Balladengedanken (en me baladant).

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Diese Ballade von Agnes Miegel war eine der Lieblingsballaden meiner Mutter, deshalb konnte ich sie schon auswendig, bevor ich sie nachlesen konnte. Heute beim Hundespaziergang fiel sie mir auf einmal ein, da sie aktuell so schön passt. Die Menschen in der Ballade glauben, wenn sie es nur schaffen, die eine Todesursache zu vermeiden, wird keine andere sie je treffen, da Gott das nicht zulassen wird. Sie merken ziemlich schnell, dass das nicht stimmt. Und sie merken auch, dass die um jeden Preis zu vermeidende Todesursache sogar etwas Barmherziges gegenüber anderen Alternativen hat.

Herzensfreude.

Die Amseln finden die ausgelegten Äpfel in einer Minute, ebenso rasch werden die Meisenknödel entdeckt. Ich liege nach fröstelnder Hunderunde auf dem Sofa und beobachte meine Hunde beim Spielen. Merlin, mein Großer, mein Trost und mein Verlass. Und die letzte Fliege, die stets Frieda (James Krüss Leserinnen wissen das) heißt, trotzt dem Frost. „Frust“ schrieb die Autokorrektur, das wäre ja auch fein, eine Antifrustfrieda. A89EB4E7-A473-431E-9CCA-1C8BC70C76B6

Nachtrag zum 25.November

Ich zitiere hier aus dem Blog von Luisa Francia http://www.salamandra.de
„der 25. november ist der tag an dem sichtbar wird, was in dieser welt wichtig ist und was nicht. kaum jemand weiss dass am 25. november 1960 die drei schwestern patria, minerva und maria teresa – genannt las mariposas, die schmetterlinge –  in der dominikanischen republik als feministische freiheitskämpferinnen gegen den diktator hingerichtet wurden, weshalb der 25. november von der generalversammlung der uno zum internationalen tag zur eliminierung der gewalt an frauen ausgerufen wurde. kaum jemand berichtete über die aktionen und demonstrationen an diesem tag, den deutschen nachrichten wars wenn überhaupt einen satz wert. dafür mehrfache ausführliche berichterstattung zum tod von diego maradona, dem brillianten fussballspieler, frauenschläger, drogensüchtigen freund krimineller dealer und verbrecher, der an diesem tag gestorben ist.“

Persönlich kann ich mir das Datum gut merken, denn an diesem Tag vor mittlerweile 26 Jahren schlug ein wütender Mann mir eine Glastür ins Gesicht, ich verlor beinahe ein Auge und habe seitdem eine sichelförmige Narbe. Den Krankenwagen musste ich mir damals selber rufen, denn der Mann konnte kein Blut sehen, und davon gab es wirklich viel, und sackte halb ohnmächtig zusammen. Funfact: Er hat sich gewundert, als ich dann unmittelbar ausgezogen bin.

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Ich schaue „Lukas Lenz“ – Alte Freunde und April April, und mitten im Lachen (er war wirklich unwiderstehlich komisch) kommen mir die Tränen. Als ich das das letzte Mal geschaut habe, saß ich mit meiner Tochter vor gerade mal einem Jahr in Pau (Frankreich) in unserem für die 2 Wochen ihres Praktikums gemieteten Häuschen. Wir aßen Pizza, der Pelletofen wärmte, im Garten mitten in der Stadt leuchteten die Herbstblätter, wir genossen die Zeit mit Susan-Barbara, schlenderten durch die Markthallen, lernten viel, wie immer auf Reisen, und was immer uns Sorgen machte, die Sorge, dass uns Reisen und Treffen, Nähe, Umarmungen, Freiheit und Freizügigkeit, Kino, Essengehen und vieles mehr von einer demokratisch gewählten Regierung verboten werden könnte, wäre uns nicht eingefallen. 4 Monate später war all das geschehen und es wird immer ärger. Wenn wir das gewusst hätten, hätte ich versucht, dieses kleine Ferienhäuschen zu kaufen, in der Stadt, in einem großen Garten, von Mauern umgeben, gar nicht schlecht.

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Es ist unfassbar, dass es nicht mehr möglich sein soll, in Frankreich zu wandern, die Geier kreisen zu sehen, einen Café zu trinken, es ist unfassbar. Seit März sage ich das, und immer noch wird es schlimmer und schlimmer und schlimmer.

Ich überschlage, wie lange ich an meinen Büchern lesen kann (die ich ja seit Jahren möglichst reduziere, um nicht so viel Krempel anzuhäufen). Mindestens 18 Monate. Und noch haben sie die offenen Bücherschränke ja nicht wieder mit Ketten und Vorhängeschlössern umwickelt. Wahrscheinlich vergessen. Wenn ich dann noch bei meinem Vater stöbern gehe, komme ich wahrscheinlich auf 5 Jahre auch wenn ich nur die Bücher nehme, die ich wirklich lesen möchte. Natürlich kenne ich die schon alle, aber Gutes liest man ja gerne wieder, ich besonders. Worin ich nicht gerne lesen möchte, sind Reise- und Campingführer, die machen mich zur Zeit so traurig.

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Once upon a time…

Begleitung

Ein Eichhörnchen sprang
auf fingerdünnen Ästen
zwischen mir und dem See entlang,
begleitete mich (und den Hund)
ein Stück
mit zauberhafter Leichtigkeit.
Was sagt es mir?
Das Wandeln zwischen den Elementen
(wie meine Freundin Kormoran),
das inkonsequente Sein
(Winterschlaf, aber nur wie es passt),
das breitgefächerte Bild bei den Menschen
(Symbol für den Teufel, Ausbund der Niedlichkeit, Vogelmörder, blablabla) –
was sagt es mir?
Sei wie du sein kannst und hüpfe,
springe, nage und sammle,
klettere, schlafe, genieße.


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Ein so wunderbarer November ist das dieses Jahr. Heute ist der 18., meine Mutter wäre 85 Jahre alt geworden, es war ein klarer, sonniger, milder, windiger Tag, ich war stundenlang draußen, mit und ohne Hund und habe in Natur und ihrer Schönheit gebadet.

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Nebenbei hat sich bekräftigt, was ich seit März ahnte, fürchtete, wusste – der Massenwahn zementiert sich.

Radikal.

Wenn sich alles ändert,
geht neue Freiheit auf.

Wenn wir nicht mehr warten,
nimmt Leben seinen Lauf.

Wenn wir nicht mehr warten,
findet sich ein neuer Pfad.

Wenn sich alles ändert,
dreht sich das Lebensrad.

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