalige Kollegin hat sie mir vor vielen Jahren geschenkt. Ein südafrikanischer Kinderchor singt klassische und etwas neuere Weihnachtslieder auf eine Art und Weise, die eine zum Tanzen bringt. Ohne Kitsch und Brimborium. Heute habe ich ihr ein Foto von unserem Heiligabend geschickt und dazugeschrieben, dass die ganze Familie jedes Jahr nach dieser CD verlangt. Und sie antwortete, sie hören sie auch gerade. So bleiben manche Verbindungen über vermeintliche Kleinigkeiten bestehen.

06

Heute war wieder mal Corona Gipfel.

Ergebe ich mich der Trauer
oder gebe ich ihr Raum?
Ich gebe ihr den Raum,
den sie braucht,
den Raum,
der für sie gebraucht wird.
Wenn wir in diesen Zeiten
die Trauer beiseite schieben,
fügen wir den Verbrechen noch eines hinzu.
Das habe ich nicht vor.
Ich schaue Trauer und Wut und Freude an
und fühle, wie sie beginnen, gemeinsam
einen Weg zu schaffen.
Einen Weg zu schaffen
wie einen Wildwechsel,
wie ein Flußbett,
wie ein Delta,
wie ein Wind, in dem Bäume sich neigen.

Besuch.

Freya war zum Essen da. Freya ist eine kleine, schildpattfarbene Katze. Vor ein paar Jahren kam sie aus dem Tierheim zu uns. Und letztes Jahr hat sie beschlossen, nach schräg gegenüber zu ziehen und Einzelkatze zu sein. Meistens kommt sie einmal am Tag zu uns, nascht etwas und geht dann wieder. Zur Begrüßung wird Köpfchen gegeben und sie lässt sich streicheln.

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Wütend.

Ich merke, dass in mir eine Wut erwacht. Nicht die Wut auf die unsägliche, demokratie-, verfassungs- und menschenwürdewidrige Politik, die ist schon lange wach, das ist bei einer Patriarchatskritikerin, Friedensaktivistin, Tierschützerin usw. auch nicht erstaunlich. Diese Wut hatte sich nur verstärkt, als ich im März 2020 sah, wie Leute, die bisher dieses System, in dem sie sich eingenistet hatten wie eine Speckmade, gefeiert hatten, sich die Vorteile dieses Systems zugunsten leerer Parolen (Solidarität. Bring Corona nicht zur Oma. Wir bleiben zuhause. AHA-Regeln) einfach aus der Hand nehmen ließen, nicht mehr reisten, sich nicht mehr mit der Familie trafen, nicht mehr feierten und alle Kranken und Alten in Heimen und Kliniken allein ließen, von jetzt auf gleich. Aber jetzt kommt die Wut auf die Menschen, die mir nahe waren, wirklich nahe. Menschen, für die ich jahrzehntelang eine Ansprechpartnerin in Sorge, Not und Krankheit war. Und eine Begleiterin bei Reisen, Seminaren, eine Gesprächspartnerin. Menschen, die mich immer noch fragen, wenn sie in Sorge, Not und Krankheit sind – und denen gleichzeitig zu meiner tiefen Not des drohenden Impfzwangs nichts einfällt als „lass dich doch einfach impfen“. Oder „Ach, das können sie doch nicht machen.“ Für mich geht es um Alternativen wie das Land zu verlassen (wohin? was ist mit meinen Tieren?), unterzutauchen, mich umzubringen, mit gefälschten Impfunterlagen (alle paar Monate neu) das Narrativ zu stärken – und was höre ich? Sätze von „Mach doch, was du willst“ bis „Dann musst du halt die Konsequenzen tragen“ (ein Bußgeld am anderen und irgendwann Beugehaft). Gerade frage ich mich, ob es Wut ist oder doch Schmerz. Ist es euch egal, was dieses Land, dem ich zumindest was die Grundrechte anging, halbwegs vertraute, mir antun will?

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Liebe FreundInnen

wisst Ihr, dass ich noch 3 Monate (nach den Ankündigungen ) habe, bis ich mich endgültig entscheiden muss? Ob ich mich erpressen und mir somit den tiefsten Lebensfunken nehmen lasse und seelentaub werde wie schon viele von euch? Ob ich das Land verlasse (und somit meine Kinder, meine Tiere, liebe Freundinnen, meinen Garten, meine Bäume, Büsche, Kräuter, Blumen, so vieles, das ich zum Gesundbleiben angepflanzt habe, ein Haus, das ich liebe)? Oder ob ich einfach sage, ich mag nicht flüchten, das hatte ich schon in der Familie, und mein Vater, der flüchten musste, der das Unrecht nun doch sehen müsste, findet, ich könne doch einfach einlenken – so schwierig, wenn auch schwer, ist es ja nicht, einen anderen Ausweg zu nehmen.

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Nochmal Fontane, hier lässt er den alten Briest sprechen. (Der „alte“ Briest ist gut – als ich Effi Briest das erste Mal gelesen habe, war ich jünger als sie am Anfang, mittlerweile bin ich so alt wie der alte Briest am Anfang.)

„Ja, Luise, die Kreatur. Das ist ja, was ich immer sage.
Es ist nicht so viel mit uns, wie wir glauben.
Da reden wir immer von Instinkt.
Am Ende ist es doch das Beste.“