Spielen.

Wir sollen doch alle mit unseren Lieben spielen, während wir nicht reisen dürfen. Hier mal ein Vorschlag: Ein Lied umdichten.

„Corona in der kleinen Stadt (oder: Väterchen Franz, du fehlst)

Wenn die Spinne Langeweilefäden spinnt und ohne Eile
giftig grau die Wand hochkriecht,
wenn’s blank desinfizieret riecht,
ging ich so gerne auf die Straße
und aus Angst und Ärger lasse
ich mein Hexenkinnhaar stehn
Tag um Tag vorüberziehn,
sitz im Garten, lese keine Zeitung
decke Bein mit Beine,
seh, hör und rieche nebenbei
das ganze Panikeinerlei.

Sonst träten sie zum Kirchgang an,
Familienleittiere voran,
heute muss man Karten zücken,
sich für Spenden nochmal bücken,
sogar die Klöster haben zu,
tadamtarutadamtaru.“

 

Frühling.

Was für ein März, nach dem langen nasskalten Spätwinterwetter. Klar, kalt, strahlend schön, und beim Spazierengehen ist eine fast immer alleine. Hier und da mal ein, zwei andere Menschen in der Ferne. Traumhaft. Aber alles unterlegt mit einer Stimmung, die mich an das Buch „Die Wand“ erinnert. Da hilft die Verbundenheit mit anderen, online, per Brief, am Telefon, und die Verbundenheit mit Natur, Kosmos, Erde, Universum – heute ist Schwarzmondin, eine gute Zeit, an diese Verbundenheit zu denken und sich ihrer wieder ganz bewusst zu werden.

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Lacher.

Ich bekomme eine Mail von der Deutschen Bahn: Für meine Reise diese Woche wird mir ein Upgrade in die 1 Klasse angeboten. Ich habe die Reise bereits storniert und das Kostenersatzformular ausgefüllt. Sonst hätte ich ja nett mit der Bahn nach Süddeutschland fahren können, wo ich nirgends wohnen oder hingehen dürfte und wo natürlich auch die Veranstaltung ausgefallen ist, zu der ich wollte. Witzig. Geht so.

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Wald ist heilsam

Spaziergang unter Sternen.

Es wird dunkel, nach einem Tag, den ich zu einem Teil kopfschüttelnd bei der Arbeit und zu einem anderen Teil sonnenbadend im Garten verbracht habe, gehe ich lange unter den Sternen durch die stillen Straßen und singe innerlich Degenhardts „Hochzeit“.

(„Nächstens oder Mittwoch,
morgen oder gleich
hocken wieder schwarze
Vögel auf dem Deich.
Jemand steht auf einem
Eimer, mit der Hand
droht er und stößt Wolken übers Land.
Beweg dich nicht.
Wo ist dein Mund?
Öffne deine Augen,
sieh in den Himmel, und
merk dir ganz genau,
wo der Polarstern steht,
eh‘ der große Bär ihn frißt.
Ritz dir in die Hand
die Marschzahl, wenn es geht,
eh‘ man die Windrose bricht.

Mach unsern Kindern Kleider
aus Fischhaut und Asbest,
Näh die schwarzen Brillen
an ihren Ohren fest.
Auf dem Schulweg solln sie
dicht an Mauern gehn,
nie vom Himmel weg zu Boden sehn.
Jede Nacht
ruf ich sie wach
und reite für ein Weilchen
mit ihnen auf dem Dach,
zeig ihnen genau,
wo der Polarstern steht,
eh‘ der große Bär ihn frißt.
Ritz jedem in die Hand
die Marschzahl, wenn es geht,
eh‘ man die Windrose bricht.

Schließ jetzt deine Augen,
Hochzeit halten wir.
Schnuppen falln vom Himmel,
noch schläft der große Bär,
Wünsch uns in ein Mondschiff,
das seinen Kurs nicht hält
und weiterfliegt bis an den Rand der Welt.
Die Jungfrau flackert –
schon vorbei –
und Kassiopeia lacht.
Die Milchstraße ist frei.
Schau raus, merk dir genau,
wo der Polarstern steht,
eh‘ der große Bär ihn frißt.
Komm, ritz mir in die Hand
die Marschzahl, wenn es geht,
eh‘ man die Windrose bricht.

Wer wird jemals finden,
wo unser Bette was?
Unter dieser Linden
brennt schon bald das Gras.
Wer spielt unsre Spiele,
liegt dann nachts noch wach,
rechnet noch mal unsre Chancen nach?
Beweg dich nicht.
Wo ist dein Mund?
Öffne deine Augen,
sieh in den Himmel und
merk dir ganz genau,
wo der Polarstern steht,
eh‘ der große Bär ihn frißt.
Ritz dir in die Hand
die Marschzahl, wenn es geht,
eh‘ man die Windrose bricht.“)

 

 

Stille.

Wir kommen der Stille ein bißchen näher,
die Städte sind leerer,
die Straßen ruhiger,
in Frühlingsbäumen blüht und zwitschert es,
wir erleben etwas,
das neu ist,
das wir nicht kennen,
Menschen sprechen anders miteinander.

C haos
O ptimismus
R uhe
O rganisation
N euland
A ufregend

Und die Veilchen blühen.

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Menschen im Patriarchat haben, basierend auf der falschen Prämisse des „Krone der Schöpfung“ Seins (passt lustig zum Corona Virus, hm?) einen Anspruch entwickelt, ein Leben mit einem Happy End zu führen, das Happy End ist sowas wie gut verdienend und gesund, reich und schön, alternativ vielleicht noch arm und edel zu leben und wenn überhaupt mit ca. 100 Jahren so einzuschlafen, dass es gar nicht auffällt. Alles andere, Krankheit, Leid und Tod werden als Unregelmäßigkeiten, als Fehler, als Zumutung betrachtet, das Überleben der Einzelnen als oberstes Ziel. Ganz vergessen wird, dass wir Teilchen eines enorm großen Lebensreigens sind, der vom Kosmos bis zum Mikrokosmos reicht, Sterne, Pflanzen, Tiere und die kleinen Völker der Viren, Bakterien, Mikroben umfasst. Das Leben findet einen Weg.

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Pause.

Krankheitspause.

Margaret Atwood (Katzenauge, wieder mal)

Dr. House Staffel 3

The Tuesday Night Club (Hörbuch)

Katze auf dem Kissen, auf den Beinen, neben mir.

Und schlafen, schlafen, schlafen. Kopf tut noch weh, Drüsen am Hals schwellen aber ab.

Wunderschön: Abends singt die Amsel auf dem Dachfirst laut vom Frühling.

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Erst waren die Menschen einfach nur da, so wie alles andere, wie die Bäume, die Gräser  und die Vögel, wie die Eichhörnchen und wie die Forellen in den Bächen. Wie die Wale in den großen Meeren. Sie lebten und sorgten dafür, dass sie weiterlebten, die einzelnen,  vor allem aber die jeweilige Gruppe (die eine matrifokale Sippe war, ihr wisst schon – wenn nicht, schaut auf http://www.matrifokal.com). Damals muss das Sein, das Tun, das Denken eins gewesen sein und der normale Zustand die Präsenz, die Achtsamkeit, die gleichschwebende Aufmerksamkeit.

Wie sind wir von dort zum heutigen Zustand gekommen? Dass Leute rasend schnell von einem Ort zum anderen gelangen, dabei wichtig ins Laptop tippen, telefonieren, den newsticker lesen (und auch noch glauben, was sie da lesen), dabei essen, trinken und permanent alles beurteilen. Kam diese Gier nach Ablenkung vom Sein schon vor dem Patriarchat? Ich denke nicht.

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In Hamburg stand ich einst am Kai

„…Das ferne Land, das weite Meer, dahin stand mir mein Sinn.“

Das ist eines der ersten Lieder, die ich erinnere, mein Vater hat es mir oft vorgesungen.

Es fiel mir ein, als ich mir jetzt in Hamburg die Landungsbrücken angesehen habe.

unnamed-2Das Gefühl des Liedes stellte sich prompt ein, allerdings mit der Frage, ob wirklich SO viel Ufer bebaut werden muss, nur damit Leute mit Fernweh auf Schiffe schauen, um dann Fischbrötchen in einem Büdchen aus dem Hamburg-In-Reiseführer zu essen. Ich bin nicht so stadttauglich – die aufgespießten Tauben, die Obdachlosen in ihren Pappkartondomizilen, der Krach, die Massen, all das überlagert die schönen Häuser und die ganze Kultur und „Kultur“, und von der Reeperbahn könnte ich gleich kotzen: Wir brauchen das nordische Modell, Freier sind Täter.

Eine Wohltat war der Aufenthalt bei Anna am Stadtrand, ich stieg aus der U-Bahn, wurde lieb begrüßt und im nahen Wald klopften Spechte und es roch nach Frühling.