Wenn du üben willst, auch auf dem Grund eines Brunnens glücklich zu sein, mach dir klar: Egal, welchen Durchmesser der Brunnen hat, da unten bist du alleine, niemand setzt sich freiwillig dazu. Von außen wird das Glück also nicht kommen.

Wenn du üben willst, auch auf dem Grund eines Brunnens glücklich zu sein, mach dir klar: Egal, welchen Durchmesser der Brunnen hat, da unten bist du alleine, niemand setzt sich freiwillig dazu. Von außen wird das Glück also nicht kommen.

Ich habe dieses Jahr wirklich am 1. Januar Jahreskarten gezogen. Unter anderem eine Karte aus Luisa Francias Göttinnenspiel. Tanna. Mit der hatte ich bisher noch nichts zu tun und war erstmal irritiert. Der zentrale Punkt ist aber einer, den ich sehr wichtig finde und der mir nun auch schon in diesen ersten Tagen des neuen Jahres massiv begegnet:
„Wie decke ich Täuschungen auf, ohne Schaden zu nehmen?“
Das ist ein interessantes Thema.

Seit Jahren liebe ich dieses Ritual – mich mit der zweiten Tasse Kaffee ans Fenster zu setzen oder zu stellen und einfach zu schauen. Derzeit schaue ich natürlich vor allem Vögel am Futterplatz. Heute in strahlender Sonne. (Gestern auch schon.) Nach dem Wetter der letzten Wochen (gefühlt Monate) habe ich ein enormes Bedürfnis nach Sonne. Und nach Sternen. Als ich nachts wach wurde, schaute durchs Dachfenster die große Bärin zu mir herein. Da lag ich lange schauend wach.

Das war schön. Der Himmel voller Krähen und Gänse, das Feuer in der alten Schale, der Abend mild genug, um auf der Hollywoodschaukel zu sitzen, nachdem ich ums Feuer und übers Feuer gehopst war.

Allmählich gehen die Rauhnächte zuende. Morgen ist der 5. Januar, an dem die Perchtennacht oder die Nacht der Wunder beginnt. Eine Gelegenheit, alle Magie, die man vergessen hat, in den vergangenen Rauhnächten zu weben, nachzuholen, zu ver-rücken, was noch verrückt werden will, zu orakeln, der Percht (oder der Holla) weiße Speisen hinauszustellen und zu räuchern – ich habe jetzt gelesen, man möge Kopfbedeckungen räuchern, für Konzentration und Klarheit. Da es vielleicht doch noch kalt wird diesen Winter, werde ich das mit der Pudelmütze mal ausprobieren.

So, nun haben alle sich ein gutes neues Jahr gewünscht, die Dummbummer waren bis tief in die letzte Nacht hinein unterwegs, jetzt können wir dann vielleicht wieder mit den alltäglichen und so wichtigen Dingen fortfahren. Heute Morgen stand im Westen groß und ganz intensiv gelb die volle Mondin. Das war ein magisches Erwachen. Die kleine Katze ist verheilt, und pünktlich in dem Moment, wo wir anfangen, das gelieferte Brennholz zu spalten und zu stapeln, setzt ein Landregen ein. Ich habe mir dem Wetter zum Trotz schonmal ein Sommerkleid bestellt. Mit dem wachsenden Licht bewegt sich Sehnsucht, Fernweh, Reiselust in mir.

Und dann kam die Sonne heraus und die Aktion Holz konnte weitergehen.
Woher kommt das Bedürfnis, schon 2 Tage vor und auch noch 2, 3 Tage nach Silvester alle 10 Minuten einen Böller loszulassen? Von der Orgie um Mitternacht ganz zu schweigen? Warum darauf bestehen, Tiere, Natur, Menschen zu belästigen, zu gefährden und zu schädigen, nur damit es „bumm“ macht? Und das stupide mehrere Tage am Stück? Das wird dann noch als schützenswerte Tradition verkauft.
Kommt alle gut über die Schwelle ins neue Jahr!

Orakelt, ruft und träumt,
das neue Jahr wird gesäumt
mit unseren Worten
an Traumzeitorten.
Seid mutig und weise
seid mächtig und leise
seid laut und rund
seid wild und gesund.




Mutternacht. Weiß für die Junge, Rot für die Mutter, Schwarz für die Alte. Unmerklich werden die Nächte wieder kürzer. Die erste Rauhnacht steht an. Stille Zeit, Zeit zu rufen, was eine braucht. Zeit, in der Dunkelheit still zu sein und Zeit, im Winterwind mit den Hühnern über die Wiese zu wehen. Auch Zeit, heute Abend wie jedes Jahr einen warmen, badischen Kartoffelsalat zuzubereiten, Erinnerung an Mama für immer.
„Die Bücherdiebin“ gelesen und geweint, mit der kleinen Katze zum 4. Mal wegen des Abszesses beim Tierarzt gewesen (gespült), auf dem Rückweg sprengte sie den Reißverschluß der Katzentragetasche und stieg im Auto aus. Ich versuchte, vorsichtig weiterzufahren und sie hüpfte auf den Rücksitz, stellte die Pfötchen ins Fenster und schaute entzückt hinaus. Sie schaute aus jedem Fenster, das das Auto zu bieten hat und genoß die Fahrt so offensichtlich, dass der Tierarzt ganz vergessen war. Vielleicht habe ich ja wieder eine Wohnmobilkatze gefunden… Wenn nun erstmal der Abszess verheilt!