Ausgehen.

Ja, es ist schwierig, mit mir auszugehen. Kinofilme unterziehe ich sofort dem Bechdel-Test und Texte werden auf patriarchale Elemente abgeklopft, leider fast immer erfolgreich. Gestern Abend waren wir bei einem Programm mit Chansons von Edith Piaf. Deren Texte will ich jetzt gar nicht analysieren, es geht mir um die humorigen Einlagen der Künstlerinnen zwischen den Liedern. Das Ganze wurde aufgezäumt an den Liebhabern der Piaf, die in Kategorien eingeteilt wurden „die, die ihr halfen, Sie wissen schon, die Beratercouch“, „die ganz jungen“ (Skandal, eine Frau mit jüngeren Liebhabern), „die, die sie nicht gekriegt hat“ (als 40jährige soll sie einem 16jährigen ans Knie gefasst haben, der daraufhin verstört aus dem Klofenster des Restaurants kletterte – gut, dass das jungen Frauen NIE passiert, dass ihnen ein älterer Mann unterm Tisch ans Bein fasst – und (unironisch): schade, dass uns nicht gesagt wurde, wir sollen dann schnell  abhauen.) Gerade in Zeiten von #metoo und dem wachsenden Bewusstsein in diesem Bereich hätte das ganz, ganz anders aufgezogen werden können und müssen. Ich wirke dann kritisch und zornig (ok, bin ich auch, mit Fug und Recht), das geht aber aus von dem Schmerz, dass immer noch diese Einstellung herrscht, dass vermittelt wird, sich Hochschlafen wäre ein Vergnügen der Frauen, die Wahl der Partnerin läge beim Mann (statt mal einige informative Worte über female choice als menschheitsgeschichtlich natürlich gewachsen und erst in den letzten paar 1000 Jahren mit unguten Folgen zerstört, einzuflechten).

Ich verlinke hier mal einen sehr guten Artikel von Rona Duwe:

https://herstory-history.com/grundlagen/perspektiven/die-weibliche-sexualitaet-zurueckerobern

Avebury
Ich kann bald wieder etwas Stein-Zeit gebrauchen.

 

„Die Katze

tritt die Treppe krumm“ ist ein beliebter Zungenbrecher. Das schafft Freya nicht. Hingegen mit Leichtigkeit „Die Katze wühlt den Schreibtisch um.“ Dabei förderte sie eine schöne Erinnerung an Gabrieles und meine Cornwallfahrt 2013 zu Tage. Wir waren auf der Tour von Cornwall zurück nach Amesbury soeben von der Autobahn abgefahren (zu unserem Bedauern, auf der ist Linksfahren nämlich ganz einfach), weil der Tank an unserem Mietwagen plötzlich Reserve anzeigte (die Anzeige sprang immer um mindestens ein Drittel) und nach dem Erreichen einer Tankstelle (völlig intuitiv, der Tankwart sagte ergriffen, wir hätten aber Glück gehabt, seine sei die einzige Tankstelle weit und breit) hatten wir das Bedürfnis nach einer Tasse Tee (naja, ich wollte Kaffee und Scones 😉 ).
Dass sich in diesem Haushalt etwas so Kleines und lose Umherfahrendes wie eine Visitenkarte so lange halten kann, ist wunderbar:

Noch Januar.

Doch neigt der Monat sich dem Ende zu. Es kommt die Zeit, in der zu entscheiden ist, was mitgenommen wird ins Frühjahr, was bleiben soll, was abgelegt wird. Der Kleiderschrank ist bereits sortiert, diverse Reisesäcke auch. Die Bücher warten. Und verschiedene Verknüpfungen. Das Kaleidoskop dreht sich.

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Zauberhafter Morgen.

Mit Eimer und Futter durchs gefrorene, leicht beschneite Gras zum Hühnerstall gehen, saubermachen, frisches Wasser holen, die Vögel am Futterplatz versorgen, während ein Rotkehlchen mir zusieht und der Himmel dieses diffuse Licht hat, wenn ganz dicht über dem Nebel der blaue Himmel durchschimmert – das ist richtig, richtig gut.

Fast…

Fast kann ich mir heute schon ganz genau vorstellen, wie es sein wird, wenn der kaum wahrnehmbare Schimmer, der über allem liegt, zum echten Vorfrühlingsduft und -licht geworden ist. Gänseblümchen und Maulwürfe lockern das (erstaunlich grüne) Wintergras auf.

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Aussichts-Los

Ich ziehe das Aussichts-Los und setze mich mit meinem Schreibzeug ans große Wohnzimmerfenster. Ja, und mit dem zweiten Kaffee, logisch. Am Futterplatz im Vorgarten finden sich ein: Blaumeisen, Kohlmeisen, Ringeltauben (ein Paar), Türkentauben (ebenso), Gimpel (leider eher selten), Kleiber (auch selten), Buchfinken, Schwanzmeisen (immer für kurze Stipvisiten im großen Schwarm), Buntspecht, Weidenmeisen, Spatzen und natürlich Amseln und Rotkehlchen.

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Es fängt schon an.

Ich habe dieses Jahr wirklich am 1. Januar Jahreskarten gezogen. Unter anderem eine Karte aus Luisa Francias Göttinnenspiel. Tanna. Mit der hatte ich bisher noch nichts zu tun und war erstmal irritiert. Der zentrale Punkt ist aber einer, den ich sehr wichtig finde und der mir nun auch schon in diesen ersten Tagen des neuen Jahres massiv begegnet:

„Wie decke ich Täuschungen auf, ohne Schaden zu nehmen?“

Das ist ein interessantes Thema.

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Ich bin ich, im Federkleid, Muscheln findend und Steine, die sich in meine Hände schmiegen. Nur ich gehe meine Wege, nur ich singe mein Lied, es ist ein einsamer Gang, summend meiner Knochen Gesänge.

Die zweite Tasse Kaffee.

Seit Jahren liebe ich dieses Ritual – mich mit der zweiten Tasse Kaffee ans Fenster zu setzen oder zu stellen und einfach zu schauen. Derzeit schaue ich natürlich vor allem Vögel am Futterplatz. Heute in strahlender Sonne. (Gestern auch schon.) Nach dem Wetter der letzten Wochen (gefühlt Monate) habe ich ein enormes Bedürfnis nach Sonne. Und nach Sternen. Als ich nachts wach wurde, schaute durchs Dachfenster die große Bärin zu mir herein. Da lag ich lange schauend wach.

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