Juli

Allen Fakten zum Trotz, wird es immer ver-rückter. Erst Abstand, dann Maske, wo kein Abstand im Innenraum, dann Maske und Abstand, jetzt teilweise schon Maske draußen. Es ist bedrückend, es ist schädlich, es ist ungesund, es ist nicht recht. Und trotzdem passiert es. Wie so viele Dinge im Patriarchat.

Die Zucchini und die Rote Beete wachsen trotzdem, die Hortensien und der Sommerflieder blühen, und der kleine Hund will erzogen werden (wir kommen gerade in die erste „Phase“).

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Ich lese

„Zwei Wochen im Mai“ von Christine Nöstlinger, darin beschreibt sie die Zeit nach „Mein Vater, das Kriegsende, Bo und ich“. Ich habe dieses Buch zum ersten Mal gelesen als ich so alt war wie sie in der Geschichte. Als elf- oder zwölfjähriges Mädchen habe ich glaube ich nie auch nur ein Wort mit irgendjemandem über dieses Buch gesprochen, es öffnete aber eine Tür in die Welt der unbestechlichen Beobachtung der Erwachsenen und ihrer Handlungen, eine Welt ohne Schönreden und Entschuldigen, eine Welt, in der gut gemeint nicht in gut gemacht umgedeutet werden muss. Obwohl zwischen ihrem Sein als Zwölfjährige und meinem 35 Jahre liegen, sind viele Erlebnisse und Gefühle doch so gleich, vor allem auch das Schweigen, das Schweigen den Erwachsenen gegenüber, das Schweigen der Erwachsenen.

 

Präsenz.

Ein Welpe auf dem Weg zum Junghund. Da wo ich total präsent und klar kommunizieren muss, ist nicht die Zeit zu verlangen, dass er etwas besonders gut oder richtig macht. Es ist die Zeit, Bindung aufzubauen, Dinge mit ihm zu unternehmen, die ihn interessieren und ihm Spaß machen. Folgen (nicht wie „gehorchen“ sondern wie „Kontakt halten“), versteckte Gegenstände finden, rennen, auf die Decke flitzen, wenn sie irgendwo liegt, in Speißfässern herumkrabbeln, über ein Wippbrett gehen… Ich empfehle die Art mit dem Hund zu reden von Gudrun Feltmann aufs Wärmste. (Hat uns beim großen Hund ja auch schon gerettet.)

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Cornwall – Erinnerungsphoto

 

 

 

Da gerade meine Telefon- und Internetverbindung streikt, gibt es ein altes Bild aus schönen Zeiten: Kaffee und Buch ohne Maske und Formular für die Daten. Freundinnen, Familie, Tiere, Haus und Garten, geheime Wege, auf denen eine niemanden trifft, das sind die Rückzugsorte in dieser Zeit, die Kraftspenderinnen.

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Kein neues Bild aber ich mag es.

Irgendwas ist immer.

Die verletzte Katze hat sich auch noch vergiftet, zum Glück waren wir schnell genug beim Tierarzt. Die Tochter fand eine flugunfähige Schwalbe, die wir zu einer Pflegestelle bringen konnten (ein Argument für Facebook: die großartige Wildvogelhilfe-Notfälle Gruppe).

Zum Glück ist ja auch immer etwas Schönes: Der Sommerwind in den dunkelgrünen Bäumen, die Hunde, Kater Mikesch, der den Garten genießt, Bücher, Filme, gutes Essen. Und ein überraschendes Videotelefonat mit uns 4 Herstory Frauen. Freude.

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in memoriam

Gwennie Pippi Prillan Fran Berta Mr. Sheffield Señorita Conchita Paule Fee Rotkäppchen

Ich will keine Hühner mehr halten (wo eh schon die Hähnchenselektion vorangeht), ich will auch keine Eier mehr essen. Die menschliche Hybris ist ein Ungeheuer. Theoretisch wusste ich das schon länger. Für andere zeigt es der Nachbar, mit seiner kleinen Giftspritze, mit der er Solitärbienen einmauert, tötet, egal, was man sagt. Praktisch und für mich hat es mir der letzte Hühnertod gezeigt. Würde ich beten, wäre es um Verzeihung.

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Das war mein Plan fürs Frühjahr. Völlig danebengegangen.

 

Schatten und Schaukel

ist gerade sehr angenehm. Die letzten Tage waren heiß, nächste Woche soll es kühler werden.

Da draußen geht der Massenwahn trotz aller offensichtlichen, sachlichen Gegenargumente immer weiter, die Bundesländer und Kreise sperren einander aus, Hass und Denunziantentum blühen, unsinnige Ängste treiben wirre Blüten („Ich habe ein Auto aus Gütersloh gesehen, zum Glück hatte es 2 m Abstand!“), eine wird zurückgeworfen auf sich, Körperin, Eigenraum. Und das nicht im Sinne von „Wie schön, endlich kann ich mal entschleunigen, ist es nicht eine wunderbare Gelegenheit und blabla.“ Viel ernster, tiefer und bedrohlicher. (Wir brauchen nur an die Familien in den 20 qm Wohnungen ohne Balkon zu denken, hinter bewachten Bauzäunen eingeschlossen, bei 30 Grad im Schatten. Da pfeifst du auf Entschleunigung und willst raus.)  Ich erziehe nun den jungen Hund und freue mich so gut es geht.

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